GP2 - Kolumne - Timo Glock
Beine vertreten in Monaco
Motorsport-Magazin.com - Monaco ist immer etwas Spezielles - der enge Stadtkurs, die vielen Promis, der Glamour und das unvermeidliche Chaos; auf und neben der Strecke. Für mich ist Monaco seit letztem Jahr noch wichtiger geworden. Denn hier ist mein Teamchef Paul Jackson auf mich aufmerksam geworden. Er hat damals mit seinem Team in einzelnen Kurven Zwischenzeiten per Hand gestoppt. Ich war manchmal sogar schneller als Lewis Hamilton, das hat ihn sehr beeindruckt, vor allem weil ich damals noch im Auto von BCN saß.
Ansonsten ist es immer ganz witzig, sich die Beine in Monaco zu vertreten. Das GP2-Fahrerlager liegt eine Viertelstunde Fußmarsch vom F1-Paddock entfernt - dadurch hatte ich zwar einen etwas längeren Weg, andererseits aber auch etwas mehr Ruhe als im Trubel des F1-Fahrerlagers.
Meine PR-Termine für das Team und BMW hielten sich aber noch in Grenzen, so dass alles relativ easy lief und ohne Probleme zu erledigen war. Als Sieger wäre am Sonntag noch ein Termin hinzugekommen: ein Besuch bei Fürst Albert. Den Sieg hätte ich gerne mitgenommen, aber für das Galadinner hätte ich keine Abendgarderobe dabei gehabt - im Champagner bespritzten Rennanzug wäre das wohl weniger gut gewesen...
So weit sollte es ohnehin nicht kommen. Wir hatten den Speed, um in die erste Startreihe zu fahren, das haben wir im Freien Training bewiesen. Im Qualifying kamen jedoch zwei Dinge zusammen: ein Problem mit dem elektronischen Gaspedal und der Verkehr. Im Training habe ich immer eine freie Runde bekommen, aber im Qualifying bekam ich auf dem zweiten Reifensatz keine Chance dazu. Einerseits wegen des Motorschadens von Filippi, andererseits weil mir ständig jemand im Weg stand. Ich musste mehrere Male eine extrem gute Runde abbrechen, weil ein anderer Fahrer vor mir zu langsam fuhr - so habe ich mindestens sieben Zehntel verloren. Vor dem Wochenende haben wir im Fahrermeeting noch extra darüber gesprochen, wie wichtig es hier ist, in die Rückspiegel zu schauen und schnellere Autos vorbeizulassen, aber leider hat es nicht geholfen.
Ich sage ja immer: "In der GP2 ist alles möglich." In Monaco gilt das erst recht. Deshalb konnte ich auch von Startplatz 8 noch auf das Podium vorfahren. Bei fünf Podestplätzen aus fünf Rennen können wir mit dem Saisonauftakt happy sein. Leider hatte ich in fast jedem Rennen mindestens ein Problem. Hier war etwas beschädigt, dort etwas krumm und da ist mir jemand rein gefahren - unter diesen Umständen müssen wir mit dem Abschneiden zufrieden sein. Es hätte mir auch wie meinem Teamkollegen Andi Zuber ergehen können, der mehrmals technische Probleme hatte. Umso wichtiger war der Sieg in Barcelona, weil dieser gezeigt hat, dass es ohne Zwischenfälle möglich ist, zu gewinnen.
Die Probleme an Andis Auto sind auch für mich ein riesen Fragezeichen, denn beim nächsten Mal könnte mir genau das gleiche passieren. Diese Probleme müssen in der langen Sommerpause gelöst werden. Im letzten Jahr kam mir die Pause nach dem ersten Erfolgserlebnis der Saison ungelegen, in diesem Jahr ist es etwas anders. Obwohl Du als Rennfahrer immer heiß darauf bist, schnellstmöglich wieder ins Auto zukommen und Rennen zu fahren. Trotzdem gehe ich nach dem erfolgreichen Saisonstart mit einem ganz anderen, positiven Feeling in die Pause. Wir wissen, dass wir um die Meisterschaft mitfahren können. Jetzt können wir den Auftakt analysieren und herausfinden, wo wir uns noch verbessern müssen. Im Juni stehen uns dafür zwei Testtage in Le Castellet zur Verfügung, die aber nur bedingt hilfreich sein werde, da ich die Aussagekraft von Tests auf dieser Strecke etwas anzweifle. Aber Hauptsache man sitzt mal wieder im Auto und darf damit fahren.
WM-Punkte im 1. Rennen - und das in der F1! Timo ließ bei seinem Debüt für
Jordan einige Augenbrauen hochschnellen. Danach sammelte er Erfahrungen
in der ChampCar und GP2.










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