Mi, 08.09.2010

Formel 1 - Ferrari-Stallregie: Entscheidung vor Gericht

Was passiert heute vor dem WMSC?

Ferrari muss sich am Mittwoch vor dem FIA-Weltrat für die Stallregie von Hockenheim verantworten. Freispruch, Geldstrafe oder doch mehr?
Ferrari muss sich am Mittwoch vor der FIA verantworten
© Sutton

Worum geht es heute?

"Stallregie, welche das Rennergebnis beeinflusst, ist verboten." So lautet der berühmte Artikel 39.1 des Sportlichen Reglements der FIA. Eingeführt wurde dieser Paragraf, nachdem Ferrari zwei Jahre hintereinander 2001 und 2002 beim Österreich GP mit Stallregie das Rennergebnis manipulierte - 2001 funkte Jean Todt legendär an Rubens Barrichello: "Let Michael pass for the championship."

Neun Jahre später ging wieder ein Ferrari-Funkspruch in die Motorsportgeschichte ein. Diesmal war es Felipe Massas Renningenieur Rob Smedley, der dem führenden Brasilianer in Hockenheim sagte: "Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du diese Nachricht verstanden hast?" Im Klartext: Massa sollte den Spanier passieren lassen. Hinterher gab es die Entschuldigung von Smedley: "Guter Junge - sorry."

Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du diese Nachricht verstanden hast?
Rob Smedley

Ferrari wurde für eine unerlaubte Stallregie von den Rennkommissaren des Deutschland GP gemäß Artikel 39.1 des Sportlichen Reglements zu einer Geldstrafe von 100.000 Dollar verurteilt. Die Rennkommissare leiteten den Fall an den WMSC weiter, der über eine weitere Bestrafung entscheidet. Für die Anhörung am Mittwoch zitierte die FIA Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali sowie Teammanager Massimo Rivola nach Paris. Die Fahrer müssen entweder persönlich vor Ort aussagen oder per Video-Schaltung.

Wie lautet die Anklage?

"Aus meiner Sicht kann es nicht sein, dass bei einem so eindeutigen Regelverstoß eine so relativ geringe Bestrafung erfolgt", sagt Hermann Tomczyk, der zwölf Jahre lang im WMSC gesessen hat. "Es kann nicht sein, dass man sich mit 100.000 Dollar Strafe auch in der Zukunft WM-Punkte oder WM-Vorteile sozusagen erkaufen kann, obwohl man eindeutig gegen bestehende Regeln verstößt."

Motorsport-Magazin.com fragte seine Leser in einer Umfrage: Wie sollte Ferrari bestraft werden? 55% unserer Leser antworten eindeutig: Disqualifikation in Hockenheim. 11% fordern einen WM-Ausschluss der Scuderia für diese Saison und 8% unserer Leser eine Rennsperre. Ebenfalls 8% wären mit der Geldstrafe für Ferrari als einziger Strafe einverstanden. Ganze 18% finden, dass Ferrari für den Vorfall überhaupt nicht bestraft werden sollte.

Wie lautet die Verteidigung?

Felipe Massa musste Fernando Alonso vorbeilassen © Sutton

Die allgemeine Auffassung des Vorfalls: Ferrari hat in Hockenheim Felipe Massa angewiesen, Fernando Alonso passieren zu lassen. Die Italiener bestreiten das, fochten die Strafe in Hockenheim aber nicht an. Stattdessen betonte Domenicali in Hockenheim immer wieder, dass das Team Massa nur über die Situation informiert habe - es soll keine versteckte Anweisung gegeben haben.

Gleichzeitig führt Ferrari einen Feldzug gegen die ihrer Meinung nach vorherrschende Scheinheiligkeit beim Thema Stallregie. "Nach den Ereignissen von Hockenheim schwappte eine Welle der Scheinheiligkeit durch das Fahrerlager", schrieb Ferrari in einer Kolumne. "Und wo war diese Moral als in den letzten Jahren so viele andere mehr oder weniger ähnliche heuchlerische Aktionen durchführten?"

