WEC - Endurance-Commission-Chef setzt auf Wachstum

Interesse mit echtem Rennsport wecken

Lindsay Owen-Jones will die WEC weiter nach vorn bringen. Er sieht einen guten Trend und will von der Formel 1 lernen, aber dabei immer auf dem Boden bleiben.
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Motorsport-Magazin.com - Die Langstrecken-Weltmeisterschaft wird 2014 eine neue Ära des Motorsports begründen, wenn erstmals die pure Effizienz des Fahrzeugs und die Energiegewinnung in den Vordergrund rücken werden. Lindsay Owen-Jones, der ehemalige CEO von L´Oreal, wurde als Vorsitzender der Endurance Commission von der WEC zum Mann des Jahres gewählt. Der 67-Jährige will die Weltmeisterschaft in ihrer Popularität an die Spitze bringen und sich dabei an der Formel 1 orientieren - nicht aber an deren jüngsten Entwicklungen.

"Ich denke, wir alle können fühlen, dass hier etwas heranwächst", kommentiert er die allgemeine Aufbruchsstimmung gegenüber Daily Sportscar. "Jeder sagt es auf eine etwas andere Weise, aber jeder hat das Gefühl, dass der Langstreckensport wieder zurück ins Rampenlicht findet. Das ist eine große Freude für mich, weil ich diese Art von Motorsport liebe. Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um der gesamten Sache dabei zu helfen, zu wachsen, und jetzt, glaube ich, ist es wirklich soweit." Er hofft, über das originelle Reglement nun auch die Aufmerksamkeit der Medien und Hersteller zu bekommen.

Was ich fühlen kann ist, dass der Langstreckensport vor allem Großserienhersteller anzieht.
Lindsay Owen-Jones

Dass dem Langstreckensport ein neues, goldenes Zeitalter wie zu Gruppe-C-Zeiten bevorsteht, will Owen-Jones aber noch nicht unterschreiben: "Ich bin lieber bescheiden. Ich denke, wir können alle fühlen, dass hier etwas entsteht und dass noch mehr nachkommt, aber jetzt müssen wir das auch unter Beweis stellen. Ich kann den Enthusiasmus schon fühlen. Vielleicht eröffnen die Exzesse in anderen [Motor-] Sportsparten dieser Disziplin neue Möglichkeiten."

Konkret ist damit die Formel 1 angesprochen, deren Reglement die Hersteller in die WEC treiben könnte: "Da wird alles dadurch entschieden, einen einzelnen cleveren Aerodynamik-Guru zu haben, und das trotz der Tatsache, dass die Teams enorm viel Geld in alles stecken." Dem gegenüber habe ihm ein im Langstreckensport involvierter Hersteller berichtet, dass das im Sportwagenbereich investierte Geld als "intelligentes Geld" betrachtet werde. Als ehemaliger CEO kann Owen-Jones diesen Begriff erklären: "Das Geld kommt heute häufig aus der Entwicklungsabteilung und nicht über Sponsoren herein. Das zeigt auch die derzeitige oder künftige Relevanz unserer Technologie."

Formel 1 als Vorbild - bis zu einem gewissen Grad

Es geht ihm darum, die Autohersteller, die sich von der Formel 1 abgewendet haben, mit dem offenen Reglement zu locken. "Was ich fühlen kann ist, dass der Langstreckensport vor allem Großserienhersteller anzieht, weil er wesentlich dichter als andere Sparten des Motorsports an der Technologie dran ist, die sie tagtäglich verkaufen. Präzise gesagt geht es um den Mix von Dieseln und Benzinern und verschiedene Grade und Technologien von Energierückgewinnung. Das ist genau das, wovon sie leben und was sie verkaufen wollen. Das macht es viel relevanter."

Lindsay Owen-Jones fuhr einst selbst in der BPR-Serie - Foto: Sutton

Bis zu einem gewissen Grad nimmt er sich die Formel 1 zum Vorbild: "Wir können viel von der Formel 1 lernen. Was sie in Sachen Medienerfolg und öffentlichem Interesse erreicht hat ist unglaublich und ich denke, dass wir uns alle jeden Tag mit Demut daran messen sollten." Und genau dort möchte er auch hin: "Es gibt keine Möglichkeit, sie irgendwie herauszufordern, aber wir können von ihr lernen und komplementär existieren." Dieses Ziel hat er sich für die kommenden Jahre gesetzt.

Dennoch glaubt er, dass die Formel 1 einige ihrer Grundprinzipien opfere, um die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. "Deshalb gibt es jetzt Raum für eine traditionellere Herangehensweise zum Rennsport, wo es wirklich darum geht, wer gewinnt und wer die Gewinner macht. Und das ist der Raum, den wir besetzen können. Ich denke, das ist etwas, was die Medien als eine einzigartige Position wahrnehmen können, die sie interessieren könnte." Am wichtigsten ist ihm aber dabei, dass die Atmosphäre im gesamten Fahrerlager trotz aufspringender Hersteller gut bleibt. "Die Leute fühlen sich gut dabei, Teil des Ganzen zu sein", sagt er zufrieden.


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