24 h Nürburgring - Wechselbad der Gefühle für Frikadelli

Schnellster Porsche des Feldes

Für das Frikadelli Racing Team war das 24-Stunden-Rennen ein Wechselbad der Gefühle. Eine technischer Defekt kostete ein Top-Resultat beim Klassiker.

Motorsport-Magazin.com - Zweifellos ist das ADAC Zurich 24h-Rennen der Saisonhöhepunkt für die private Porsche Mannschaft "Frikadelli-Racing" aus dem beschaulichen Barweiler. Nur einmal im Jahr geht die heiße Schlacht zweimal rund um die Uhr über eine ganz besondere Streckenkombination des Nürburgrings, welche in dieser Variante aus legendärer Nordschleife in Verbindung mit der Grand Prix Strecke über 25 Kilometer lang ist.

Eine besondere Herausforderung für die Lokalmatadoren ist hierbei vor allem das Messen gegen die ganz großen Namen im Starterfeld, denn beim 24h Rennen fährt nahezu alles mit, was in der internationalen Tourenwagenszene Rang und Namen hat. Um in diesem Jahr ganz vorne mitmischen zu können, brachte Teamchef Klaus Abbelen eine geradezu spektakuläre Fahrertruppe zusammen.

Der Frikadelli-Porsche schwamm über die Nordschleife - Foto: Patrick Funk

Neben Ihm selbst griffen nämlich die schnellste Frau vom Ring, Sabine Schmitz, vierfacher Porsche Supercup Champion Patrick Huisman und Porsche Werkspilot Patrick Pilet ins Lenkrad. Als Einsatzfahrzeug diente in diesem Jahr ebenfalls ein besonders potentes Arbeitsgerät, der neue Porsche GT3 R, welcher erst in dieser Saison neu angeschafft wurde.

Aufgrund der besonderen Regularien beim 24-Stunden-Rennen waren die ersten Trainingssitzungen für das Team recht entspannt. Durch die erste Pole Position des Jahres in der VLN Langstreckenmeisterschaft hatte sich Frikadelli-Racing bereits automatisch für das große Top 40 Qualifying der schnellsten Fahrzeuge im Feld qualifiziert. Wurden also in den ersten Trainings nur die Pflichtrunden abgespult und die letzten Feinheiten am Einsatzfahrzeug justiert, so sollte es erst am Samstagabend zum besagten "Top 40"-Event spannend werden.

Frikadelli im Top-40-Qualifying

Für dieses aufregende Spektakel hat jedes der 40 schnellsten Autos die Möglichkeit, bei nahezu freier Strecke zwei möglichst schnelle Runden auf den Asphalt zu brennen. Für die Barweiler Mannschaft war es Patrick Huisman, der den Porsche pilotieren sollte. Bereits die erste fliegende Runde war vielversprechend und brachte das Team weit nach vorne, doch das Auto zeigte für die zweite Runde noch Leistungsreserven. Patrick gaste noch einmal ordentlich an, lief allerdings im Galgenkopf, der letzten Kurve vor der langen Gerade, auf einen Vordermann auf. Damit war keine Verbesserung mehr möglich und mit einer 8:23.526 aus der ersten Runde war ein guter 13. Startplatz gesichert.

Der Niederländer war es auch, der den Start des Rennens fahren sollte und so ging das Teilnehmerfeld des 41. 24-Stunden-Rennen am Sonntag pünktlich auf die Reise auf einer noch trockenen Rennstrecke. Doch was geradezu idyllisch begann, sollte für das Team noch nervenaufreibend werden. Von Beginn an übte Huisman Druck auf die Konkurrenten vor ihm aus und verbesserte seine Position bereits in den ersten Runden des Rennens. Der geplante Wechsel auf Patrick Pilet funktionierte perfekt und Pilet setzte die Jagd auf die vorderen Plätze eindrucksvoll fort.

Mittlerweile auf Gesamtrang vier vorgestoßen, meldete der junge Franzose einen technischen Defekt aus dem Streckenabschnitt Tiergarten: Einer der hinteren Stoßdämpfer war gebrochen und erforderte einen ungeplanten Aufenthalt in der Box. Zwar konnte der Fehler direkt lokalisiert und behoben werden, allerdings war auch klar, dass dieses Problem auch auf der anderen Fahrzeugseite auftreten würde. Leider passierte auch genau das schon wenige Runden nach dem ersten Defekt und das Team verlor mit diesen beiden Pannen fast 23 Minuten durch die erforderlichen Reparaturarbeiten.