Die Lösung der Scuderia lautet deshalb: Schafft das Stallregie-Verbot ab. "Ich halte das Verbot für unvereinbar mit der Praxis", sagt Domenicali, der durchaus prominente Befürworter hat. Da die Teamorder-Debatte schwierig zu kontrollieren ist, fordern auch Bernie Ecclestone und Flavio Briatore, dass das Verbot aufgehoben werden sollte. "Das Stallregie-Verbot ist nicht mehr realistisch", pflichtet ihnen Ross Brawn bei. "Die Teams und die FIA müssen gemeinsam eine transparente Lösung finden, welche die Integrität des Wettbewerbs und den Sport schützt."

Welche Strafe droht Ferrari?

Aus der bisher bestehenden Faktenlage müsste es neben der ausgesprochenen Geldstrafe eine sportliche Sanktion geben.
Max Mosley

Ferrari muss sich wegen Verstoßes gegen Artikel 39.1 des Sportlichen Reglements und des als "Gummi-Paragrafen" gefürchteten Artikels 151c des Internationalen Sport-Kodex der FIA vor dem World Motor Sport Council verantworten.

Das Strafmaß reicht von einer erhöhten Geldstrafe (McLaren wurde vom WMSC in der Spionage-Affäre zu einer Rekordstrafe von 100 Millionen verurteilt) über eine Disqualifikation/Punktabzug in Hockenheim bis zu einer Rennsperre oder kompletten Disqualifikation für die gesamte Saison. Letzteres erscheint als unwahrscheinlich, schließlich findet am Wochenende nach der FIA-Sitzung der Große Preis von Italien in Monza statt.

"Sie werden vom Weltrat eine übergebraten bekommen, das steht fest", wurde Niki Lauda zitiert, der diese Aussage später jedoch widerrief. Der ehemalige FIA-Präsident Max Mosley sagt eindeutig: "Aus der bisher bestehenden Faktenlage müsste es neben der ausgesprochenen Geldstrafe eine sportliche Sanktion geben." Mosley geht davon aus, dass Ferrari die Punkte von Hockenheim verliert: "Eigentlich müssten beiden Autos und beiden Fahrern die Punkte des Grand Prix von Deutschland aberkannt werden."

