Mehr Sportwagen - FIA und ACO planen gemeinsame GT-Zukunft

Zusammen statt gegeneinander

Die Vernunft scheint zu siegen: FIA und ACO haben sich bereiterklärt, gemeinsam die Weichen für ein einheitliches, kostengünstiges GT-Reglement zu stellen.
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Motorsport-Magazin.com - Dass Spaltungen einer Sportart nie guttun, sollte spätestens seit der unrühmlichen IndyCar-Trennung in den 90er-Jahren jedem klar sein. Im GT-Sektor war jedoch genau dies zuletzt der Fall: Auf der einen Seite stand die FIA, die mit der GT3-Klasse die erfolgreichste Kategorie aller Zeiten geschaffen hat, auf der anderen Seite der Le-Mans-Veranstalter ACO, der seit 2011 auf einem eigenen Reglement (GTE, ehemals GT2) beharrte. Viele Hersteller mussten dasselbe Fahrzeug für zwei verschiedene Klassen homologieren. Doch damit soll jetzt Schluss sein.

Wir haben drei Hauptziele: Die technische Glaubwürdigkeit der GTE aufrecht erhalten, das Kostenniveau der GT3 zu erreichen und den Herstellern erlauben, ein Auto zu entwickeln anstatt zweien.
Vincent Beaumesnil

FIA und ACO haben sich bereiterklärt, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die alle im GT-Sport vertretenen Hersteller beinhalten soll, mit dem Ziel, eine einheitliche GT-Klasse zu schaffen. Das ist ein ambitioniertes Ziel, denn nahezu jede Premium-Automarke bietet wenigstens einen GT3 an. ACO-Sportdirektor Vincent Beaumesnil erklärt: "Die GT-Hersteller favorisieren die GTE-Regeln, aber zur selben Zeit ist klar, dass die GT3 ein Riesenerfolg ist." Angedacht ist ein Reglement, das dem derzeitigen Geist der GTE entspricht, doch die Fahrzeuge sollen zum derzeitigen Preis der GT3-Boliden erhältlich sein. Frühestmöglicher Zeitpunkt für die Einführung des neuen Reglements wäre 2015.

Beaumesnil erklärt weiter: "Wir haben drei Hauptziele: Die technische Glaubwürdigkeit der GTE aufrecht erhalten, das Kostenniveau der GT3 zu erreichen und den Herstellern erlauben, ein Auto zu entwickeln anstatt zweien, wie sie es zum jetzigen Zeitpunkt tun müssen." Das neue Regelwerk könnte schon bei den 24 Stunden von Le Mans 2013 veröffentlicht werden. Es soll außerdem eine Übergangsphase geben, in der die alten Fahrzeuge gegen die neuen fahren können. Mit einer signifikanten Performance-Veränderung ist bei den GT-Fahrzeugen also nicht zu rechnen.

Die jetzige Situation: GT3 vs. GTE

Zum jetzigen Zeitpunkt existieren zwei Klassen von GT-Fahrzeugen, die sich aus einer ganzen Reihe von GT-Klassen während der 2000er-Jahre durchgesetzt haben: die GTE (ehemals GT2) und GT3. Fahrzeuge beider Klassen fahren annähernd auf demselben Niveau, doch das technische Regelwerk ist völlig unterschiedlich: Für die GT3 existiert kein Reglement. Fahrzeuge aller Hersteller werden vor einer Saison auf dasselbe Niveau gebracht - die viel zitierte Balance of Performance (BoP). Um diese Einstufung gibt es jedoch immer wieder Ärger, was dazu geführt hat, dass die Fahrzeugspezifikationen sich nicht selten von Rennen zu Rennen änderten.

Das GTE-Konzept funktioniert nur in der ALMS - Foto: ALMS

Auch war nicht zu übersehen, dass trotz der unglaublichen weltweiten Verbreitung der GT3-Kategorie kein einheitliches Regelwerk mehr bestand. Die FIA-Einstufungen der Fahrzeuge wurden von nationalen Serien und zuletzt sogar von der internationalen Blancpain Endurance Series nicht mehr beachtet und durch ein eigenes BOP ersetzt. So war es nicht mehr problemlos möglich, mit einem Auto an mehreren Serien gleichzeitig teilzunehmen. Die FIA GT1 Weltmeisterschaft ist 2012 auf GT3-Fahrzeuge umgestiegen, wird aber 2013 nicht mehr ausgeschrieben.

Die GTE-Klasse hingegen basiert auf dem technischen Reglement der ehemaligen FIA-GT2-Kategorie. Hier sind feste Hubraum- und Restriktorgrößen festgeschrieben. Während bei den GT3 der Motor von der Serie stammt, kommt in der GTE ein reinrassiger Rennmotor zum Einsatz, was die Kosten nach oben getrieben hat. Zusätzlich kommt es hier zu einem bizarren Bild, nämlich, dass der der Rennwagen eines Modells weniger Leistung hat als der Straßenwagen, auf dem er basiert. Auch dieses Reglement ist ausgehöhlt: Im Zuge der Performanceangleichung (also auch hier BoP) wurden den GTE-Fahrzeugen Ausnahmegenehmigungen (Waiver) erlaubt.

Siegt das Ego oder die Vernunft?

Die GT3 verkauft sich weltweit sehr gut, doch mittlerweile hat jede Serie ihr eigenes BoP - Foto: ADAC GT Masters

So hat sich die GTE mittlerweile auch da hin entwickelt, dass quasi jedes Auto sein eigenes Reglement hat, wenn auch auf wesentlich klarer abgestecktem Territorium als bei der GT3. Dennoch ist die GTE-Klasse kein großer Erfolg: In der WEC stehen in der Top-Kategorie GTE-Pro gerade einmal vier Fahrzeuge am Start, dazu gesellen sich noch einmal fünf aus der Amateurwertung. Lediglich in der ALMS funktioniert das Konzept mit dank dreier Werksteams, doch fusioniert diese ab 2014 mit der Grand-Am; um den Stellenwert der GT-Fahrzeuge wird dort noch gefeilscht werden. In der ELMS fanden sich so gut wie keine GTE-Fahrzeuge ein.

Somit ist der Schritt von ACO und FIA als ein Signal der Vernunft zu deuten. Es ist klar, dass es kein Sammelsurium von Fahrzeugen verschiedenster Kategorien vom Alpina B6 bis zum McLaren MP4/12C geben kann wie in der GT3, aber es darf auch nicht zu einem Waiver-Urwald kommen wie in der GTE. Die größte Gefahr für die neue Klasse droht allerdings durch die Egos der Verantwortlichen: Der letzte Versuch, ein einheitliches GT-Reglement zu schaffen, endete mit der Verbannung der GT1-Fahrzeuge aus Le Mans und der Aufspaltung in GTE und GT3.


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