Eigentlich hätte er sich ja ärgern müssen, dass ihn ein unverschuldeter Zwischenfall am Start in seinem erst zweiten GP2-Rennen einen gut möglichen Podestplatz kostete, doch Bruno Senna ließ sich in Bahrain die Stimmung nicht lange vermiesen. Dass er sich mit einer grandiosen Aufholjagd noch vom 23. und letzten Platz nach der ersten Runde wieder auf Platz 8 hatte nach vorne kämpfen können und dabei eine tolle Show ablieferte, tröstete ihn schnell über das Pech in der ersten Kurve hinweg.

"Ich hatte einen guten Start, habe mit Zuber gekämpft, der hat dabei zu spät gebremst, di Grassi umgedreht - und ich hing dann mitten drin, hatte keinen Platz mehr, irgendwohin auszuweichen." Als er sich aus dem Kuddelmuddel befreit hatte, merkte er, dass die Aufhängung des Arden ziemlich beschädigt war: "Ich dachte erst, ich könnte gar nicht mehr weiter fahren, aber dann kam das Safety-Car, ich bin ganz langsam an die Box gefahren." Die Arden-Mechaniker, die auf der Aufhängung herumspringen, um sie wieder gerade zu biegen, lieferten die Bilder des Tages. "Nicht gerade High-Tech, aber es hat funktioniert", lachte Bruno. "Das Auto war danach wieder einigermaßen in Ordnung. Nicht perfekt, das Lenkrad stand ein bisschen schief, ich musste mich auch beim Bremsen umstellen, konnte nicht mehr so hart in die Eisen steigen, weil das Auto dann instabil wurde, aber es ging."

So gut, dass er nach ein paar Runden, "als ich mich darauf eingestellt und meinen Rhythmus gefunden hatte", zum Teil mit den schnellsten Rundenzeiten überhaupt durchs Feld pflügte. "Das hat erstens riesig Spaß gemacht, wie ich da doch einige Leute überholt habe, außerdem habe ich wieder viel dabei gelernt. Von mir aus hätte das Rennen ruhig noch 20 Runden weiter gehen können, ich war gerade so schön drin, da wäre ich sicher noch ein ganzes Stück nach vorne gekommen. Ich war einerseits so konzentriert, habe andererseits soviel Vergnügen an dem Rennen gehabt, dass ich gar nichts anderes mehr registriert habe. Zum Beispiel habe ich die böse Blase an der Hand, die ich mir gestern geholt habe, überhaupt nicht mehr gespürt. In gewisser Weise war das Rennen sogar schöner als das gestern, wo ich Vierter geworden bin."

Natürlich sei es ein bisschen schade, dass er die Chance auf sein erstes Podium nicht habe nutzen können und am Ende sogar ohne Punkte geblieben war. "Denn wenn ich mit dem leicht krummen Auto diese Zeiten fahren konnte, dann weiß ich, dass unter normalen Umständen der Podestplatz sicher drin gewesen wäre. Aber prinzipiell war es für mich ein sehr gutes erstes Wochenende, wir wissen jetzt, dass wir ein durchaus konkurrenzfähiges Auto haben, dass wir vorne mitfahren können. Das gibt mir schon Sicherheit und Zuversicht, dass es bald weitere Chancen auf Podiumsplätze geben wird, vielleicht ist ja sogar schon ein Sieg im ersten Jahr drin."