Exklusiv

ADAC GT Masters - Kolumne - Max Sandritter

Wechselbad der Gefühle

Max berichtet in seiner neuen Kolumne auf Motorsport-Magazin.com von seiner Achterbahnfahrt auf dem Nürburgring.

Motorsport-Magazin.com - Liebe Motorsport-Magazin.com-Leser,

von ganz unten nach ganz oben - das vergangene Rennwochenende am Nürburgring war für mich ein Wechselbad der Gefühle. Am Freitag ein heftiger Einschlag beim freien Training, sodass nicht klar war, ob wir an diesem Wochenende überhaupt würden starten können. Am Sonntag dann die schnellste Rennrunde im Feld und ein guter fünfter Platz, der uns weiterhin an der Spitze der Teamwertung hält. Dazwischen ging es vom Asphalt in die Luft: bei einem Helikopter-Flug mit der Kabel1-Moderatorin Andrea Kaiser.

In einem über 500 PS starken Auto darfst du einfach zu keiner Sekunde die Konzentration verlieren oder nachlassen.
Max Sandritter

Die Bedingungen am Nürburgring waren so, wie man sie von der Grünen Hölle kennt: von Nieselregen über Sonnenschein, von Platzregen bis Nebel - eine Wetterkapriole jagte die andere. Das machte die Rennstrecke zu einer Überraschungskiste und das Fahren zu einem wahren Glücksspiel. Hinzu kam, dass wir aufgrund der "Balance of Performance" 15 Kilogramm Zusatzgewicht auf dem Auto hatten. Die Bedingungen waren also, sagen wir mal, suboptimal.

Dass ich am Freitagnachmittag beim zweiten freien Training einen schweren Einschlag in die Bande hatte, war aber wohl eher der Tatsache geschuldet, dass ich gesundheitlich ziemlich angeschlagen war. In einem über 500 PS starken Auto darfst du einfach zu keiner Sekunde die Konzentration verlieren oder nachlassen. Doch genau das ist mir passiert, als ich in der dritten Runde im Ausgang zu Turn 5 der Kurzanbindung zu weit auf den Kerb gekommen bin, mir das Auto hinten ausgebrochen ist und ich dann rechts ziemlich hart in die Streckenbegrenzung eingeschlagen bin. Ich selbst bin ohne Blessuren davon gekommen, aber als ich aus dem Auto ausstieg und meinen BMW Z4 GT3 in Augenschein genommen habe, dachte ich nur: das war's für dieses Wochenende. Drei Stunden später sollte das Qualifying starten und so, wie das Auto aussah, hielt ich es für unmöglich, dass es bis dahin wieder einsatzbereit sein würde.

Der BMW sah ziemlich onduliert aus. - Foto: motor-sport-fotos.com

Mein Team sollte mich eines Besseren belehren. Es hat mir gezeigt, was möglich ist, wenn alle mit anpacken und zusammenhelfen - vom Chef-Mechaniker bis zu unserem Teamchef Torsten Schubert. Drei Stunden später stand mein Auto wieder fahrbereit in der Box. Danke an jeden Einzelnen, der mitgeholfen und unseren BMW wieder flott gemacht hat. So gerne hätte ich mich beim Team mit einem guten Startplatz fürs Samstagsrennen bedankt. Doch der Aufprall saß mir einfach noch zu tief in den Knochen, sodass ich im Qualifying lediglich Platz 24 herausfahren konnte. Mein Teamkollege Jens fuhr einen guten Startplatz sechs ein, sodass wir zumindest am Sonntag mit einer guten Platzierung rechnen konnten.

Am Samstagmorgen hatte ich mich weitestgehend von dem Schock erholt und auch gesundheitlich ging es mir wieder besser. Das Team hatte die ganze Nacht am Auto gearbeitet, sodass auch unser BMW wieder in schönster Lackierung glänzte. Zwar musste ich von sehr weit hinten starten, doch es sollte sich herausstellen, dass dies nicht immer das Schlechteste ist. Bereits in den ersten Kurven gab es zahlreiche Kollisionen im Mittelfeld und an der Spitze, aus denen ich mich heraushalten konnte, um dann von hinten Position um Position aufzuholen. So gelang es Jens und mir von Platz 24 auf Platz zwölf vorzufahren. Zwar schrammten wir knapp an den Punkten vorbei, doch gemessen an den Umständen waren mit unserer Leistung sehr zufrieden.

Nach dem Rennen tauschte ich Lenkrad gegen Stick, Rennhelm gegen Headset und Rennstrecke gegen Luftraum. Wie ihr vielleicht wisst, ist Fliegen meine zweite große Leidenschaft neben dem Rennsport. Ich habe bereits meine Berufspilotenlizenz in den USA abgeschlossen und bin derzeit dabei, sie in eine europäische Lizenz umzuwandeln, sodass ich auch auf europäischen Maschinen als Berufspilot arbeiten kann. Als sich die Gelegenheit ergab, mit der Kabel1-Moderatorin Andrea Kaiser einen Rundflug über die Rennstrecke zu machen, habe ich natürlich sofort zugesagt. Es war fantastisch, die "Grüne Hölle" von oben zu betrachten: wie sich der asphaltgraue Streifen unerbittlich durch das wilde Grün frisst und doch von oben so unschuldig wirkt wie ein bunter Spielteppich, auf dem ein Kind Spielzeugautos über die Fahrbahn flitzen lässt. Ein toller Perspektivwechsel, bei dem ich viel Energie für das Rennen am nächsten Tag sammeln konnte.

Zusammen mit Startplatz sechs waren dies die perfekten Voraussetzungen für einen starken Rennsonntag. Im Reifenpoker bei einsetzendem Regen zum Rennstart setzten wir auf Regenreifen und konnten uns damit auf abtrocknender Strecke bis zum Fahrerwechsel behaupten. Dank eines perfekten Boxenstopps mit Wechsel auf Slicks kam ich auf Platz vier liegend wieder auf die Strecke.

Was als katastrophales Wochenende begonnen hatte, endete mit einem starken, persönlichen Erfolg für mich.
Max Sandritter

Bei den harten Zweikämpfen, die in meinem Stint folgten, merkte ich die 15 Kilogramm Zusatzgewicht schon sehr deutlich. Einen Platz musste ich hergeben, doch um den fünften Platz kämpfte ich erbittert. Als ich dann auf Platz fünf liegend nach etwa 40 Minuten auf die Zielgerade bog und die Zielflagge sah, wusste ich: das Kämpfen hat sich gelohnt. Denn mit diesen Punkten würden wir in der Teamwertung unseren Spitzenplatz behaupten können.

Doch das war noch nicht alles: wenig später erfuhr ich über Funk, dass ich in meiner letzten Rennrunde die schnellste Runde des Rennens gefahren war. Was als katastrophales Wochenende begonnen hatte, endete mit einem starken, persönlichen Erfolg für mich. Ganz nach dem Motto: das Beste kommt zum Schluss.

In diesem Sinne freue ich mich schon sehr auf die nächsten beiden Rennen am Sachsenring. Die Strecke liegt unserem BMW gut und im letzten Jahr konnten wir hier sogar einen Laufsieg erzielen. Ich bin mir bewusst, dass wir auch dort für eine gute Platzierung hart kämpfen müssen, aber ich werde wie immer bis zum Schluss alles geben. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir dabei weiter die Daumen drückt.

Bis in drei Wochen,

Euer Max


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