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Formel 3 EM - Interview - Sven Müller

Einmal Macau und zurück

Sven Müller hatte einen guten Einstand in der Formel 3 Euro Serie. Mit Motorsport-Magazin.com unterhält er sich über seinen Aufstieg, Sponsorensuche und Macau.
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Motorsport-Magazin.com - Sven, Platz sechs in der abgelaufenen Saison der Formel 3 Euro Serie und dein erster Start in Macau - wie fällt dein Fazit zu 2012 aus?
Sven Müller: Mit der Saison bin ich zufrieden. Mit der Doppel-Pole in Zandvoort, einigen Podiumsplatzierungen und dem Sieg beim Finale in Hockenheim konnte ich Highlights bei meinem Debüt in der Formel 3 Euro Serie setzen. Leider fiel ich ein paar Mal aus, sonst wäre sicherlich noch mehr drin gewesen. Es war mein großes Ziel, in meiner Rookie-Saison ein Rennen zu gewinnen und das klappte dann ja auch.

Pascal Wehrlein wurde 2011 Meister im ADAC Formel Masters vor dir. Fühltest du dich schon bereit für den Aufstieg in die Formel 3?
Sven Müller: Ich denke nicht, dass man die Meisterschaft gewinnen muss, um in der Formel 3 Euro Serie konkurrenzfähig zu sein. Ich war zwei Jahre lang im ADAC Formel Masters unterwegs und gewann in meiner zweiten Saison fünf Rennen. Am Ende wurde Pascal zwar Meister, aber es hätte auch ein anderer Fahrer sein können. Ich hatte nicht das Gefühl, dass mir noch ein weiteres Jahr im ADAC Formel Masters bei meiner Karriere geholfen hätte.

Teilweise ging es dort schon fast kriminell zu, man wurde häufiger eiskalt von der Strecke abgedrängt.
Sven Müller

Wie groß ist der Unterschied zwischen dem ADAC Formel Masters und der Formel 3 Euro Serie?
Sven Müller: Während das Niveau der Fahrer in der Formel 3 Euro Serie schon sehr hoch ist, musste man im ADAC Formel Masters mit der Unerfahrenheit der anderen Piloten rechnen. Teilweise ging es dort schon fast kriminell zu, man wurde häufiger eiskalt von der Strecke abgedrängt. Der Grund ist klar: Die Jungs sind es aus dem Kartsport gewohnt, hier und da einmal anzuecken und müssen den Umgang mit dem Formelauto erst erlernen. In der Euro Serie geht es wesentlich professioneller zu. Der Schritt vom ADAC Formel Masters in die F3 war riesengroß - auch abseits der Rennstrecke mit dem neuen DTM-Umfeld.

In der Euro Serie bekamst du ein Cockpit beim Top-Team Prema. Wie kam es dazu?
Sven Müller: Wir hatten uns bei Prema für ein Cockpit beworben, außerdem lagen andere Angebote von Teams vor. Mit dem Prema Powerteam absolvierte ich dann einige Testtage. Das Team war zufrieden mit mir und auch ich hatte ein gutes Gefühl bei der Sache. Das Zusammenspiel mit den Ingenieuren und Mechanikern klappte auf Anhieb gut.

Sven Müller fuhr 2012 für Top-Team Prema - Foto: Formula 3 Euro Series

Ist es wichtig, direkt bei einem starken Team einzusteigen?
Sven Müller: Ja, denn vor allem die Zusammenarbeit mit deinem Ingenieur ist sehr wichtig. Du lernst hier die Basis für den weiteren Karriereweg und wenn du kein sehr gutes Verhältnis zu den Teammitgliedern hast, kann das schaden.

Hast du dich an den Rennwochenenden mit deinen Prema-Teamkollegen ausgetauscht?
Sven Müller: Mit dem einen mehr, dem anderen weniger - aber wir waren ein Team und das Ziel lautete, dass wir alle so weit wie möglich nach vorn fahren. Als Rookie habe ich meine erfahrenen Kollegen nach Tipps gefragt und war dankbar für Hinweise. Daniel Juncadella gab mir immer wieder Tipps, beispielsweise auf Rennstrecken, die ich vorher noch nicht kannte. So konnte ich mich besser auf die Rennen einstellen. Mit Konkurrenzkampf hatte das nichts zu tun.

