Für Christian Vietoris war es eine große Überraschung. Er kam zwar nur auf der siebten Position ins Ziel, durfte sich nach dem Rennen in der Motorsport Arena Oschersleben trotzdem über den Sieg freuen. Gleich eine Vielzahl seiner direkten Konkurrenten kassierten noch während des Rennens eine 30-Sekunden-Strafe wegen Missachtung von gelben Flaggen in der Anfangsphase des zehnten Saisonlaufs.

Anscheinend hielt sich nur Vietoris an das Regelwerk und reduzierte die Geschwindigkeit, wie es von der Rennleitung gewünscht ist. Stefano Coletti, Mika Mäki, Alexander Sims, Jules Bianchi, Jean-Karl Vernay und alle anderen Piloten außer Vietoris und Renger van der Zande. Nach 29 Runden wurde Vietoris letztlich mit 17 Sekunden Vorsprung als Sieger gewertet, obwohl er eigentlich 13 Sekunden langsamer war.

Coletti verließ das Podium vorzeitig, Foto: F3 EuroSeries
Coletti verließ das Podium vorzeitig, Foto: F3 EuroSeries

"In 36 Jahren Motorsport habe ich so etwa noch nicht erlebt. Wir dachten erst, dass die Zeitentabelle spinnt", berichtete Teamchef Peter Mücke im Gespräch mit dem Fernsehsender n-tv. Von den 25 Fahrer haben fast alle eine Zeitstrafe erhalten, nur Vietoris hielt sich an die Regeln - und wurde belohnt. "So hat alles seine Richtigkeit, sonst hätte Christian ja auch einen Nachteil gehabt."

Mit einem Erfolg rückte Vietoris auch näher an den Tabellenführer Bianchi heran, der heute Sechster wurde. Auf der Strecke unterlag der Deutsche jedoch: in Runde sechs musste er Bianchi nach einem knallharten Manöver passieren lassen und durch die Wiese rodeln.

Stefano Coletti, der das Rennen von der zweiten Kurve an anführte, konnte sich über seinen zweiten Platz kaum freuen, denn er überquerte die Ziellinie mit fast zehn Sekunden Vorsprung auf Mika Mäki. Coletti, der schon in Nürnberg mit einem Faustschlag negativ aufgefallen war, verließ die Siegerehrung daraufhin vorzeitig. Die Plätze vier und fünf belegten Alexander Sims und Roberto Merhi.