DTM - Lohr: Frauen sind ein Riesen-Marketing-Werkzeug

Kein 100-prozentiges Vertrauen

Mit Susie Wolff und Rahel Frey fuhren 2011 zwei Frauen in der DTM. Motorsport-Magazin.com sprach mit Ellen Lohr über die schwierige Situation der Damen.
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Motorsport-Magazin.com - Drei Fahrer beendeten die abgelaufene Saison ohne Punkte. Neben Mercedes-Rookie Renger van der Zande fuhren auch die beiden Damen Susie Wolff und Rahel Frey zehn Nullrunden ein. Noch ist keine von ihnen für 2012 bestätigt. Frey wird wohl noch eine weitere Chance bekommen, sich in der Tourenwagenserie zu beweisen und 2012 im A5 DTM Platz nehmen. Auch bei Wolff stehen die Chancen gut, nächstes Jahr ein Cockpit bei Mercedes zu ergattern.

Es wäre Wolffs - ehemals Stoddart - siebtes Jahr in der DTM. Ihre Bilanz: 61 Rennen - vier Punkte. Ihre bislang besten Platzierungen waren zwei siebte Plätze 2010 in der Lausitz sowie am Hockenheimring. Nicht gerade überzeugende Resultate nach all den Jahren, doch Wolff biss sich immer wieder in der Männerwelt DTM durch. Gleichzeitig überlebte sie auch die Damenkonkurrenz bestehend aus Vanina Ickx und Katherine Legge.

Wolff könnte aufs Podium fahren

Sie haben zwar die Möglichkeit, in der DTM zu fahren - aber einhundertprozentiges Vertrauen bringt man ihnen nicht entgegen.
Ellen Lohr

Meist kämpften Wolff und Frey in der vergangenen Saison im hinteren Teil des Feldes, kaum jemand traute dem Damen-Duo ein starkes Finish zu. "Sie haben zwar die Möglichkeit, in der DTM zu fahren - aber einhundertprozentiges Vertrauen bringt man ihnen nicht entgegen. Das finde ich sehr schade", ärgert sich Ellen Lohr im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. Die frühere BMW- und Mercedes-Pilotin ist die bis dato einzige Frau, die jemals ein DTM-Rennen gewinnen konnte. In 144 DTM-/ITC-Rennen fuhr sie fünf Mal aufs Podium und erzielte 283 Punkte.

Nach dem Ende der alten DTM 1996 stieg sie aus der Serie aus - und hinterließ eine riesengroße Lücke, denn keine ihrer Nachfolgerinnen konnte auch nur ansatzweise an Lohrs Erfolge anknüpfen. Dabei traut Lohr den Frauen eine Menge zu. "Vom Talent her traue ich Susie Podiumsplätze zu - man muss diesem Talent allerdings auch die Möglichkeit geben, sich entfalten zu können", sagt sie. "Allerdings tut sie mir auch leid, denn ich erkenne eine absolute Blindheit bei den Entscheidungsträgern. Ich bin fest davon überzeugt, dass Susie viel weiter vorn fahren könnte, wenn sie bessere Testmöglichkeiten bekäme."

Susie Wolff hat einen steinigen Weg hinter sich - Foto: Sutton

Ähnlich urteilt Lohr über Kollegin Frey. Die Audi-Pilotin wirkte zweitweise etwas verloren in der DTM-Welt und benötigte eine Weile, um sich an die Gegebenheiten zu gewöhnen. Erfrischend ehrlich gestand sie mehrfach nach Rennwochenenden, dass die Nervosität überwiege. Im Laufe der Saison wurde die junge Schweizerin entspannter - doch gute Resultate blieben Mangelware. Für Lohr keine Überraschung.

"Rahel konnte vor der Saison zwei Mal testen - da lache ich mich doch kaputt", so die 46-jährige Motorsport-Veteranin. "Das war kein ernsthafter Versuch, ein Mädel nach vorn zu bringen. Das ärgert mich wirklich, denn sie konnte ja zuvor in der deutschen Formel 3 richtig gute Ergebnisse einfahren."

Erfolgreiches Marketing-Tool

In der Tat sorgte Frey in der F3 mit guten Leistungen für Aufsehen. In ihren zwei Jahren in der Formelserie schaffte sie es vier Mal aufs Podium und siegte 2009 beim Lauf auf dem Nürburgring. Nach Ausflügen in die LMS- und GT-Welt präsentierte Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich die 25-Jährige etwas überraschend im Audi-Kader für 2011. Dabei waren sämtliche Audi-Entscheider stets bemüht, Frey aus der Schusslinie zu halten und ihr den Rücken zu stärken.

Wenn wir jetzt also eine von beiden oder am liebsten noch beide zusammen auf dem Podest sehen würden, dann kann man sich ja vorstellen, wie die DTM-PR abgehen würde.
Ellen Lohr

Doch die Rookie-Saison ohne nennenswerte Erfolge ging nicht spurlos an ihr vorbei. "Ich wusste, dass es hart wird - dass es gleich so hart wird, habe ich ehrlich gesagt aber auch nicht gedacht", erzählte Frey nach dem Finale in Hockenheim im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Ein kleiner Fehler und du bist weg vom Fenster." Lohr ist der Meinung, dass in der DTM keinerlei Balance für die beiden Damen herrsche.

Dass Frauen auf der Strecke nicht bevorzugt behandelt werden - und es auch nicht wollen - ist kein Geheimnis. Stellt man die beiden Frauen also auf eine Stufe mit ihren männlichen Kollegen, müssen sich beide an den sportlichen Resultaten messen lassen - der Ausgang wäre angesichts der vergangenen Ergebnisse wohl nicht allzu positiv. Woran liegt es also, dass beispielsweise Wolff seit Jahren in der DTM unterwegs ist, ohne großartige Erfolge erzielt zu haben?

"Frauen sind in diesem Sport auch ein Riesen-Marketing-Werkzeug, denn das Besondere lässt sich immer leichter kommunizieren", spricht Lohr offen aus, was viele mit Sicherheit denken. "Wenn wir jetzt also eine von beiden oder am liebsten noch beide zusammen auf dem Podest sehen würden, dann kann man sich ja vorstellen, wie die DTM-PR abgehen würde. Aber dafür muss eben auch das sportliche Umfeld 100-prozentig stimmen."


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