Herzlichen Glückwunsch! Wie fühlt es sich an, jetzt alles unter Dach und Fach zu haben?
Christian Vietoris: Die ganze Saison hatte für mich ja schon gut angefangen und das Rennwochenende war für mich eigentlich bis zum Schluss noch ganz normal. Auch auf dem Podium konnte ich es noch nicht so richtig fassen und deswegen war es vom Gefühl her wie ein ganz normaler Sieg. So drei, vier Stunden danach habe ich es dann realisiert. Der ganze Druck ist abgefallen. Am Sonntag im zweiten Rennen habe ich dann zwar auch wieder gewonnen, aber ich habe gemerkt, dass ich irgendwie fast ein Problem hatte, mich zu motivieren. Es war im Moment kein Ziel mehr da...
Weißt du schon, wie es für dich jetzt weitergeht? Im nächsten Jahr müsste jetzt ja eigentlich die Formel 3 anstehen.
Christian Vietoris: Es wird auf jeden Fall die Formel 3. Ich weiß nur noch nicht, ob es die deutsche oder die EuroSeries wird. Die Tendenz geht aber zur Euroserie.
Die EuroSeries ist klarerweise mehr im Blickpunkt, kostet aber auch mehr. Du hast da aber ohnehin einen starken Background mit den Sponsoren…
Christian Vietoris: Ja, genau. Ich denke, die Sponsoren würden da auf jeden Fall mitspielen. Vor allem nach dem Erfolg glaube ich, dass wir noch einen starken Sponsor finden können für das nächste Jahr. Das sollte nicht das Problem werden...
Du hast im letzten Jahr in der Formel BMW viel Pech gehabt, nachdem du zuvor im Kart so ziemlich alles gewonnen hast, was es zu gewinnen gab. Hast du da zwischendurch Zweifel bekommen, oder warst du dir sicher, dass nur die äußeren Umstände schuld waren?
Christian Vietrois: Nachdem ich im Kart drei Mal hintereinander die Meisterschaft gewonnen hatte, hatte ich mir den Einstieg in die Formel-Serie etwas leichter vorgestellt. Beim Testen ist es eigentlich auch ganz gut gelaufen, nur während der Saison ist es im Team nicht so richtig zusammengelaufen. Natürlich habe ich dann auch schon ein bisschen an mir selbst gezweifelt. Nachdem ich dann aber bei einem anderen Team getestet hatte und gemerkt habe, dass es nicht an mir liegt, habe ich über den Winter dann noch einmal richtig hart an mir gearbeitet. Tja, und jetzt ernte ich den Erfolg dafür.
Hast du jetzt eigentlich einen persönlichen Trainer?
Christian Vietoris: Ja, ich trainiere zusammen mit zwei Sportlehrern. Der eine ist der Trainer von der deutschen Speedacademy und der andere wohnt bei mir um die Ecke. Der klingelt früh an der Tür und schleppt mich mit. Das ist gut, denn sonst würde ich das wahrscheinlich auch nicht so richtig durchziehen.

Wie trainierst du?
Christian Vietoris: Hauptsächlich gehe ich Laufen oder Schwimmen, aber ich Jongliere auch. Das mache ich gerne, um die Konzentration und die Koordination zu trainieren.
Als du als Kind angefangen hast, war es da auch schon dein Ziel, Profi-Rennfahrer zu werden?
Christian Vietoris: Im Kart war es zuerst einmal nur ein Hobby, aber mit dem Einstieg in die Formel-Serie ist es natürlich mein Ziel, mit dem Motorsport Geld zu verdienen. Ich mache nebenher noch eine Ausbildung als Großhandelskaufmann und das ist so ein Alltagsleben. Du stehst morgens um so und so viel Uhr auf, musst um acht in der Firma sein und das mache ich nicht so gerne. Ich mache lieber Motorsport. Das ist immer wieder etwas anderes, viel Reisen und das macht einfach mehr Spaß.
