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WEC - Interview - Neel Jani

Nächstes Ziel: Werksfahrer

Neel Jani überzeugte in der WEC mit starken Leistungen für Rebellion. Bei Motorsport-Magazin.com spricht er über das dramatische Finale und seine Zukunft.
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Motorsport-Magazin.com - Neel, beim Saisonfinale der WEC fiel euer Rebellion-Bolide sieben Minuten vor Schluss aus. Dein Teamkollege Nicolas Prost und du habt dadurch den dritten Platz in der Fahrer-Gesamtwertung verloren - was war das für ein Gefühl?
Neel Jani: Wir haben in dieser Saison eigentlich alles erreicht - außer den dritten Rang in der Fahrerwertung, den wir in letzter Sekunde verloren haben. Im ersten Moment habe ich mich sehr geärgert über den Ausfall, denn man denkt ja nicht, dass in den letzten Runden noch etwas passiert. Eigentlich war alles sicher, denn wir hatten das gesamte Rennen lang überhaupt keine Probleme.

Man weiß, dass man nicht gewinnen kann - selbst, wenn die anderen Mist bauen.
Neel Jani

Rebellion war in dieser Saison das stärkste Privatteam, doch gegen die Werksteams wart ihr chancenlos. Macht Rennfahren da noch Spaß?
Neel Jani: Es ist eine schwierige Situation. Man weiß, dass man nicht gewinnen kann - selbst, wenn die anderen Mist bauen. Die Werksautos müssen schon komplett ausfallen, damit wir eine Chance haben. Ansonsten sind sie so viel schneller, dass es immer reicht. Man weiß, dass man ein perfektes Rennen fahren kann und auch, wenn die Fahrer vor dir noch Fehler um Fehler begehen, hast du immer noch keine Chance. Das ist unbefriedigend.

Also muss der Aufstieg dein nächstes Ziel sein...
Neel Jani: Ja. Es muss mein Ziel sein, die Langstreckenweltmeisterschaft gewinnen zu können und nicht nur auf Rang drei zu hoffen. Ich führe Gespräche mit verschiedenen Herstellern, konkret habe ich aber noch nichts. Mein Ziel lautet, mich für 2014 gut aufzustellen, weil ich kommendes Jahr als ein Übergangsjahr betrachte. 2014 wird es richtig ernst, wenn das neue Reglement, Porsche und vielleicht noch weitere Hersteller in die WEC kommen. Sollte ich aber schon kommende Saison in einem Werksauto sitzen, würde ich natürlich nicht nein sagen.

Gewisse Medien glauben, dass du nächstes Jahr in der DTM für Audi fahren könntest, um dich auf diesem Wege für ein LMP-Cockpit der Ingolstädter zu bewerben. Was ist an diesem Gerücht dran?
Neel Jani: Die Wahrheit ist: Davon habe ich noch nichts gehört, das mit der DTM ist mir neu. Was ich sagen kann, ist, dass ich mit Audi bislang am wenigsten gesprochen habe, eigentlich noch gar nicht wirklich. Natürlich würde ich mich freuen, wenn ich auf ihrer Liste stehe. Derzeit führe ich Gespräche, aber konkrete Aussagen oder Angebote habe ich noch überhaupt nicht. Das Gerücht über ein DTM-Engagement ist mir neu, aber vielleicht kommt ja noch eine Anfrage. Ich richte den Fokus ganz klar auf ein Werkscockpit in der WEC.

Toyota war zum Schluss sehr schnell und da werden bei Audi die Alarmglocken geschrillt haben.
Neel Jani

Toyota kam nach holprigem Start in Schwung und blühte zum Saisonende auf. Können die Japaner nächstes Jahr richtig mit Audi kämpfen?
Neel Jani: Ja, auf jeden Fall. Die waren zum Schluss sehr schnell und da werden bei Audi die Alarmglocken geschrillt haben. Ich bin sicher, dass Toyota nächstes Jahr vorn mitfährt, das haben sie spätestens in Shanghai gezeigt. Audi hatte da keine Chance - Toyota machte einen Stopp mehr und hatte am Ende immer noch 50 Sekunden Vorsprung!

Rebellion startete dieses Jahr auch beim Petit Le Mans und prompt habt ihr euch den Sieg geschnappt. Muss schön sein, auch mal ein Rennen im LMP zu gewinnen, oder?
Neel Jani: Das Petit Le Mans war eines meiner Highlights. Als Privatteam hat man in der WM kaum Chancen auf einen Gesamtsieg. Der Ansporn in Road Atlanta war, um den Sieg mitfahren zu können. Uns war klar, dass das nicht einfach werden würde, aber die Pole Position war der erste Erfolg und der spätere Sieg einfach der Hammer. Die Stimmung in den USA an der Strecke war unglaublich, dagegen wirkte der WEC-Lauf in Shanghai wieder wie eine Privatveranstaltung.

Bei diesen Rennen ist richtig was los, das ist bei der WEC - mit Ausnahme von Le Mans - nicht der Fall.
Neel Jani

Ist es für einen Rennfahrer etwas Besonderes, vor solch einer Kulisse wie beim Petit Le Mans zu fahren?
Neel Jani: Ja, solch eine tolle Stimmung ist für jeden Fahrer ein Genuss. Bei diesen Rennen ist richtig was los, das ist bei der WEC - mit Ausnahme von Le Mans - nicht der Fall. Leider stehen viele der USA-Rennen nicht mehr im internationalen Rennkalender. Für uns kommt hinzu, dass wir in der ALMS eine Chance auf den Rennsieg haben, weil nur private Teams antreten dürfen. In der WEC haben die Werksteams einen so großen Vorsprung, dass sie ihre Autos zwischenzeitlich in der Box reparieren können und dann immer noch vorn liegen. Aus unserer Sicht macht das dann nicht mehr so viel Spaß und die gute Arbeit wird nicht belohnt.

Nach dem Erfolg überlegt Rebellion anscheinend, nächstes Jahr ein Auto in der ALMS und eines in der WEC einzusetzen.
Neel Jani: Derzeit bespricht das Team die Pläne für 2013. Der Besitzer ist daran interessiert, in die ALMS einzusteigen, das stimmt. Was daraus wird, weiß ich nicht, aber nach unserem Sieg ist das mit Sicherheit ein Thema.

Solltest du weiter bei Rebellion bleiben - kämen ALMS-Einsätze dann auch für dich infrage?
Neel Jani: Wenn ich bei Rebellion bleibe, muss es für mich nicht nur die WEC sein. Da haben wir in der vergangenen Saison das Maximum herausgeholt. Sebring, Laguna Seca und Long Beach haben auch ihren Anreiz. Mein Ziel wäre aber eher, nicht alle ALMS-Rennen zu bestreiten, sondern nur ausgewählte Events.


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