Romain Grosjean hat zwar die beste Ausgangsposition für das vorletzte Saisonrennen der Formel 3 EuroSerie in Hockenheim, doch auf die leichte Schulter sollte der Franzose den Lauf am Samstagmittag nicht nehmen. Hinter ihm stehen gleich vier Piloten, die das Rennen am liebsten vor ihm beenden würden.

Einer von ihnen muss das Rennen sogar vor dem Tabellenführer beenden, wenn er seine Chance in der Meisterschaft bis zum letzten Rennen wahren will. Sébastien Buemi wird von Startplatz fünf starten. Der Schweizer muss vier Punkte auf Grosjean gutmachen, sonst ist der Titelkampf schon vor dem großen Finale am Sonntag entschieden. "Wir haben alles gegeben, das war aber leider nicht genug. Nun müssen wir uns die Daten anschauen, vielleicht finden wir noch etwas Zeit", meinte der Mücke-Pilot nach dem Qualifying im Gespräch mit motorsport-magazin.com. "Leider sind wir noch etwas zu langsam."

Hoffnung macht Buemi die lange Gerade. "Auf dem Hockenheimring kann man überholen." Die beste Stelle dafür ist natürlich die Anbremszone zur Haarnadelkurve, "aber dafür muss man schnell genug sein und das ist noch nicht der Fall", so Buemi. Trotzdem will er alles geben, denn rechnerisch ist noch lange nichts entschieden.

Direkt vor Sébastien Buemi wird Kamui Kobayashi ins Rennen gehen. Der Japaner ist einer von drei Teamkollegen Grosjeans. Aber Kobayashi stellt schon einen Tag vor dem Rennen klar: "Ich fahre mein eigenes Rennen und will selber nach vorne kommen. Um Sébastien kümmere ich mich gar nicht." Unfaire Blockade-Aktionen hat der Titelkandidat also nicht zu befürchten. Den Weg frei machen wird ihm Kobayashi aber auch nicht.

Yelmer Buurman muss keine Rücksicht auf Teamkollegen nehmen, Foto: F3 EuroSerie
Yelmer Buurman muss keine Rücksicht auf Teamkollegen nehmen, Foto: F3 EuroSerie

Yelmer Buurman, der sich den dritten Startplatz sicherte, fährt für Manor Motorsport. Somit stellt sich bei ihm gar nicht die Frage, ob er jemandem außer sich selbst hilft. "Das ist eine gute Ausgangsposition für das Rennen. Hoffentlich können wir uns auf dem Podium halten oder sogar noch Plätze gewinnen", berichtet der Niederländer. Angst vor der engen Haarnadelkurve hat Buurman keine. "Wenn ich einen guten Start habe und hinter Nico bleibe, kann ich mich in seinem Windschatten heransaugen. Aber er kann das gleiche bei Romain machen. Daher sollte sich nicht viel ändern." Pikantes Detail am Rande: In der Qualifikation war Grosjean auf der Geraden fünf km/h langsamer als Kobayashi. Selbst Hülkenberg und Buurman hatten einen höheren Topspeed. Vielleicht ändert sich auf dem Weg zur dritten Kurve doch noch etwas.

Das würde Nico Hülkenberg gefallen. Der schnellste Deutsche in der EuroSerie knüpfte mit dem zweiten Platz an die guten Leistungen der vergangenen Rennwochenenden an. Trotzdem war er nicht ganz zufrieden mit dem Ausgang des Zeittrainings. "Ich bin hierher gekommen um Erster zu sein. Ich habe alles gegeben und eine gute Runde erwischt, leider hat es nicht für die Pole gereicht", berichtete der ASM-Fahrer. Im Rennen wolle er weder Romain noch Sébastien helfen, so Hülkenberg weiter. "Ich will selber gewinnen. Von Platz zwei ist alles drin. Da vorne alle den selben Speed haben, wird es ein enges und interessantes Rennen."