Wo würdest du deine Stärken sehen? Fahrerisch und auch in anderen Bereichen?
Christian Vietoris: Ich denke, ich kann ziemlich viel Druck aushalten und mache sehr wenig Fehler. Das dürfte so die zwei Hauptpunkte sein.
Und woran müsstest du, deiner Meinung nach, noch arbeiten?
Christian Vietoris: Es gibt natürlich immer Verbesserungsmöglichkeiten. Ich mache jetzt zum Beispiel Medientraining, auch bei der Speedacademy. Und in der Fitness kann man sich immer verbessern. Das ist auch wichtig für die höheren Serien, weil dort die Fliehkräfte und sonstigen Belastungen viel höher sind.
Würdest du dich fahrerisch eher als Draufgänger sehen - oder eher als technischen Fahrer, der erst einmal am Auto bastelt, bevor er die Zeit aus sich selbst herausholt?
Christian Vietoris: Eher letzteres. Ich gehe donnerstags vor dem Rennen noch einmal die Strecke ab, um zu sehen, ob es irgendwelche Neuheiten gibt, die ich mir merken müsste. Ich bin oft mit dem Team zusammen. Wir bereiten uns auch zusammen auf die Rennen vor. Ich interessiere mich auch sehr für die Technik, also bin ich eher der technische Fahrer.
Du merkst wahrscheinlich auch, dass du mittlerweile ein gutes Feedback von deinen Ingenieuren bekommst.
Christian Vietoris: Ja, und es macht mich auch stolz, dass ich das alles verstehe. Das Team erklärt mir auch alles Mögliche, wenn ich einmal Fragen habe. Meistens verstehe ich es aber beim ersten Mal.
Du hast gesagt du machst die Ausbildung - nach dem Realschulabschluss?
Christian Vietoris: Ja, ich habe einen Realschulabschluss und mach jetzt eine Ausbildung bei meinen Eltern. Weil es sonst mit dem Zeitlichen nicht so gut geht.
Deine Eltern haben einen eigenen Betrieb?
Christian Vietoris: Sie haben einen Reifenhandel, der auch mit dem Motorsport zu tun hat. Von daher ist das eine gute Kombination.

War das auch ein bisschen ein Grund, warum du zum Motorsport gekommen bis oder war es die Nähe zum Nürburgring?
Christian Vietoris: Ich denke beides. Am Nürburgring bin ich das erste Mal im Kart gesessen und mein Vater kennt natürlich auch viele Firmen, die mit dem Motorsport zu tun haben. Dadurch war die Beziehung zum Motorsport einfach da.
Hat dich dein Vater früher, als du noch klein warst, auch immer als Zuschauer auf den Nürburgring mitgenommen?
Christian Vietoris: Ich kann mich noch daran erinnern, als wir früher die DTM auf dem Nürburgring angeschaut haben.
Formel 1 nicht so?
Christian Vietoris: Nicht das ich wüsste.
Hattest du schon einmal ein Formel-1-Rennen live gesehen, bevor ihr dort im Rahmenprogramm unterwegs wart?
Christian Vietoris: Nein, hatte ich vorher nie.
Ziel ist die Formel 1 aber schon?
Christian Vietoris: Natürlich ist es das Ziel. Es gibt aber auch noch andere Serien, wo man im Motorsport Geld verdienen kann. In die Formel 1 will natürlich jeder rein und meistens schaffen es nur ein paar, dort Geld zu verdienen. Die anderen müssen Geld mitbringen, um dort fahren zu können. Das ist natürlich auch nicht das Ziel. Ich will eine Perspektive im Motorsport haben, wo ich kein Geld mitbringen muss, sondern wo ich verdienen kann.
Das heißt DTM oder...
Christian Vietoris: Ja, DTM oder WTCC, in diese Richtung. Mal sehen.
A1 scheint sich jetzt zu entwickeln, vor allem als Serie, wo man Geld verdienen kann, wenn man gut ist?
