Geschafft. Endlich die ersten Punkte im Carrera Cup - und dann gleich fünf davon... damit hätte ich nicht gerechnet; schon gar nicht in Zandvoort, wo ich mich überhaupt nicht einschätzen konnte. Schließlich bin ich dort das letzte Mal im Jahr 2000 in der Formel König gefahren. Das Rennen hat richtig Spaß gemacht. Es ist toll, wenn man sieht, dass es vorwärts geht, dass man an den Vordermann heranfahren kann, schneller ist. Wenn dann noch so ein schönes Ergebnis herausspringt, ist der leichte Ärger über die fehlenden 86 Tausendstel von Nürnberg vergessen - geschenkte Punkte wollte ich gar nicht haben...
Nein, im Ernst: Das motiviert extrem. Es ist eben etwas anderes, wenn ich weiß, ich liege zwischen Platz 10 und 15 und nicht zwischen 20 und 25. Der Abstand zur Spitze ist nicht mehr so groß, auf diesen Positionen lässt es sich viel schöner fahren. Deshalb war das Rennen in Zandvoort für mich sehr wichtig. Vorher wollte ich bei jedem Rennen unbedingt diesen ersten Punkt holen, vielleicht war ich deswegen etwas verkrampft. Eigentlich ging es mir noch nicht einmal um diesen ersten Punkt, ich wollte nur weiter nach vorne. Nicht nur im großen Mittelfeld herumfahren. Das hat jetzt zum ersten Mal funktioniert.

Vielleicht nimmt das diesen unterbewussten Druck von mir, so dass ich mit mehr Leichtigkeit entspannter an die Arbeit herangehen kann. Ich werde mich selbstverständlich genauso anstrengen wie vorher, aber vielleicht läuft es jetzt besser. Auf jeden Fall will ich dieses gute, positive Gefühl in die nächsten Rennen mitnehmen. Denn jetzt weiß ich: es geht. Ich habe mich das ganze Wochenende von Training zu Training gesteigert. Im 1. Training hatte ich noch 2,8 Sekunden Rückstand, das war viel zu viel. Danach ging es immer besser. Im Qualifying habe ich einen Fehler gemacht, aber es war beruhigend zu wissen, dass es besser gegangen wäre. Die Fortschritte waren klar zu sehen, der Trend zeigt nach oben. Das soll so weitergehen, denn man darf sich in diesem Sport niemals zufrieden geben.
Trotzdem: Das erste halbe Jahr im Carrera Cup lief für mich zufrieden stellend. Am Anfang war alles neu, ich konnte mich noch nicht richtig einsortieren. Das hat sich nach dem ersten Rennwochenende in Hockenheim jedoch schnell geklärt. Klar wäre ich gerne etwas früher unter die Top15 gefahren, aber bis auf die beiden Rennen am EuroSpeedway bin ich mit dem ersten Halbjahr happy. Ich habe die Abläufe verinnerlicht, fahre relativ konstante Zeiten, alles in allem eine positive Halbjahresbilanz, besonders weil ich durch die langen Pausen und fehlenden Tests nur wenig im Auto sitzen konnte. Der Zweiwochenrhythmus der ersten Rennen hat mir wesentlich besser gefallen.
So habe ich allerdings nebenbei Zeit für ein paar kleinere Events, wie ein Kart-Nachwuchsförderprogramm der Deutsche Post Speed Academy, welches ich vor Zandvoort besucht habe. Das war einmal etwas ganz anderes, ein wunderschönes Event, bei dem nur das Wetter nicht so angenehm war. Ich habe vorher noch nie jemanden betreut, jemandem gesagt, worauf er achten soll; bislang war ich es immer, die Tipps bekommen hat. Deshalb war das eine schöne Erfahrung.
Wir haben die Kinder in kleine Gruppen aufgeteilt; ich hatte 5 Kiddies, mein Kleinster war gerade einmal 7 Jahre jung, die Älteste 12. Es war lustig und schön zu sehen, wie sie versucht haben, das umzusetzen, was ich ihnen vorher gesagt habe. Es hat riesigen Spaß gemacht und ich habe Christian Menzel gesagt, dass ich auch nächstes Jahr gerne mitmache, wenn er wieder so ein Event organisieren sollte. Ich habe mir von den Kids wohl auch etwas abgeschaut, denn gleich danach hat es ja mit den ersten Punkten geklappt...

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