Formel 1 - Business - Was für ein Geschäft

Wege aus der Krise

Das neue Concorde Agreement ist unterzeichnet. Aber endet damit das politische Chaos in der Formel 1?
Die Formel 1 muss wieder sportliche Schlagzeilen schreiben. © Sutton

Ist irgendjemandem, abgesehen von mir natürlich, eigentlich schon einmal aufgefallen wie jungfräulich Weiß das Brawn-Auto auch nach so vielen Rennsiegen noch ist? Kommt Ihnen das nicht ein wenig komisch vor? Mir schon. Irgendetwas stimmt doch da nicht, wenn ein Team zwar gewinnt, aber dennoch keine Sponsoren bekommt. Das ist nicht koscher.

Manch einer wird jetzt behaupten, das läge daran, dass das Team noch nie besonders gut im Geldbeschaffen war, andere werden die Weltwirtschaftskrise vorschieben, oder behaupten dass der Skandal um Max Mosley der Formel 1 doch mehr geschadet hat als ursprünglich angenommen, die FIA will es nur nicht zugeben, oder dass die kürzlichen Aussagen des Mr E. über einen der schlimmsten Diktatoren Europas, nicht zu den schlausten Schachzügen gehörten.

Das eigentliche Problem der Formel 1 ist aber, dass es in den letzten Wochen und Monaten nur eine große Sache gegeben hat - die anhaltende Krise bedeutete, dass keine Verträge abgeschlossen wurden und das wiederum bedeutete, dass das Medium Internet eigentlich damit beschäftigt war, über nichts anderes zu schreiben, als über Politik. Es ist der ewige Kreislauf eines endlosen Desasters. Deshalb heißt es jetzt, da das neue Concorde Abkommen in Sack und Tüten ist, sich schnellstens auf andere Dinge zu konzentrieren. Denn die Fans haben es längst über.

Es ist der ewige Kreislauf eines endlosen Desasters.
Joe Saward

Zugegeben einfach wird das nicht, wenn man bedenkt, dass Max Mosley Jean Todt als seinen Nachfolger als FIA Präsident haben möchte. Dieser Vorschlag wurde in der Formel 1 ungefähr so begeistert angenommen wie Syphilis im Mittelalter. Denn Jean Todt hat nicht nur Freunde in der Formel 1. Wenn er also der neue FIA Präsident wird, dann ist der Ärger für die nächsten Jahre schon so gut wie programmiert.

Wie aber auch immer diese Geschichte ausgehen wird, das endlich unterzeichnete Concorde Abkommen bringt dem Sport nur bis zum Jahr 2012 etwas, danach wird es erneut Verhandlungen über die Finanzen geben. Die FOTA wird sich dann aber nicht mit 50% der Einkünfte zufrieden geben, sie werden mehr wollen. In anderen Sportarten erhält der Veranstalter 10 bis 15%, aber Bernie Ecclestone ist natürlich schlauer. Er hat das Geschäft an CVC Capital Partners verkauft und alle hofften, dass das Geld weiter nur so fließen würde. Eine ziemlich wahnhafte Idee.

Sie haben mit dem Sport doch schon viel Profit gemacht, da müssen sie doch jetzt bereit sein, Kompromisse einzugehen. Sie werden vielleicht hoffen, einen neuen Deal mit den Teams abzuschließen, sich noch einmal an den Einkünften zu bereichern und dann alles wieder zu verkaufen, aber die Teams sind mittlerweile aufgewacht und haben mitbekommen, dass sie für Leute arbeiten, die nichts zum Sport beitragen und sie sind nicht bereit das weiter hinzunehmen.

Genug des Wahnsinns: Es muss wieder Ruhe herrschen. © Sutton

Mr E, die FIA und CVC Capital Partners werden natürlich die Taktik der 'herrsche und teile'-Philosophie versuchen und wenn die Teams dumm genug sind, darauf herein zu fallen, dann haben sie es auch nicht verdient, mehr Geld zu bekommen. Sollten sie jedoch zusammen halten, dann könnten viel bessere Lösungen gefunden werden. Der Sport könnte dann viel fairer verlaufen und die Atmosphäre würde sich insgesamt verbessern, ich gebe zu - das ist eine sehr idealistische Zukunftsvorstellung, aber es gibt keinen Grund, es nicht wenigstens zu hoffen.

Vielleicht hat der eine oder andere ja doch noch einmal eine Erleuchtung, so dass wenigstens ein System geschaffen werden könnte, das den Sport selbst bereichert und nicht nur die Taschen einiger gesichtsloser Finanzmakler. Das einzig Gute und Sichere ist eigentlich, dass niemand dieser gesichtslosen Typen in die Hand beißen wird, die sie füttert. Sie wissen, dass es besser ist, wenigstens etwas zu bekommen, anstelle von nichts. Und wenn der Rücklauf in ihre Investition nicht so hoch ist, wie sie eigentlich gehofft hatten, dann wissen sie immer noch, dass sie mit dem Sport nicht wenig verdient haben und können in einem anderen Geschäft weiter Geld verdienen.

Die eigentliche Herausforderung liegt bei der FOTA, sie muss einen Weg finden, die kommerziellen Rechte zu kontrollieren, so dass die CVC sie zufrieden verlässt und die Teams am Ende über das Geld bestimmen können. Wenn die FOTA Weitsicht beweist, dann ist es möglich. CVC konnte sich das Geld leihen, um die Rechte zu kaufen, warum sollten die Teams nicht genau so verfahren können...




3 Leser-Kommentare

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am 04. August 2009 um 11:42 Uhr
Zoyd: Fota? Was ist das?
Wer oder was wird die FOTA ohne BMW, Toyota und Renault sein? Die Interessen der FOTA waren allein darauf gerichtet, einen größeren Anteil vom Kuchen zu bekommen. Und hier sind in Zukunft die Interessen der vielen kleinen und der wenigen gr´ßen Teams nicht mehr zusammen zu halten. Das war ein wichtiger Grund, neue Teams dazuzuholen und vor allem den ständigen Querulanten und Westentaschen-Briatore rauszuhalten.
am 03. August 2009 um 18:26 Uhr
DennisNbg:
Die Gelegenheit das mit den Geldern zu kontrollieren hätte die FOTA gehabt mit der eigenen Rennserie. Aber man will ja lieber Bernie weiter gut finanzieren. Gelegenheit also verpaßt FOTA.
am 03. August 2009 um 17:49 Uhr
Zoyd: Kapitalismuskritik ???
Es ist schon neidlich nach dem ach so überraschenden BMW Abgang noch immer so zu tun als seien die FOTA Teams der Rückhalt der Formel 1. Nur dann wenn Renault und Toyota tatsächlich zu der geleisteten Unterschrift stehen, was ich erst einmal anzweifle, hat die FOTA überhaupt noch eine Chance als Interessenvereinigung zu überleben. Aber sicher werden sie nicht auf einer Wellenlänge mit mit den kleinen Funken. Reich wurde die Formel 1 durch Makler wie Ecclestone und die Leute in seinem Gefolge, nicht durch den guten Sport (den hat es auch in den 60er Jahren gegeben, als noch Veranstalter nach der Zielflagge mit der Kasse stiften gingen), nicht durch die FIA (vorm. FISA; hier herrscht erst seit dem Gespann Ecclestone-Mosley Ruhe) und erst Recht nicht durch große Autofirmen. Gerade nach dem Streit der vergangenen Monate ist klar, wer zuverläsig die Marke F 1 repräsentiert und wer nur Trittbrettfahrer ist.

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