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33 Leser-Kommentare
am 08. September um 23:26 Uhr
1885:
echt unglaublich. kann ich nicht verstehen. man bricht eine regel, wird bestraft, wehrt sich nicht und man sollte sogar noch härter bestraft werden. dann diskutiert man fröhlich vor gericht über eine regel, die gebrochen wurde und punkt. unglaublich. nur ein 50.000 dollar alonsosieg und ein 50.000 dollar massafußvomgasalonsokommt-platzzwei plus kosten für ein komisches gericht. ferrari ist zu geil, erst kaufen die sich nen falschen sieg und dann auch noch richter ;)
am 08. September um 23:10 Uhr
indalo: gerechtes urteil
(; und lange gesichter hier!!! War wohl doch keine teamorder in dem sinne..... Endlich kann es mit wichtigerem weiter gehen: RACING in Ferrari-land!
am 08. September um 18:34 Uhr
Simon667:
ohhhhhh hheyyyyy ... die Formel 1 hat sich mal wieder lächerlich gemacht.
am 08. September um 17:47 Uhr
indalo: @formulaone (; reloaded
Schaum abwischen vom mund und abwarten! Ich hoffe es gibt bald ein ergebnis - wie auch immer, damit diese hexenjagd hier auf Alonso ein ende nimmt. Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid, um einen Piloten, 2xWM, in einer tour sachen zu unterstellen und zu beschimpfen?! Naechste woche gibts dann wieder einen neuen skandal. mal sehn wen's dann erwischt. Und Alonso hat GARNICHTS verlangt. "Thats ridicoulus" kann sich auf alles moegliche beziehen. Es ist einfach laecherlich, wie ihr dem Spanier aus 2 worten einen strick drehen wollt. Mann, mann kindergarten hier....
am 08. September um 15:12 Uhr
AdenauerForst: Richtig Formulaone,
die 100.000 sind keine Strafe und heute wird es auch keine weitere geben. Müsste es aber, denn lt. Regelwerk ist es nun einmal verboten, was Ferrari tat, ganz zu schweigen vom sportlichen Faktor und Frust, den man dem Massa zumutet. Ohne echte Bestrafung, sprich Disqualifikation oder Punktabzug, kann man den Vorfall bzw. die Verhandlung als lächerlich betiteln. Wozu Regeln, wenn man sie missachten kann, ohne ECHTE Konsequenzen zu erwarten?
am 08. September um 14:55 Uhr
formelchen: @Edofirst
Die 100.000 Dollar sind ein Witz. Mal angenommen Alonso wird mit 5 Punkten Vorsprung Weltmeister. Dann hat man durch die Stallorder sehr hohe Einnahmen, dagegen sind die 100.000 Dollar ein Klacks. Ferrari hat nicht das richtige getan, sie haben auf offensichtliche Art und Weise das Reglement mit Füßen getreten. Sie streiten dies ja nicht einmal ab. Fakt ist, Stallorder ist verboten und sie haben trotzdem Stallorder betrieben und die ganze Welt konnte dabei zusehen und zuhören.
am 08. September um 14:48 Uhr
FinishFirst: @formulaohne!
Danke für deine Mitteilung. Nein, ich sehe das nicht wie du. Ferrari hat das getan was richtig war und alle tun möchten... bloss haben es Massa und Smedley versaut... und übrigens, 100'000 Dollar muss man zuerst einmal vorig haben um zu behaupten, dass das eine lächerliche Summe ist! Sicherlich könntest du dir mehrere neue User Namen damit kaufen....!
am 08. September um 14:37 Uhr
formelchen: @Edofirst
Jeder hat ein Anrecht auf seine Meinung und dein Beitrag ist doch eher beleidigend gegen User, die nicht deiner Meinung sind. Und du selbst musst auch zugeben, dass Ferrari gegen eine bestehende Regel verstossen hat und daher eine weitaus härtere Strafe als diese lächerlichen 100.000 Dollar gerechtfertigt ist. Natürlich hoffst als Ferrari-Fan, dass es keine weitere Strafe gibt, das verstehe ich auch. Aber wenn du mal ehrlich bist, würdest du auch eine härtere Strafe verlangen, wenn ein Team wie McLaren oder Red Bull so dreist beschissen hätte.
am 08. September um 14:30 Uhr
FinishFirst: Ihr seid so viele...... Antis!
Es ist aussichtslos mit Euch Antis offene Diskussionen führen zu wollen... Ihr seid Beobachter, Richter und Bestrafer in einer Person. Denn Ihr alle sooooo den Durchblick! Ich bin Ferraristi, ja. Trotzdem bin ich nur einfacher Zuschauer mit eigener Meinung. Ihr jedoch, glaubt tatsächlich, dass euer Fachwissen, eure Hintergrundkenntnisse, eure Fachkompetenz und eure jahrzehntelange Motorsporterfahrung berechtigt, über andere Menschen zu urteilen und zu verurteilen. Prost... *** Persönlich kann ich eine Bestrafung des Teams Ferrari auch nachvollziehen, dies weil Massa und Smedley es auch richtig versaut haben... Trotzdem hoffe ich, dass Ferrari nicht weiter bestraft wird und die Teamorder-Regel neu definiert wird. Allzu gerne würde ich dann eure wutentbrannten Gesichtszuckungen sehen... hahaha! *Sempre Rosso! Keep Racing!
am 08. September um 13:18 Uhr
F1SS: 'Angeblich' Stallorder
und warum wurde Ferrari schon mit 100.000 Doller bestraft wenn es keine Stallorder gegeben hat.Ja und am besten immer die anderen bestrafen Massa-Piquet und Ferrari-Renault nur Alonso nicht er weiß von nix und hat nix gefordert,Alonso der Engel wie Edofirst,Indalo und SMASHER so schreiben alles alles immer wegen den anderen hat Alonso immer probleme Massa-Piquet-Hamilton und Ferrari-Renault-MclarenMercedes das sind die Bösen .Alonso erpresst kein, hat auch mit der Spionage-Affäre zu tun oder mit den Piquet-crash zu tun und Alonso hat auch Ferrari nicht dazu gezwungen das Massa platz machen soll für Ihm,er hat ja Ferrari daran erinnert wer die vielen Millionen mit gebracht hat vom Santander.Armer Wicht als doppelt WM solche siege einzufahren und sich als WM sich ein Cockpit einkaufen echt traurig
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