DTM - Ungar-Abgang: Einschnitt war notwendig

Kaum Perspektiven für die Saison 2014

Der Abgang Gerhard Ungars als Vorstandsvorsitzender bei HWA schlägt in der DTM hohe Wellen. Lob für Verdienste gibt es en masse, jedoch ebenso kritische Töne.
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Motorsport-Magazin.com - Nach dem desaströsen Saisonstart Mercedes' in Hockenheim sowie der mangelnden Erfolgsperspektive für die nähere Zukunft zog Gerhard Ungar vor rund einer Woche für viele überraschend einen Schlussstrich unter sein 26-jähriges Engagement in der DTM. 170 Siege in 364 Rennen, 10 Fahrertitel sowie 9 Herstellertitel hatte er in der DTM/ITC für Mercedes mitzuverantworten, jedoch lief die 'Sternenflotte' in der jüngsten Vergangenheit der Konkurrenz von Audi und DTM immer deutlicher hinterher.

Für Ex-DTM-Pilot und Motorsport-Magazin.com-Experte Manuel Reuter ist der Abgang eines der Tourenwagen zwar einerseits überraschend, andererseits sieht er die Notwendigkeit hinter einem klaren Schnitt im Lager Mercedes': "Wir müssen nicht drüber reden, was er alles für Mercedes getan hat, denn er hatte in den zwanzig Jahren dort riesige Erfolge. Allerdings muss man auch sagen, dass er irgendwann den richtigen Zeitpunkt verpasst hat, als er noch vorne stand, sich anzupassen und weiterzuentwickeln".

Er hat irgendwann den richtigen Zeitpunkt verpasst hat, als er noch vorne stand, sich anzupassen und weiterzuentwickeln
Manuel Reuter

Vor allem die Struktur bei HWA, wonach Ungar in nahezu sämtlichen Bereichen involviert oder gar hauptverantwortlich war, habe letztlich den Abwärtstrend des DTM-Projekts mit besiegelt. "Ungar war ja wirklich für alles verantwortlich", führt Reuter weiter aus. "Von Setup, über Strategie, über Controlling bis hin zu Entwicklung lief quasi alles über ihn und das reicht dann halt gegen Audi und BMW nicht mehr. Da brauchst du deine Spezialisten und du musst ihnen die Freiheit geben. die brauchst du eben für ein siegfähiges Paket und das war bei Mercedes in den letzten Jahren einfach nicht gegeben."

Dass Mercedes nun trotz des Wegfalls der respektierten und gewichtigen 'Instituation' Ungar durch eine lange Dürreperiode gehen muss, glaubt Reuter nicht. "Das Jahr wird für Mercedes auf jeden Fall schwierig, aber Toto Wolff weiß, wie man Strukturen neu aufstellen muss - und das wird auch passieren. Sie haben kompromisslos gehandelt und das war sicher der richtige Schritt."

Außer Pascal Wehrlein schaffte es in Oschersleben kein weiterer Mercedes unter die Top-10 der Qualifikation - Foto: Mercedes Benz

Piloten loben Ungar - Einschnitt dennoch notwendig

Mercedes-Urgestein Gary Paffett hat viele positive Erinnerungen an Ungar, weiß jedoch um die Wichtigkeit für Mercedes, einen Umbruch zu starten: "Ich habe unter ihm über 100 Rennen gemacht und viele Siege und auch Meistertitel unter ihm gefeiert, weswegen er eine sehr wichtige Person für mich bleiben wird". Obwohl Mercedes ein langer Weg zurück zum Erfolg bevorsteht, verteidigt er den eingeschlagenen Weg: "Er war ein unglaublicher Ingenieur und auch Chef aber wir waren einfach in jüngster Vergangenheit nicht erfolgreich genug und es musste ja etwas passieren. Das geht jetzt sicher nicht über Nacht und ohne ihn müssen wir ein großes Loch füllen, aber das ist jetzt nun einmal der Weg, den wir gehen werden."

Er war ein unglaublicher Ingenieur und auch Chef aber wir waren einfach in jüngster Vergangenheit nicht erfolgreich genug und es musste ja etwas passieren
Gary Paffett

Christian Vietoris, lobt zwar ebenfalls die Arbeit des Ex-Chefs, steht der Trennung jedoch nicht kritisch gegenüber: "Für mich war bisher am Wochenende nicht besonders viel anders, aber natürlich war nicht alles, was Gerhard gemacht hat, falsch. Es gibt daher nicht viel Grund, ganz große Dinge zu ändern." So sei es zwar klar, dass bei HWA nun eine Umstrukturierung im Gange ist, jedoch könne diese in Oschersleben logischerweise noch nicht greifen. "Es dauert eine Zeit, bis der Laden neu aufgestellt ist, aber ich glaube, dass es gut wird und in mittel- bis langfristiger Zeit könnte Mercedes sogar wieder der 'place to be' sein."

Nachfolger steht noch nicht bereit

Medienberichten zufolge, wonach mit Axel Randorf bereits ein Nachfolger bereitstünde, wies Mercedes auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com als unwahr zurück. So solle die Zukunftsplanung in Ruhe in näherer Zukunft getroffen werden. Auch Wolfgang Schattling, DTM-Leiter bei Mercedes, deutete mit seinen Aussagen am Samstag an, dass ein Nachfolger noch nicht bereitstünde. "HWA ist eine AG und der Aufsichtsrat bestimmt da, wer Vorstandvorsitzender ist. Nach dem Aktienrecht muss eine Entscheidung sofort veröffentlicht werden, wenn sie gefällt wird, von daher ist bislang sicher noch nichts entschieden."


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