Mein erstes Rennen im Formelsport habe ich dieses Jahr beim Mallorca Cup gefahren. Das Wochenende begann allerdings mit einer Verspätung. Da meine ältere Schwester Jeannette und ich den ersten Flug verpasst hatten, kamen wir erst am Donnerstag auf Mallorca an. Die meisten Fahrer waren schon längst damit beschäftigt, ihre Sitze einzustellen und das Auto kennen zu lernen, als ich an der Strecke ankam. Doch das Wetter war gut und es sah alles nach einem spaßigen Wochenende aus.

Am Freitag standen gleich vier Trainingssitzungen an. Ich war erwartungsfroh und fühlte mich fit. Während dem Training habe ich mich nicht unbedingt darauf konzentriert schnell zu sein, sondern eher auf den richtigen Umgang mit den Reifen. Nach jedem einzelnen Training haben wir Fahrer die Gelegenheit bekommen, mit Instruktoren zu sprechen. Zunächst haben wir alle die gleiche Kritik bekommen, denn keiner von uns hat sich die Zeit genommen, die Reifen richtig aufzuwärmen.

Bis zum dritten Training lief bei mir alles nach Plan. Dann ging das Differenzial kaputt, noch schlimmer war jedoch, dass kein Ersatz verfügbar war. Mein Mechaniker war dagegen spitzenklasse und hat das Differenzial mit alten Teilen zumindest so reparieren können, dass ich weiterfahren konnte. Letztlich haben wir uns dafür entschieden, auf das letzte Training zu verzichten, damit das Differenzial die beiden anstehenden Rennen überstehen würde.

Am Samstag standen zwei weitere Trainings, eine Qualifikation und das erste Rennen an. Im Training fuhr ich sehr defensiv, in der Hoffnung, dass nichts kaputt geht. In der Qualifikation habe ich dagegen alles gegeben und konnte mich für den vierten Startplatz qualifizieren. Das erste Rennen war eines meiner besten. Pedro Mas Mansera und ich kämpften das ganze Rennen über um den ersten Platz. Am Ende kam Pedro vor mir und mit nur 0.19 Sekunden Vorsprung durchs Ziel. Ich war trotzdem happy.

Als ich am Sonntagmorgen aufwachte war ich fest davon überzeugt, dass ich an diesem Tag das Rennen gewinnen würde. Ich hatte am Samstag die schnellste Rundenzeit gefahren und der zweite Platz mit dem geringen Rückstand motivierte mich sehr, so dass ich mit Zuversicht zur Rennstrecke fuhr. Das Qualifying lief auch entsprechend gut - Platz zwei mit nur 0.51 Sekunden Abstand zum Ersten. Beim Start zum Rennen verlor ich jedoch ein wenig Zeit und Pedro konnte seinen Vorsprung ausbauen. Runde für Runde kämpfte ich mich näher an ihn heran und sah die Chance, ihn zu überholen. Beim Überholversuch machte ich aber einen kleinen Fehler und drehte mich. Danach war meine Konzentration nicht mehr 100%ig und ich leistete mir weitere kleinere Fahrfehler. Dadurch kam Lucian Toth an mich heran und konnte mich kassieren. Es kostete mich ein paar Runden meinen zweiten Platz wieder zurück zu erobern.

In den letzten Runden kam ich schnell an Pedro heran, doch es reichte nicht mehr ganz für ein Überholmanöver. Während Pedro den Doppelsieg einfuhr, kam ich zwei Mal auf den zweiten Platz und fuhr zwei Mal die schnellste Rundenzeit. Das brachte mir den Titel "Driver of the Weekend" ein - eine Auszeichnung, die mein erstes Rennwochenende in einem Formelwagen zu einem unvergesslichen Erlebnis werden ließ.