Superbike - Interview - Sylvain Guintoli

Miller eine der Lieblingsstrecken

Der Franzose, der auf einem italienischen Bike für ein tschechisches Team unterwegs ist, spricht über seinen Unfall, die verschiedenen Rennklassen und den Kurs.

Motorsport-Magazin.com - Du hast einen starken Saisonauftakt hinter dir. Im letzten Jahr zwang dich eine frühe Verletzung zu einer Pause. Was war damals passiert?
Sylvain Guintoli: Es war auf Philip Island, während der ersten Runde der WSBK 2011. Alles schien nach Plan zu laufen und nach einem schlechten ersten Rennen habe ich gekämpft, um wieder zurück zur Spitze zu kommen. Bei Vollgas im vierten Gang habe ich plötzlich den Grip am Hinterrad verloren und hatte den schlimmsten Unfall meiner Karriere. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass mein gesamter Körper zerstört war. Es stellte sich heraus, dass dieses erste Gefühl gar nicht so realitätsfern war. Der Weg bis zur vollständigen Genesung war sehr lang und schmerzhaft in vielerlei Hinsicht, aber ich bin in der zweiten Saisonhälfte stark zurückgekehrt und habe mein Vertrauen zurückgefunden. In der WSBK ist der Bereich zwischen einem Sieg und einer Platzierung außerhalb der Top 10 sehr eng. Die Superbikes sind Tiere - und so muss man sie auch bändigen.

Du gehörst durch deine Zeit in der 250er GP, der MotoGP, der WSBK, der BSB und der Moto2 momentan zu den erfahrensten Piloten auf der Welt. Kannst du sagen, in welcher Klasse du dir welche besonderen Fähigkeiten aneignen konntest?
Sylvain Guintoli: Jede Klasse hat ihre technischen Besonderheiten - ebenso wie jedes Bike in jeder Klasse speziell ist. Wir könnten darüber ein Buch schreiben. Vielleicht die beste Sache, die ich entwickeln konnte, war das Fahren im Nassen in der 250er GP. Ich bin während dieser Zeit einige private Maschinen gefahren und die hatten kein so gutes Handling wie die Prototypen. Es war schwer, unter trockenen Bedingungen in die Top 10 zu kommen, aber wenn das Wetter mitgespielt hat, gab es eine Chance zu glänzen. Ich glaube, ich hatte immer eine positive Einstellung zum Thema Regen und das hat mir bei schwierigen Bedingungen geholfen. Die WSBK ist für mich bisher die beste Serie. Es macht Spaß, die Bikes zu fahren, sie rutschen und bewegen sich viel. Zusätzlich bieten die Rennen meist auch viel Entertainment, man muss viel auf der Strecke kämpfen.

Du konntest bisher nicht mehrere Jahre mit einem Team in der gleichen Klasse verbringen. Wie wichtig ist es, konstant mit einem Bike und der gleichen Mannschaft zu arbeiten?
Sylvain Guintoli: 2012 ist das erste Jahr, wo ich ein (fast) gleiches Bike in der gleichen Klasse und mit den gleichen Leuten um mich herum fahre. Bisher haben wir unsere Erfahrungen aus dem Jahr 2011 genutzt und daraus Schlüsse gezogen. Es hilft uns, weil wir bereits das Basis-Setting haben, einige Daten und die Erfahrung des Vorjahres - auf allen Strecken. Das spart viel Zeit und ermöglicht uns, uns auf verschiedene Aspekte wie die Leistungsentfaltung und das Reifen-Management konzentrieren zu können.

Die Moto3 hat in dieser Saison die 125er-Klasse ersetzt, die MotoGP arbeitet jetzt mit Viertaktern. Basierend auf deiner Erfahrung mit den Zweitaktern der 250er-GP und den Viertaktern der MotoGP/Superbike, wer ist besser für einen Superbike-Einsatz gerüstet: die Moto2/3 mit Prototypen-Chassis oder die Supersport mit den Serien-Chassis?
Sylvain Guintoli: Vielleicht die Supersport-WM, weil die Bikes auch von der Straße kommen. Das Verhalten des Chassis und der Settings ist näher an den Superbikes dran als die Prototypen.

Im Miller Motorsports Park lief es für dich immer ganz gut. 2010 wurdest du Achter und Sechster, 2011 Dritter und Siebter. Bitte beschreibe die Strecke. Welche Erwartungen hast du?
Sylvain Guintoli: Miller gehört zu meinen Lieblingsstrecken. Ich genieße den ersten, fließenden Abschnitt sehr und auch die schnelle Schikane. Mit der Höhe verlieren die Bikes etwas an Kraft, aber diesen Abschnitt kann man trotzdem sehr genießen und hat jederzeit die Möglichkeit, das Bike querzustellen. Ich habe dort im letzten Jahr mein erstes WSBK-Podium erreicht, deshalb freue ich mich, zurückzukehren.


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