GP2 - Kolumne - Daniel Abt

Das Vertrauen ins Auto war schon mal besser

Daniel Abt gehört zu Deutschlands größten Nachwuchstalenten. In seiner Motorsport-Magazin.com Kolumne berichtet er über sein Leben in der GP2-Welt.
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Motorsport-Magazin.com - Liebe Motorsport-Magazin.com-Leser,

nach diesem Silverstone-Wochenende weiß ich gar nicht so recht, was ich sagen soll. Es ging einfach so gut wie alles schief, was schiefgehen konnte und dazu war unser Speed gar nicht gut. Bereits im Freien Training ist bei mir ein Sensor am Auto kaputtgegangen, weshalb ich nicht mehr schalten konnte. Am Freitag hat es ja erst geregnet und dann die letzten Minuten, als es abgetrocknet ist, konnte ich nicht mehr fahren. Da haben wir bereits wertvolle Zeit auf der Strecke verloren - P22 war das Resultat und ein schlechter Start ins Wochenende. Der Regen war generell nicht gut für uns, weil wir ja so schon Probleme mit dem Auto haben und Sachen ausprobieren wollten. Das konnten wir bei diesem Wetter natürlich nicht und mussten folglich mit unseren Einstellungen auf gut Glück ins Qualifying.

Gefühlt fahre ich aktuell jedes Wochenende ein ganz anderes Auto. Hinzu kommt, dass mir auf der Geraden vier Stundenkilometer auf meinen Teamkollegen fehlen.
Daniel Abt

Da kam es dann wie es kommen musste: Wir hatten effektiv nur eine Runde, weil es wieder geregnet hat und diese eine Runde war bei mir leider alles andere als gut. Es hat sich zwar nicht angefühlt wie ein 25. Platz, aber trotzdem war es unglaublich schwer, denn das Auto war wieder komplett anders als in den letzten Rennen... und somit ging es wieder voll in die Hose. Leider war dabei auch der Abstand zu meinem Teamkollegen James Calado diesmal zu groß. Natürlich hatte er auf der Insel ein Heimspiel - wenn er also irgendwo schnell sein muss, dann in Silverstone. Aber das ist natürlich trotzdem ein schwacher Trost, zumal James ja auch angefressen und unzufrieden mit seinem zehnten Platz war, da ihm wiederum genauso eine Sekunde auf die Spitze gefehlt hat. Dementsprechend schwierig war es für uns auch das erste Rennen positiv anzugehen. Ich wollte aber trotzdem noch etwas rausreißen und das Rennen war von meiner Seite aus zumindest fehlerfrei, auch der Boxenstopp hat gut funktioniert.

Auf der Vorderachse ist dann aber leider ein Verbindungsstück zwischen Feder und Dämpfer gebrochen, wodurch mein Auto vorne immer aufgesetzt hat, was nicht vorteilhaft war, da ich dadurch sehr großen Reifenverschleiß bekam. Auf dem harten Satz war ich drei Runden lang ganz gut unterwegs und danach ging es extrem in den Keller und ich war fast das langsamste Auto im Feld, also ging es nur noch darum, nicht noch mehr Plätze zu verlieren. Ein paar Leute vor mir sind ausgefallen, ein paar konnte ich überholen... also bin ich mit Glück noch auf Platz 15 nach vorne gekommen, aber das kann nicht das Ziel sein. Am Sonntag ging es genauso schlecht weiter. Schon mein Start war nicht gut und in der ersten Kurve ist mir dann jemand ans Rad gefahren. Dadurch bin ich nach außen gerutscht und in einen anderen Fahrer hinein, weshalb ich dann auf so eine Art Zufahrtsweg ausweichen musste - danach war ich Vorletzter.

