Motorsport ist eine Wissenschaft für sich. Man kann nicht einfach aus dem einen Auto aussteigen und mit dem anderen alles in Grund und Boden fahren. Das erlebe ich gerade beim Umstieg vom Mini auf den Cup-Porsche. Der größte Unterschied ist die Geschwindigkeit. Beim letzten Rennen in Oschersleben gab es einige sehr anspruchsvolle, lange Kurven, in denen meine Linie noch nicht hundertprozentig gestimmt hat. Ich war oft zu spät auf dem Gas. Aber genau das macht den Unterschied vom Porsche zum Mini und umgekehrt aus: Nicht die Geschwindigkeit an sich ist das Problem, sondern das Vertrauen, dass ich in dieser Kurve wirklich mit so einer Geschwindigkeit fahren kann. Obwohl ich die Strecke schon aus den Vorjahren gut kannte, musste ich sie mit dem neuen Auto quasi neu lernen.

Zum Glück gibt es auch Bereiche, bei denen ich nicht bei Null anfangen muss; zum Beispiel das Setup. Selbst bin ich vor dem Wochenende zwar nur eine Stunde mit einem Porsche in Oschersleben gefahren, aber mein Team hat dort länger getestet und konnte mir so auf Basis meiner Daten aus Hockenheim ein gutes Setup vorgeben. Sie haben meine Fahrweise mit der meiner Teamkollegen verglichen und am Ende mussten wir nicht mehr viel verändern, weil die Abstimmung und das Auto sehr gut waren. Das einzige Problem war, dass ich ab Rennmitte etwas Untersteuern bekam, was aber wohl daran lag, dass ich die Reifen überfahren habe - gerade in den langen 180 Gradkurven. Ich bremse oft noch zu früh, merke dass ich zu langsam bin und rolle dann zu schnell in die Kurven hinein; damit provoziere ich das Untersteuern. Es rührt also nicht von einem Abstimmungsfehler, sondern vom Fahrstil.

Spürbare Veränderung

Steffi muss sich noch an die vielen Möglichkeiten des Porsche gewöhnen., Foto: Steffi Halm
Steffi muss sich noch an die vielen Möglichkeiten des Porsche gewöhnen., Foto: Steffi Halm

Das Setup des Porsche ist eine Welt für sich. Die Einstellmöglichkeiten sind dem Mini gar nicht so unähnlich; wir dürfen zum Beispiel in bestimmten Grenzen den Sturz und die Spur verstellen. Aber der Porsche reagiert auf die Änderungen ganz anders. Über den Mini sagten wir immer: das Auto ist eine Gummikuh. Es ist also sehr weich und eigentlich noch ein Straßenauto. Kleine Veränderungen an der Abstimmung hat man da gar nicht so stark gemerkt, um eine Veränderung festzustellen, musste man schon größere Schritte machen.

Das ist beim Porsche ganz anders. Wenn man hier eine Kleinigkeit ändert, spürt man das sofort beim Fahren. Die Abstimmung ist viel wichtiger und muss viel genauer sein. Natürlich haben wir auch beim Mini die Werte genau eingestellt, aber die Schritte waren viel größer, um eine merkliche Verbesserung zu erhalten. Mit dem Porsche hat man viel mehr Möglichkeiten und wird dazu gezwungen, mit dem Auto zu arbeiten. Denn man kann mit einer schlechten Einstellung viel Zeit verlieren. Klar kann man den Mini auch langsam schrauben, aber beim Porsche sind die Verhältnisse völlig anders. Erst recht wenn alles so eng ist und jede Hundertstel entscheidend sein kann. Wenn man wegen eines nicht optimalen Setups eine Zehntel liegen lässt, sind das schnell einige verlorene Plätze - das ist dann schon ärgerlich.

Härtetest Bremsplatten

Manchmal muss man auch während der Fahrt noch an das Setup denken. Für mich ist das momentan noch eine besondere Herausforderung, weil ich mich als Neuling noch viel mehr konzentrieren muss als ein Routinier. Es strömen wahnsinnig viele Dinge auf einmal auf mich ein, aber aus der Bahn geworfen hat mich das noch nie. Beim Rennen in Oschersleben habe ich mir meinen ersten Bremsplatten eingehandelt. Bis dahin ist mir hin und wieder einmal ein Rad stehen geblieben, aber ich hatte im Rennen noch nie einen richtigen Bremsplatten - das war eine ungewohnte Situation. Vor und hinter mir waren Autos, ich habe mich verbremst, wollte aber keinen Platz verlieren. Also habe ich den Bremsdruck zurückgenommen - das Rad stand aber viel zu lange; es blieb immer wieder an der gleichen Stelle stehen und so wurde der Bremsplatten recht groß.

In dieser Situation wusste ich nicht, was ich dagegen unternehmen sollte. Das einzige was mir einfiel, war die Bremsbalance zu verändern. Das ist etwas, dass man immer wieder macht und auch die einzige Möglichkeit, während der Fahrt etwas am Auto zu verstellen. Ich versuchte Schritt für Schritt etwas zu drehen, aber es hat nichts gebracht. Ich musste die Kurven viel früher anbremsen und habe dabei viel Zeit verloren. Hinterher habe ich mit unserem Chefingenieur Frank Rohwer gesprochen und er meinte, dass man als Fahrer nichts gegen einen Bremsplatten unternehmen könne. Ich habe eben versucht, einen Ausweg zu finden, weil nur zuschauen und langsamer fahren, konnte ich ja auch nicht. Aber es war ein aussichtsloser Kampf.