Beschreibe bitte einmal ein paar deiner Eindrücke aus Macau.
Sven Müller: Nach dem langen Flug war mir erst richtig bewusst, wie weit Macau eigentlich von Deutschland entfernt ist! Die Strecke dort ist unglaublich, du fährst mit extrem hohen Geschwindigkeiten ganz nah an den Streckenbegrenzungen vorbei, das kenne ich höchstens noch aus Pau. Aber in Macau sind die Geschwindigkeiten einfach noch viel beeindruckender. Im Training tastete ich mich langsam an die Gegebenheiten heran, um dann im Zeittraining voll pushen zu können. Immer wieder knallten andere Fahrer in die Mauer und so war es ein Glückspiel, ob man eine freie Runde hatte. Beim Rennen am Sonntag fühlte ich mich fast wie in der Formel 1: so viele Fans, das Prozedere vor dem Start und alles drum herum. Das war richtiges Formel-1-Feeling.

An der Niederlage selbst kann man leider nicht so viel ändern, aber ich suche die Fehler bei mir.
Sven Müller

Dein Rennen ging allerdings nicht allzu positiv los...
Sven Müller: Ich startete von Position 17, doch leider würgte ich beim Start den Motor ab. Ich fuhr zwar nach vorn, doch ein Reifenschaden hinten links warf mich weit zurück. Im zweiten Lauf musste ich von hinten starten und beendete das Rennen als 17.

Bist du zufrieden mit deinem Macau-Debüt?
Sven Müller: Eigentlich schon. Mir war klar, dass es dort sehr schwierig werden würde, weit nach vorn zu fahren. Da waren absolute Top-Fahrer aus der GP2 und der Renault World Series am Start und die hatten viel mehr Erfahrung als ich.

Bislang ging es in deiner Motorsportkarriere stetig aufwärts. Wie gehst du eigentlich mit Niederlagen um?
Sven Müller: An der Niederlage selbst kann man leider nicht so viel ändern, aber ich suche die Fehler bei mir. Die schreibe ich mir dann auf und versuche es beim nächsten Mal besser zu machen.

Wie geht es bei dir in der anstehenden Saison weiter?
Sven Müller: Ich möchte auf jeden Fall wieder in der Formel 3 fahren. Es ist aber noch nicht klar, bei welchem Team das sein wird. Die Stärke des Fahrerfeldes in der neuen Formel 3 EM ist noch unbekannt, aber mein Ziel lautet, so viele Rennen wie möglich zu gewinnen, auf mich aufmerksam zu machen und natürlich am liebsten die Meisterschaft zu gewinnen.

Sven stieg aus dem ADAC Formel Masters in die F3 auf - Foto: Formula 3 Euro Series

Die Formel 3 ist sehr teuer. Inwieweit bist du in die Sponsorensuche eingebunden?
Sven Müller: Ich habe einen Investor und das ist seit drei Jahren meine große Unterstützung. Der finanziert meine bisherige Karriere im Motorsport und dafür bin ich natürlich sehr dankbar. Es handelt sich hier um einen Privatmann, der mich auf meinem Weg unterstützen möchte, weil ich von Zuhause aus einfach nicht die finanziellen Möglichkeiten für eine Karriere im Motorsport habe.

Dein Vater übernimmt das Management für dich...
Sven Müller: Ja, er ist Vater und Manager in einer Person. Er war früher selbst Rennfahrer, unter anderem in Markenpokalen und der VLN. Er begleitet mich bei allen Rennen und Tests, hält sich dabei aber komplett zurück. Das Zusammenspiel bei uns funktioniert sehr gut.

Findest du es sinnvoll, dass selbst junge Kartfahrer schon Manager haben?
Sven Müller: Nein, das ist in meinen Augen Unsinn. Vielleicht, wenn es sich um das absolute Super-Talent handelt, sonst ist das nicht nötig. Ein Management braucht man erst in den höheren Klassen und auch für mich war das bis vor kurzem eher Neuland.


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