Chancenlos im Hinterfeld: Bei ART geht es derzeit kaum voran - Foto: GP2 Series

Drei Runden später ist mir in Kurve zwei an einer Stelle, an der ich es mir überhaupt nicht erklären kann, die eigentlich total leicht als Vollgaspassage geht, einfach die Hinterachse weggerutscht. Erst dachte ich, ich habe einen Reifenschaden, denn so hat es sich angefühlt. Aber das war nicht der Grund, den wir im Übrigen noch nicht kennen. Es sieht ganz nach einem Fahrfehler aus, da am Auto nichts kaputt ist. Erklären kann ich mir das an dieser Stelle allerdings nicht - nur feststellen, dass im Moment alles sehr seltsam ist. Das Vertrauen ins Auto war logischerweise schon einmal besser als es im Moment ist, denn gefühlt fahre ich aktuell jedes Wochenende ein ganz anderes Auto. Hinzu kommt, dass mir auf der Geraden vier Stundenkilometer auf meinen Teamkollegen fehlen - das macht zwar das Kraut nicht fett, aber momentan addieren sich diese Sachen einfach.

Mein Lichtblick heißt jetzt Nürburgring: Das ist am nächsten Wochenende eine Strecke, die ich sehr mag und auf der ich auch immer sehr gut unterwegs war. Da muss jetzt mal etwas klappen! Außerdem freue ich mich auf mein Heimspiel. Letztes Jahr war das in der GP3 ein echtes Highlight - dort habe ich meine erste Pole geholt und das war vergangene Saison auch so ein wenig der Knackpunkt, ab da ging es richtig voran. Ich hoffe natürlich, dass ich das dieses Jahr wiederholen kann, wir in der Eifel ein gutes Rennen haben und der Speed einmal passt, sodass wir konkurrenzfähig sein können. Das wäre wichtig, auch fürs Selbstvertrauen... einfach mal wieder ein gutes Auto zu haben, damit ich mich aufs Fahren konzentrieren kann und wir nicht immer herumschrauben müssen. Zusätzliche Unterstützung erhalte ich am Nürburgring auch aus meinem Umfeld - darauf freue ich mich ganz besonders, denn meine Freundin und meine Familie werden da sein, auch ein paar Kumpels... diesmal sind wirklich alle mit vor Ort.

Der Nürburgring ist eine Strecke, die ich sehr mag und auf der ich auch immer sehr gut unterwegs war. Da muss jetzt mal etwas klappen!
Daniel Abt

Das Wochenende wird also sicher toll und gerade wenn es so wie zur Zeit etwas schwieriger ist, ist es gut, ein paar Ansprechpartner an meiner Seite zu haben. Außerdem hoffe ich darauf, dass mich die deutschen Fans von außen ordentlich anfeuern werden - dann wird das bestimmt ein schönes Wochenende. Zum Schlusse möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal auf das aktuelle Geschehen in der Formel 1 eingehen, in deren Rahmenprogramm wir mit der GP2 ja fahren. Was dort am Wochenende in Silverstone passiert ist, darf einfach auf gar keinen Fall passieren. Das war schon peinlich für den Sport und ist mit Sicherheit auch keine gute Werbung für Pirelli. Als Fahrer fühlt man sich schon sehr unwohl, wenn man auf einem Hochgeschwindigkeitskurs wie Silverstone fährt und dann platzen auf einmal die Reifen. Ich glaube, da sind alle noch einmal glücklich davongekommen, da sich niemand verletzt hat und weil dort eben die Auslaufzone für so etwas da ist.

Wenn das aber an einer ungünstigen Stelle passiert, kann es böse enden und ich denke, da müssen nun alle zusammenarbeiten, um eine schnelle Lösung zu finden, damit die Fahrer nicht mit so einem mulmigen Gefühl ins Rennen gehen müssen. Wenn so etwas einem einzelnen Fahrer passiert, kann man immer argumentieren, dass er sich irgendwo etwas kaputtgefahren hat. Aber nun war es doch sehr offensichtlich. Ich denke, da braucht man auch nicht anfangen, davon zu sprechen, dass irgendwelche Kerbs zu anspruchsvoll waren oder irgendwelche Teile auf der Strecke lagen. Dazu waren sich die Schäden von ihrem Ablauf her zu ähnlich und jeder hat gesehen, dass man nun was unternehmen muss. In diesem Sinne: Hoffen wir auf rasche Besserung.

Bis zum nächsten Mal und ich hoffe, einige von euch vielleicht schon vorab am Nürburgring zu treffen,

Euer Daniel

Unterschrift von Daniel Abt


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