Nach der Sommerpause beehren die Formel 1-Protagonisten frisch erholt jenen geschichtsträchtigen Ort, an dem am kommenden Wochenende der erste Grand Prix der Türkei abgehalten wird. Im Fahrerlager des Istanbul Speed Parks stellte sich die Königsklasse mit der traditionellen Donnerstags-Pressekonferenz jenem Land vor, das in letzter Zeit immer wieder von zerstörerischen und tödlichen Terror-Attacken heimgesucht wurde. Ein Land jedenfalls, das politisch nicht unumstritten ist.

Doch dieses Thema wird ausgespart - wenn die Formel 1 nach Istanbul kommt, dann gibt es dort keinen Terror und auch keine Unterdrückung zu beklagen, sondern vor allem eine großartige Anlage zu bewundern - eine Rennstrecke, welche die Formel 1-Piloten geradezu verzückt. Und es ist egal, ob man Felipe Massa, Rubens Barrichello, Christian Klien, Robert Doornbos oder WM-Leader Fernando Alonso fragt - alle sind von der Strecke in natura hellauf begeistert. Die Berg- und Talbahn offeriert erst leibhaftig ihren Charme - auf dem Bildschirm des Computerspiels ist das Gefälle nicht so deutlich auszumachen.

Technisch gesehen sprechen die fünf Piloten einhellig von einer "komplexen Strecke", einer Mischung aus "Medium- und High-Downforce". Interessant würden auch jene Kurven sein, deren Scheitelpunkte aufgrund des Gefälles optisch nicht auszumachen sind. Und es würde auch Überholmöglichkeiten geben, sagt Barrichello, aber wie jede neue Strecke wäre auch der ISP am Beginn "dirty". Fernando Alonso fügt später hinzu, dass "es heute eben schwierig ist, zu überholen. Sicher gibt es breitere Strecken. Aber man hat in jeder Runde nur eine oder maximal zwei Überholmöglichkeiten..."

Christian Klien wusste nicht, woher der Brummschädel kommt., Foto: Sutton
Christian Klien wusste nicht, woher der Brummschädel kommt., Foto: Sutton

Für Rookie Robert Doornbos war der Minardi-Tag in Rotterdam etwas Besonders, Doornbos fühlte sich "wie Michael Jackson", was den Bekanntheitsgrad betrifft. Nicht als Michael Jackson, sondern mit Brummschädel erwachte Christian Klien am Tag nach dem Ungarn-GP: "Ich wusste nicht, ob die Kopfschmerzen vom Überschlag oder von der Party am Abend herrührten..." Klien freut sich naturgemäß darüber, dass er noch zwei Rennen fahren darf. "Ich möchte dem Red Bull Team aber auch allen anderen F1-Teams zeigen, dass ich ein guter Pilot bin", sagt Klien. Er würde zwar sehr gerne bei RBR bleiben, er sei schließlich schon seit neun Jahren bei den roten Bullen dabei, doch im Endeffekt wolle er 2006 natürlich Rennen fahren.

Bitte schön. Danke schön.

Felipe Massa konnte diesbezüglich Ferrari überzeugen, er ersetzt 2006 die langjährige "Nr.1B" Rubens Barrichello. Massa ist naturgemäß "sehr happy", bedankt sich für die Möglichkeit. Ebenso nachvollziehbar ist, dass Fernando Alonso nach seiner Nullnummer in Budapest "ein bisschen enttäuscht" war. Und natürlich ist Alonso für die Zukunft zuversichtlich...

Rubens Barrichello durfte sich ebenfalls ausgiebig bei der Scuderia bedanken. Jean Todt sei ihm sehr entgegen gekommen und habe den Wechsel zu British American Racing ermöglicht. Und B·A·R-Honda sei natürlich ein super Team, offenbarte Barrichello. Motiviert, und so weiter.

From the floor ist ein brasilianischer Journalist ein bisschen böse, weil Ferrari dem Felipe bis auf eine Ausnahme verbot, mit den brasilianischen Medien zu sprechen. Doch Massa hat schon viel gelernt in der Formel 1 und beruhigt die Lage mit den üblichen Dingen: I am Brazilian. I love my country. Und so fort.

Rubens Barrichello würde, wäre er jünger, wie Massa handeln - und Ferrari 2005 sei anders als Ferrari 2000. Man sei nun offener in Maranello, man sei auch gerechter im Umgang mit den Piloten. Barrichello: "Die meisten Leute glauben, Österreich 2002 sei mein persönlicher Tiefpunkt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das war damals eine Chance, Dinge zu ändern. Die Leute sahen, dass ich aus eigener Kraft schnell genug bin. Das war ein Wendepunkt in meiner Karriere."

Am Ende der PK sagt Massa noch, dass in seinem Vertrag nicht von einem Nr.2-Piloten die Rede sei. Worauf Barrichello einstreut: "Das stand bei mir auch nicht." Gelächter. Vor diesem Höhepunkt an Unterhaltsamkeit wurden die Piloten gefragt, ob sie sich freuen würden, nach der Pause wieder ins Auto zu steigen. Was die Piloten wohl geantwortet haben? Dreimal darf geraten werden.

Von der Türkei als Land, in dem dieser Zirkus ja immerhin zum ersten Mal gastiert, oder gar von einer politischen Situation oder ähnlichen nahe liegenden Themen wurde bei dieser ersten offiziellen Pressekonferenz der "Königsklasse" kein Wort gesprochen. Aber auch das ist nichts Neues - wie sagte schon Michael Schumacher bei der ersten PK auf dem legendären USA-Speedway in Indianapolis, im Jahr 2000: "Das hier ist ein Rennen wie jedes andere auch..."