Christian Vietoris: Ja das denke ich auch. Vor allem weil Willi Weber dort ja auch sein eigenes Team hat. Das wäre sicherlich auch interessant, dort einmal im Winter zu fahren.
Hast du Vorbilder oder Idole oder hast du welche gehabt?
Christian Vietoris: Mein Vorbild ist Sebastian Vettel, weil er die Formel-BMW-Serie gewonnen hat und ich ihn auch sehr gut kenne. Bernd Schneider ist eines meiner Vorbilder und auch Kimi Räikkönen. Der ist ziemlich emotionslos. Er macht sich nichts aus den Medien. Das was er gerne macht, das macht er einfach und das finde ich cool.
Möchtest du auch so ein unangepasster Typ sein und weiter du selbst sein, auch wenn der Erfolg noch größer wird?
Christian Vietoris: Ich selbst bleiben will ich schon. Kimi übertreibt es manchmal vielleicht auch ein bisschen... Man muss sich schon auch ein bisschen anpassen, aber wenn man Formel-1-Fahrer ist, kann man es sich leisten. In der Nachwuchsserie noch nicht.
Wie würdest du dich als Typ beschreiben?
Christian Vietoris: Sehr ehrgeizig, ich habe meine Ziele, die ich auch verfolge und wofür ich sehr viel investiere. Wenn ich etwas will, dann erreiche ich das auch meistens. Wenn ich es nicht so richtig will, dann klappt es meistens auch nicht. Aber was ich will, das erreiche ich auch.

Wie hat dir die Speedacademy geholfen? Wie wichtig war sie für dich und wie wichtig kann sie noch sein?
Christian Vietoris: Vor allem im letzten Jahr, als es nicht so richtig lief, da haben mich vor allem Christian Menzel und Timo Glock immer wieder aufgebaut. Weil ich im Regen schnell war, haben sie immer zu mir gesagt, dass es nicht an mir liegen kann, denn wenn ich im Regen schnell bin, dann muss ich auch im Trockenen schnell sein. Dieses Jahr kann ich auch das Sponsorgeld nutzen. Vergangenes Jahr habe ich leider kein Geld eingefahren, da war die Deutsche Post eigentlich noch viel wichtiger für mich, weil sie mir die Treue gehalten haben.
Und denkst du, dass es auch in der Zukunft ein bisschen weiterhelfen kann?
Christian Vietoris: Ich denke schon. Im nächsten Jahr in der Formel 3 und auch mit Dingen wie dem Medientraining. Außerdem haben sie einige Kontakte in die höheren Klassen und ein eigenes Porsche-Team. Einmal sehen, vielleicht geht da was...
Wie geht es jetzt weiter bis zum Winter? Zwei Rennen sind noch und dann geht es zum Weltfinale?
Christian Vietoris: Ich denke einmal, da werde ich hin müssen, weil ich der Meister der deutschen Serie bin. Es wäre ja kein Weltfinale, wenn die Meister dort nicht antreten würden. Vergangenes Jahr war der englische Meister nicht da und da war es dann auch nicht so ein richtiges Weltfinale. Ich werde dort schon antreten.
Scheint nicht so, als ob du das so besonders findest?
Christian Vietoris: Man kann dort natürlich sehr viel verlieren. Wenn man sieht, Nico Hülkenberg wurde dort letztes Jahr Dritter und Marco Holzer hat gewonnen und jetzt ist er auch nichts mehr. Er hat seinen Namen, ich will nicht sagen zerstört, aber ein bisschen abgewertet. Das Weltfinale zu gewinnen, da braucht man sehr viel Glück. Es wird da alles in einem Rennen entschieden. Sollte ich dort gewinnen, wäre es natürlich ein super Jahr für mich gewesen.
Valencia kennst du ja schon...
Christian Vietoris: Valencia kenne ich. Da war die BMW-Sichtung vor zwei Jahren. Das sollte schon hinhauen. Aber normalerweise komme ich auch so ziemlich schnell zurecht.

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