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WEC - Rückblick 2013: Die GT-Klassen

Das Drama von Bahrain

Die GT-Klassen produzierten in der WEC 2013 enge Meisterschaftsentscheidungen. Über dem großartigen Sport schwebt jedoch ein tragischer Verlust.
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Motorsport-Magazin.com - Zugegeben, die GT-Piloten fristen ein etwas undankbares Dasein in der Langstrecken-Weltmeisterschaft. Trotz großartigen Sports sind sie es meist, die als Buhmänner herhalten müssen, wenn sie wieder einmal einen Prototypen blockiert haben. Dennoch: Ohne das Engagement dreier Teams mit Werkssupport in der GTE Pro und engagierten Amateuren in der GTE Am wäre das Starterfeld der WEC nur halb so groß gewesen wie es letztlich ausgefallen ist. Die Fahrzeuge haben sich dabei mittlerweile weit von der Serie entfernt und verfügen über Prototypen-Technik, was angesichts der ausufernden Kosten nicht von jedem positiv aufgenommen wird.

Aston Martin verspielt alle Titel

Die GTE Pro war mit sechs Fahrzeugen (anfangs sieben) zwar äußerst dünn besetzt, doch jedes in dieser Klasse angetretene Auto war von der Papierform her siegfähig. Zu Saisonbeginn sah alles nach einem Duell zwischen Aston Martin Racing und AF Corse aus. Stefan Mücke, Darren Turner und Bruno Senna siegten beim Saisonauftakt in Silverstone, Gianmaria Bruni und Giancarlo Fisichella folgten in Spa nach. Doch in Le Mans gelang Porsche die Riesenüberraschung: Im Debütjahr des 991er-RSR fuhren Marc Lieb und Richard Lietz den wichtigsten Sieg des Jahres vor den Teamkollegen Jörg Bergmeister und Patrick Pilet nach Hause, nachdem Fred Makowiecki den führenden Aston Martin spektakulär zerlegt hatte.

Porsche gelang in Le Mans der Coup - Foto: Sutton

Damit war die Herrlichkeit in Weissach aber schnell wieder vorbei. In den folgenden Rennen in Amerika und Asien spielten die weißen Heckmotor-Boliden des Porsche AG Team Manthey nur eine untergeordnete Rolle. In Brasilien erlebte das Duell Aston Martin vs. Ferrari seinen Höhepunkt, als Bruni/Fisichella und Mücke/Turner über mehrere Stunden hinweg sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten, das der Ferrari mit 1,6 Sekunden Vorsprung für sich entschied. Zwischenzeitlich sorgten Bruno Senna und Fred Makowiecki für einen weiteren Aston-Martin-Sieg in Austin.

In Japan und China war der V8 Vantage mit der Startnummer 97 wieder dominant und ging als Favorit nach Bahrain. Das Wüstenrennen schrieb gleich mehrere Geschichten: Mit dem Evo-Upgrade mischte Porsche wieder ganz vorne mit, während AMR alles verspielte. Reifen- und Motorenprobleme sorgten für einen Doppelausfall, so dass Ferrari alle drei Titel holte. Weil AF Corse die Fahrer auf zwei verschiedene Fahrzeuge splittete, ist Gimmi Bruni alleiniger Gewinner des Weltcups für GT-Fahrer vor Fisichella.

Viel Ärger bei den Amateuren

Die GTE Am war durch einen großen Streit gekennzeichnet, in dessen Zuge das Reglement mitten in der Saison umgeschrieben werden musste. Aston Martin Racing und IMSA Performance Matmut gingen zeitweise mit Fahrerpaarungen an den Start, die nicht dem Geist einer Amateurklasse entsprachen. Nach den Rennen in Brasilien und Texas, die die späteren Meister ohne ihren eigentlichen Amateurfahrer gewannen, zog der ACO daher die Reißleine und machte zwei Fahrer der Kategorie "Silber" zur Pflicht.

Das unumstritten schnellste Fahrzeug der Saison war der dänische Aston Martin mit der Startnummer 95. Doch unglaubliches Pech mischte sich mit einem gehörigen Maß an Tragik im Laufe der Saison. Nicht weniger als drei Nuller verhagelten Christoffer Nygaard und Kristian Poulsen den Titel. Noch schlimmer: In Le Mans ereignete sich der tragischste Unfall seit Jahren, bei dem Allan Simonsen sein Leben ließ - das erste Todesopfer an der Sarthe seit 1997 bzw. im Rennen seit 1986. Der Schock im gesamten Fahrerlager war gigantisch.

Der Tod von Allan Simonsen war das schwärzeste Ereignis in Le Mans seit mehr als 15 Jahren - Foto: ADAC GT Masters

Da der IMSA-Porsche größtenteils von seinem Punktepolster durch den Le-Mans-Sieg zehrte, befanden sich realistisch betrachtet nur der Aston Martin von Jamie Campbell-Walter und Stuart Hall sowie der Ferrari 458 Italia von 8 Star Motorsports im Kampf um die beiden Titel. Die Rennen, die die AMR-Piloten ohne den Bronze-Piloten Roald Goethe gewannen, entscheiden die Fahrerwertung zugunsten der beiden Engländer um einen Punkt - der einzige Titel, der Aston Martin Racing in dieser Saison blieb. 8 Star Motorsports holte sich die Teamwertung mit drei Zählern Vorsprung.

Balancing nicht immer gelungen

Keine Saison ohne BoP-Querelen: Für viele Experten war der Aston Martin in der GTE Pro gerade zu Saisonbeginn viel zu stark eingestuft, so dass er während der Saison mehrfach eingebremst wurde. Porsche bekam für Le Mans einen größeren Restriktor, der aber nach dem Doppelsieg gleich wieder entfernt werden musste. In der GTE Am erwischte das Meisterteam des Vorjahres, Larbre Competition, mit der Corvette eine schlechte Einstufung, so dass nur Platz fünf in beiden Wertungen blieb.


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