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Fahrerwechsel während der Saison

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Beitrag Freitag 16. November 2018, 15:49

Beiträge: 40294
Wir haben dieses Jahr das erste Mal (wahrscheinlich, das Finale steht ja noch aus), dass wir keinen einzigen Fahrerwechsel während der Saison gesehen haben. In 69 Jahren Formel 1.

Gut, 2008 hat es auch keinen Wechsel gegeben, aber da ist das Super-Aguri-Team nur die ersten vier Rennen mitgefahren.

1998 gab es auch nur einen Wechsel: Jos Verstappen ist da für Jan Magnussen zu Stewart gewechselt. 2000 hat Luciano Burti nur ein Rennen für Eddie Irvine bestritten, das gleiche 2012 Jérôme D'Ambrosio für den gesperrten Romain Grosjean. Heikki Kovalainen ersetzte 2013 Kimi Räikkönen wegen Rückenproblemen die letzten zwei Rennen.

Aber alle anderen Jahre haben viel mehr Fahrerwechsel gesehen.

Die 50er, 60er, 70er Jahre sind nicht überschaubar. Da gab es viel zu viele Teams, die nur ab und an dabei waren, geschweige denn von den ganzen Gaststartern.

Aber ab den 80er Jahren normalisierte sich das ja in etwa alles etwas – wegen Bernie Ecclestone, dem Concorde Agreement und der Idee, dass sich Teams fürs ganze Jahr melden müssen, damit Ecclestone sein ganzes Produkt an Veranstalter verkaufen konnte.

Die meisten Fahrerwechsel gab es ab dann 1994 mit stolzen 36! Das ist schon eine Hausnummer und wird auch daran deutlich, dass nur beim Deutschland-GP keine Veränderungen in der Entry List zu finden waren. Und nur vier von 14 Teams haben keinen Fahrer ausgetauscht – das waren Tyrrell (mit Ukyo Katayama und Mark Blundell), Footwork (mit Christian Fittipaldi und Gianni Morbidelli), Minardi (mit Pierluigi Martini und Michele Alboreto) und Pacific (mit Paul Belmondo und Bertrand Gachot). Lotus (mit Pedro Lamy, Alessandro Zanardi, Philippe Adams, Eric Bernard, Mika Salo und Johnny Herbert) und Larrousse (mit Olivier Beretta, Philippe Alliot, Yannick Dalmas, Hideki Noda, Eric Comas und Jean-Denis Délétraz) haben dagegen sogar auf sechs Fahrer zurückgegriffen! Insgesamt waren 46 Fahrer im Einsatz, wovon aber nur 15 jedes Wochenende dabei waren. Selbst Weltmeister Michael Schumacher war ja wegen der 2-Rennen-Sperre nicht immer dabei.

Insgesamt gab es in den 90er Jahren 123 Fahrerwechsel während der Saison, in den 80er Jahren waren es 117. Seit 2000 geht das deutlich zurück: In den 00er Jahren waren es 61 und seit 2010 erst 47 (im Schnitt 5,9 pro Jahr, so wenig wie nie zuvor).

Herausragend sind auch noch die Jahre 1991 (21), 1989 und 1995 (je 19) und 1984 (17) in Sachen Fahrerwechsel.

Woran das wohl liegt?

Beitrag Freitag 14. Dezember 2018, 13:56

Beiträge: 8493
Früher haben die kleinen Teams ihre Cockpits an irgendwelche reichen 'Rennfahrer' verkauft für ein paar Rennen und danach an den nächsten. Man schimpft heute über Paydriver wie Lance Stroll, aber im vergleich zu den früheren Paydrivern ist der zumindest einigermaßen Konkurrenzfähig....
Zudem gabs früher öfter Verletzungen und die Fahrer waren halt einfach älter und hatten mehr Erfahrung - die haben sich dann halt auch mal gerne mit Teamchefs usw. gestritten....

heutzutage ist dann auch noch das Superlizenz System ein Problem, da kann man nicht einfach mal einen Ide oder so ins Auto setzen, nur weil der Geld hat...
GO Lewis

Beitrag Freitag 14. Dezember 2018, 17:18

Beiträge: 40294
wobei heute die Summen, die ein Paydriver mitbringen muss, schon irrsinnig viel höher sind als damals.

Beitrag Freitag 14. Dezember 2018, 21:24

Beiträge: 8493
MichaelZ hat geschrieben:
wobei heute die Summen, die ein Paydriver mitbringen muss, schon irrsinnig viel höher sind als damals.


das mag auch sein, aber heute langt allein das Geld nicht mehr - auch der Paydriver braucht die Superlizenz Punkte und so einfach nebenbei bekommt man die auch nicht. Vor 20 Jahren war da ja noch quasi keine Hürde für die Superlizenz.
Man schimpft über einen Lance Stroll, aber er hat schon Talent, er ist kein schlechter Rennfahrer - ob er jetzt unterm Strich gut genug ist für die Formel 1 kann man sicher diskutieren, aber er fällt jetzt nicht so krass ab wie die früheren Paydriver.

Und der Mangel an Testfahrten dürften ein weiterer Grund sein, warum die Fahrerwechsel weniger werden - weil man hat wenn man nicht grad einen Button in der Hinterhand hat nur irgendwelche Rookies in Auto setzen kann - sind ja kaum noch Fahrer mit Erfahrung auf dem Markt, die man mal eben als Verbesserung ins Auto setzen kann....
GO Lewis

Beitrag Samstag 15. Dezember 2018, 17:21

Beiträge: 495
MichaelZ hat geschrieben:
wobei heute die Summen, die ein Paydriver mitbringen muss, schon irrsinnig viel höher sind als damals.


Ich würde fast wetten dass die Summen, gemessen am benötigten Budgets eines Teams, fast identisch sind.

Beitrag Samstag 15. Dezember 2018, 21:26

Beiträge: 40294
Ja, aber keiner bezahlt halt heute solche Summen, um nur ein paar Rennen zu fahren. Wer 30 Millionen ausgibt, der will halt mindestens mal alle Rennen fahren...

Ein weiterer Grund für die weniger werdenden Fahrerwechsel während der Saison ist die Tatsache, dass immer mehr Fahrer langfristig in irgendwlechen Förderprogrammen sind. Freie Agenten wie Hülkenberg, Pérez etc gibt es immer weniger auf dem Markt. Die meisten wie Ocon, Russell, Gasly und Co sind von großen Programmen an gewisse Teams ausgeliehen und bleiben daher immer die ganze Saison.


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