GP2 - Kolumne - Daniel Abt

Harakiri-Aktionen einiger Kollegen unnötig

Daniel Abt schreibt nach seinem schwierigen Saisonstart über übermotivierte Kollegen mit Harakiri-Aktionen und blickt auf die Gesamtwertung.
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Hallo zusammen,

Alles in allem war Spanien ein unglückliches Wochenende. Schon im Training habe ich gemerkt, dass sich das Auto komisch verhalten und einen ungewöhnlich hohen Reifenverschleiß hat. Wir dachten zunächst, die Ursache dafür gefunden zu haben und sind ins Qualifying gegangen. Leider lief dann gar nichts mehr. Das hat mich stark an das letzte Jahr erinnert, als wir die Reifen nicht zum Arbeiten gebracht haben. Es war nicht mehr das Auto, das ich in Bahrain hatte. Unter diesen Umständen war Startplatz 14 noch ganz gut.

Nach dem Qualifying haben wir festgestellt, dass ein Dämpfer defekt war und überhaupt nicht funktioniert hat. Dieser Defekt war auch der Grund, warum das Auto so anders war. Zwischen dem Freien Training und dem Qualifying hatten wir das Problem nicht erkannt, weil es auf den Daten nur schwer ersichtlich war und die Zeit zwischen den Sessions begrenzt ist. Auch nach dem Qualifying haben wir zunächst nicht gewusst, was Sache ist. Gott sei Dank haben es die Mechaniker in der Früh noch festgestellt.

Unter dem Helm dachte ich mir da: Das könnte das Rennen werden, das wir brauchen.
Daniel Abt

Unser Plan war, im Rennen auf den harten Reifen zu starten. Ich wollte der bestplatzierte Fahrer auf dem harten Reifen sein, um dann, wenn die anderen Piloten zum Boxenstopp kommen, freie Fahrt zu haben. Obwohl die Reifenwahl zu Beginn des Rennens eher ein Nachteil war, lief der Start richtig gut und ich habe von anderen Zweikämpfen profitiert.

Unter dem Helm dachte ich mir da: Das könnte das Rennen werden, das wir brauchen. Es könnte so kommen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Leider ging es nur eine halbe Runde so gut. Dann war das Rennen schon zu Ende, weil ich von Raffaele Marciello abgeschossen wurde. Dabei war hinter mir eigentlich fünf Autolängen Platz. Aber Rene Binder hat mit Marciello gekämpft, ihn dann berührt und Marciello hat wiederum mich berührt.

Doppelt bestraft

Das Problem ist: Wenn im ersten Rennen etwas schief geht, ist oft das ganze Wochenende so gut wie gelaufen. Wenn einem jemand ins Auto fährt und man nichts dafür kann, ist es besonders ärgerlich, dass man im zweiten Rennen von hinten starten muss. Man wird doppelt bestraft. Aber man kann die Regeln halt nicht ändern.

Ein Problem ist einfach: Ein paar Jungs in dieser Serie verstehen nicht, dass so ein Rennen sehr lang ist und viel passieren kann. Man hat gesehen, wie viele Zwischenfälle und Strafen es allein in den ersten Runden gegeben hat. Das ist es, was mich am meisten ärgert: Es ist total unnötig, in der ersten Runde Harakiri-Aktionen zu fahren. Das Rennen geht über 36 Runden und es gibt einen Boxenstopp. Leider hat es diesmal mich getroffen.

Fast noch schlimmer war es dann für mich, dass Johnny Cecotto das Rennen gewonnen hat.
Daniel Abt

Fast noch schlimmer war es dann für mich, dass Johnny Cecotto das Rennen gewonnen hat. Er war auf der gleichen Strategie wie ich unterwegs. Da dachte ich mir: Da auf dem Podium hätte auch ich stehen können.

Im zweiten Rennen wollte ich natürlich keine blöden Aktionen zu machen – vor allem, wenn man so weit hinten steht. Denn mit einer Rückversetzung braucht man schon fast nicht nach Monaco reisen. Es war ein normales Rennen, in dem meine Pace sehr gut war. Leider ist das Überholen in Barcelona nicht leicht. Aber mein Reifenverschleiß war gut und hätte das Rennen noch ein paar Runden länger gedauert, wäre ich vielleicht noch in die Punkte gefahren.

Daniel Abts Videoblog nach Barcelona: (01:53 Min.)

Nach zwei Rennwochenenden mit null Punkten muss man eingestehen, dass es natürlich kein guter Start in die Saison war. Wir waren schnell, haben aber keine Punkte geholt. Der Unterschied zum letzten Jahr ist aber: Ich weiß, dass das Auto schnell ist. Wenn nichts kaputt geht und mir niemand ins Auto fährt, dann klappt es auch - vorausgesetzt ich fahre an die richtige Box. Aber Fehler und Pech gehören auch dazu, davon darf man sich nicht verrückt machen lassen. Wir dürfen das Vertrauen nicht verlieren. Es wird der Tag kommen, an dem wir endlich das wohlverdiente Podium bekommen – und bestimmt fühlt es sich dann umso besser an.

Auch beim Blick auf die Gesamtwertung darf ich mich nicht verrückt machen lassen. Im vergangenen Jahr lag Coletti so weit vorn und am Ende ist Fabio Leimer Meister geworden. Es kann so schnell gehen, und es sind noch viele Punkte zu vergeben. Jolyon Palmer hat bislang alles richtig gemacht, hat sich aus allem herausgehalten und gut gepunktet. Aber auch die anderen kann es einmal treffen. Mein Fokus liegt darauf, ein normales Wochenende zu haben. Dann kommen auch Punkte und die Ergebnisse. Monaco ist eigentlich nicht der Ort für normale Wochenenden, aber vielleicht kommt gerade da das Wunder.

Euer Daniel

Unterschrift von Daniel Abt


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