Von den Zahlen her ist Rossi ganz vorn., Foto: Gauloises Racing
Von den Zahlen her ist Rossi ganz vorn., Foto: Gauloises Racing

Valentino Rossi hat dieses Jahr also seinen neunten WM-Titel geholt. Und wieder einmal überschlagen sich alle, dass er der beste, größte und vollkommenste Motorradrennfahrer der Welt und Geschichte ist. Doch muss dies immer an Zahlen gemessen werden? Sicher gibt es viele Rossi-Fans, die ob des Erfolges seine Fans wurden. Gab es ja bei Michael Schumacher auch. Doch kann man einen epochenübergreifenden Vergleich tatsächlich anstellen? Jemanden zum Größten aller Zeiten titulieren?

Sicher, die Leistungen Rossis sind gigantisch und ihm scheint es egal zu sein, welches Konzept und Motorrad er unter dem Hintern hat. Viele schwören darauf, dass er auch auf Suzuki, Ducati oder Kawasaki Weltmeister werden könnte oder konnte. Doch solange er das nicht ist, ist nichts bewiesen. Womit aber nicht gesagt sei, dass er es nicht könnte. Schwer würde es sicher. Und jünger wird er auch nicht mehr.

Grund die Leistungen anderer Piloten schwach zu reden oder zu vergessen ist dies aber noch lange keiner. Über das Jahr hinweg wurden auf der offiziellen Website der MotoGP Classic-Videos eingestellt und promotet. Die alten Schinken, die Highlight-Rennen seit 1992. Doch erst jetzt, mit Ende der Saison, ist einmal Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen und sich diese alten Werke einmal zu Gemüte zu führen. Unweigerlich schweift man dann auch weiter ab, zu noch älteren Zeiten. Und wenn ich persönlich mir dann die Rennen aus den 80er und 90er Jahren anschaue, wie ein Kevin Schwantz und ein Wayne Rainey ihre 500er quälten, rutschten, ans Limit prügelten, dann frage ich mich, ob Rossi wirklich besser als die Helden dieser Ära war. Klar war er auch auf der 500er Weltmeister und nachweisen kann man es eh nicht mehr, da das direkte Duell nicht mehr geht. Aber spektakulärer waren die Kämpfe alle Male.

Kevin Schwantz, 500ccm-Weltmeister 1993., Foto: Rizla Suzuki
Kevin Schwantz, 500ccm-Weltmeister 1993., Foto: Rizla Suzuki

Damals gab es auch gleich mehrere Fahrer, die sich ebenbürtig waren. Oder die vielleicht besser waren, als der Andere, dafür aber mit Wahnsinn das schlechtere Material wettmachen mussten. Erst mit dem Australier Mick Doohan kam ab 1994 wieder eine Epoche absoluter Dominanz. Zuvor kämpften immer mehrere Fahrer bis zum Schluss um den Titel. In der Saison 1993 gewannen noch sieben verschiedene Piloten Grands Prix - Kevin Schwantz, Wayne Rainey, Darryl Beattie, Mick Doohan, Luca Cadalora, John Kocinski und Alex Barros. Eine WM, die erst im letzten Rennen entschieden wurde, gab es vor 2006 - als es bei Rossi weniger lief - zuletzt 1992 zwischen Rainey und Doohan. Und auch davor war es fast immer knapp.

Man kann weder die Zeit aufhalten, noch sie zurückdrehen. Man kann aber lernen und Änderungen anstreben. 2012 wird man aller Wahrscheinlichkeit nach in der MotoGP zu 1000er Motoren zurückkehren. Viertakt, versteht sich. Und auch wenn jene Rennen sicher zum Großteil spannender waren, als bei den heutigen 800ern, wird es doch nie mehr so wild wie bei den 500ern zugehen. Doch dorthin wird man ganz sicher nicht zurückgehen. Eher kommt der Hybrid- oder Elektromotor und man freut sich noch die nächsten Jahre über DAS eine Überholmanöver in der letzten Kurve Catalunyas von Rossi gegen Jorge Lorenzo. Weißt du noch Barcelona 2009? So wird es heißen. Dann sage ich: Kuck in die 80er und 90er Jahre. Da war das an der Tagesordnung. Zum Beweis ein kleines Video.