Als das Auto nach dem zweiten Defekt wieder auf die Strecke geschickt wurde, war das Team auf einen ernüchternden 38. Platz zurück gefallen. Von nun an saß Sabine am Steuer und versuchte alles, um wieder nach vorn zu gelangen. Doch die Wetterbedingungen versprachen nicht nur einen Kampf gegen die Uhr, sondern auch den Kampf gegen die Naturgewalten. Die Barweilerin pilotierte den Porsche durch monsunartige Regenfälle, zusätzlich erschwerte streckenweise Nebel die sowieso schon schlechte Sicht.

Ich habe mich gefühlt wie ein Krabbenfischer in der Beringsee
Sabine Schmitz

"Ich habe mich gefühlt wie ein Krabbenfischer in der Beringsee", kommentierte die sympathische Pilotin später Ihre Fahrt durch das Nass. Auch wenn Sabine durch ihre ambitionierte Fahrweise Platz um Platz gut machte, wurde die Aufholjagd der Frikadellis jäh beendet, denn um 22.45 Uhr entschied sich die Rennleitung für einen Rennabbruch auf unbestimmte Zeit. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Queen vom Ring auf Rang 25 verbessert.

Neun Stunden Rennunterbrechnung

Neun Stunden dauerte es, bis die Wetterverhältnisse einen Neustart des Rennens zuließen. Klaus Abbelen übernahm das Steuer und drehte seine Runden noch immer mit viel Wasser auf der Strecke. Doch auch Klaus machte seine Sache gut und konnte das Auto ohne einen Kratzer bei diesen harten Bedingungen an Patrick Pilet abgeben. Ging Patrick noch mit Regenreifen auf die Strecke, so war der weitere Verlauf des Rennens immer wieder von ein heißer Reifenpoker geprägt, den das Team perfekt verstand und quer durch alle Profilierungen der Michelin Reifenpalette zu jeder Zeit den perfekten Pneu montierte.

So schaffte es das Frikadelli Racing Team, am Ende des Rennens mit extrem wenig Boxenstopps auszukommen und sich dadurch weiter nach vorne zu schieben. Die Fehlerfreien Stints der einzelnen Piloten und perfekt durchgeführte Boxenstopps konnten am Ende aber nicht mehr an die grandiose Platzierung der Anfangsphase anknüpfen. Das Team musste sich am Rennende mit einem 16. Gesamtrang zufriedengeben.

Was ohne den technischen Defekt möglich gewesen wäre, zeigte das Team in Runde 77 mit einer beeindruckenden Rundenzeit von 8:28,874 Minuten. Lediglich zwei anderen Autos im Feld gelang eine noch schnellere Zeit, was die schnellste Frikadelle der Welt zum schnellsten Porsche im Feld machte.

Ganz ohne Preis zog das Team aber nicht wieder von der Rennstrecke ab. Dank dem ADAC und den mit der Veranstaltung verbundenen Stundenpreise konnte das Frikadelli Racing Team den von Fans gestifteten Preis der beliebtesten Fahrer einheimsen. Den Preis nahm Sabine Schmitz gerne persönlich in Empfang, Sie selbst und das komplette Team bedanken sich an dieser Stelle auch noch einmal bei allen Fans und Freunden, die bei den widrigen Bedingungen rund um die Strecke die Daumen gedrückt hielten.

Wir haben gezeigt was in uns steckt. Fahrzeug und Team waren in der Lage ganz vorne mitzufahren
Klaus Abbelen

Klaus Abbelen: "Wir haben gezeigt was in uns steckt. Fahrzeug und Team waren in der Lage ganz vorne mitzufahren. Und dies werden wir in den nächsten Rennen auch zeigen. Natürlich werden wir im nächsten Jahr wieder an diesem Klassiker 24-Stunden-Rennen Nürburgring teilnehmen, und die vordersten Plätze anstreben."

Patrick Huisman: "Wechselhafte Gefühle. Nachdem im Qualfying alles gut lief und auch wenn ich aufgehalten worden bin, hatte ich ein sehr gutes Gefühl fürs Rennen. Das Auto war top vorbereitet wie immer und auch wenn wir im meinem Start Turn zu niedrig waren vom Reifendruck, lief alles recht gut. Wir konnten uns nach vorne Arbeiten und ich übergab das Auto an vierter Position. Nachdem dann bei Pilet zweimal der Dämpfer gebrochen war, war in Bezug auf ein gutes Resultat schon alles gelaufen."

"Auf der andere Seite haben wir sehr viel gelernt bezüglich der Reifen und das gibt mir viel Vertrauen für die nächsten Rennen. Außerdem war es schön zu sehen, dass das Team einen sehr guten Job gemacht hat und bis zum Ende hart gearbeitet hat, um noch das Maximale rauszuholen. Es freut mich auch, dass Klaus in dieser Saison zum ersten Mal Fahrzeit auf trockener Strecke hatte. So konnte er im Schlussturn seine persönlich schnellsten Runden mit dem Auto absolvieren."


Weitere Inhalte:

Facebook
Wir suchen Mitarbeiter
x