Eigentlich könnte sich Marco Wittman freuen. Immerhin ist er gleich in seinem ersten Rennen in der Formel BMW auf das Podium gefahren. Eine Leistung die sich wirklich sehen lassen kann. Doch stattdessen wirkt der junge Fahrer enttäuscht. Nachdem er am Tag zuvor im Qualifying für beide Rennen in Oschersleben die Pole erkämpfen konnte, hatte er sich doch ein wenig mehr ausgerechnet. Nun sitzt er ein kleines bisschen zerknirscht im Fahrerlager und zieht Bilanz. "Natürlich freue mich über den dritten Platz, aber wenn man am Tag vorher auf Pole fährt, dann rechnet man sich natürlich mehr aus."

Dass die Ansprüche des jungen Nachwuchspiloten höher sind, wird schon beim Blick auf seine Kappe deutlich. Denn die ist knallrot und trägt das Logo der Deutschen Vermögensberatung - die Ähnlichkeit zu Michael Schumacher lässt sich nicht leugnen, auch wenn auf dem Schirm selbstverständlich nicht der Name des Rekordweltmeisters der Formel 1 eingestickt ist, sondern der eigene: Marco Wittmann, Nr. 8. Auch sein Ferrari-rot lackierter Rennwagen fällt unter den anderen, meist in den BMW-Farben weiß und blau gehaltenen, Autos auf. Er weiß, dass so etwas gerade bei den anderen Fahrern nicht nur positiv aufgenommen wird. "Klar gibt es einige, die labern", sagt er mit seinem fränkischen Einschlag, "aber die sollen sich auf ihre Sachen konzentrieren und versuchen, mich auf der Strecke zu schlagen."

Schon am ersten Wochenende durfte Marco zweimal aufs Podium., Foto: BMW
Schon am ersten Wochenende durfte Marco zweimal aufs Podium., Foto: BMW

Dabei hat es gar nichts mit einer Vorliebe für die Lichtgestalt des Motorsports zu tun, dass Marco Wittmann die gleiche Kappe trägt - sein Idol ist der beinamputierte Rennfahrer Alex Zanardi. Denn neben Nico Hülkenberg und Christian Vietoris ist er der dritte und mit 17 Jahren auch der jüngste der Schützlinge vom Schumacher-Macher Willi Weber, der nach dem Rücktritt seines Stars nun auf der Suche nach einem Nachfolger ist. "Die Drei sind das Beste, was wir im Nachwuchsbereich in Deutschland haben", ist sich Joseph Kaufmann, Wittmanns Teamchef in der Formel BMW, sicher.

Kaufmann muss es wissen: Schon seit über 25 Jahren ist der ehemalige Rennfahrer mit seinem Team in diversen Formelserien tätig, und verhalf so unter anderem Gerhard Berger zu einer großen Karriere im Motorsport. In den letzten beiden Jahren hatte er Nico Hülkenberg (2005) und Christian Vietoris (2006) unter seine Fittiche genommen, die dann jeweils souverän die deutsche Formel BMW Meisterschaft gewinnen konnten und sich danach in der A1GP-Serie mit dem Gewinn des Weltmeistertitels für Deutschland auch international einen Namen machten.

Dass Marco Wittmann in der Lage ist, es ihnen gleichzutun, wurde schon am ersten Formel BMW-Wochenende deutlich, auch wenn er selbst ganz bescheiden als Ziel ausgibt, die Rookie-Wertung zu gewinnen. Seine Bilanz in Oschersleben: Zwei Pole Positions, zweimal auf dem Podium gestanden und im Rennen immer bei den Schnellsten mit dabei gewesen. Einzig an Erfahrung fehlt es ihm noch. Das wurde vor allem am Anfang des ersten Rennens deutlich. Schon in der Startaufstellung fuhr er nicht ganz bis zur weißen Linie vor und büßte direkt ein bis zwei Meter ein und so fand sich Marco Wittmann nach der ersten Kurve auf einmal auf Platz fünf wieder. Auch im zweiten Rennen am folgenden Tag büßte er seine erste Startposition ein und wurde Dritter "Das waren meine ersten Starts überhaupt in einem Formel-Rennen, wir haben wohl den Fehler gemacht, dass wir das vorher nicht geübt haben", gestand er.

Doch für seinen Teamchef Kaufmann steht fest, dass es nicht lange dauern wird, bis er auch diese Schwachstelle ausgemerzt hat. "Man darf nicht vergessen, dass er bis vor kurzem nur Kart gefahren ist, da kann nicht gleich alles klappen." Beeindruckt war Kaufmann, als sich der junge Franke zum ersten Mal in eines seiner Autos gesetzt hat und auf Anhieb konstant schnelle Rundenzeiten gefahren ist. Vorher hatte er im Kart fast alles in Europa gewonnen, was es zu gewinnen gab. Und so ganz kann er davon auch nach seinem Einstieg in die Formelserie nicht lassen. Natürlich gehe die Formel BMW mitsamt seinem Trainingprogramm vor, "aber ich habe Herrn Weber gefragt und solange es die Zeit zulässt, werde ich weiter Kartrennen fahren." So erinnert er einen dann wieder doch, wenn auch unfreiwillig, an den Mann, dessen Kappe seiner zum Verwechseln ähnlich sieht.