Manchmal muss es erst Klick machen. Dann versteht man sich, dann funktioniert es, dann läuft alles nach Plan. So war es auch am Samstag in Bahrain, wo sich zwei Deutsche und ein Österreicher auf die Suche nach dem richtigen Klick machten.

Bei Timo Glock klickte es gleich nach dem Start. Zunächst in seinem Kopf: "Ich habe gesehen, dass sich Negrão, Zuber und Lucas di Grassi allesamt nach innen orientierten. Da fiel mir im Auto blitzartig ein: In Melbourne hat doch schon mal einer bewiesen, wie man außen rum überholen kann." Timo probierte es in Bahrain mit seiner eigenen Interpretation und klick war er auf Platz 2.

Dieser war jedoch bald gefährdet. Beim Rausbeschleunigen rammte Alexandre Negrao den iSport-Boliden des Deutschen. Diesmal machte es Knack. Die Autos berührten sich, die Spurstange von Glocks Wagen knackte verdächtig und ab sofort stand das Lenkrad schief. "Der Einschlag muss so hart gewesen sein, dass nicht nur die rechte Spur, wo Negrão mich traf, sondern auch die linke zugegangen ist." Den nächsten Knacks bekam Timo selbst ab: "Durch die abrupte Lenkradbewegung nach dem Treffer muss ich mir auch noch einen Nerv eingeklemmt haben. Jedenfalls hatte ich zunächst ziemliche Schmerzen beim Steuern. Aber irgendwann machte es dann 'Knack', und die Schmerzen waren wieder weg." Es gibt eben einen guten und einen bösen Knacks.

Eigentlich hatte Timo das Rennen nach dem ersten harten Knack schon aufgegeben. "Die Spur war dermaßen krumm, dass das Lenkrad wirklich nach rechts gestanden hat", sagte er im Gespräch mit motorsport-magazin.com. "Zu diesem Zeitpunkt dachte ich nicht, dass ich den Platz noch halten könnte." Aber nach ein paar Runden merkte er, dass sich das Auto noch relativ gut fahren ließ. "Ich konnte Andreas Zuber in Schach halten und versuchte mir einen Vorsprung für meinen Boxenstopp zu erkämpfen. Denn ich wusste: wir müssen vier Räder wechseln, da mein vorderer linker Reifen dreieckig und das Auto fast unfahrbar war."

So sieht das Lenkrad ohne Knack aus., Foto: Sutton
So sieht das Lenkrad ohne Knack aus., Foto: Sutton

Vor dem Boxenstopp klickten vor allem die Gehirne und Taschenrechner des Teams. Am Ende kam man zu der Ansicht: ein Wechsel aller vier Reifen lohnt sich nicht, weil Timo dann hinter Andreas Zuber zurückfallen würde. "Also nahm ich das Risiko auf mich und wechselte nur die hinteren Reifen", beschrieb Timo den nächsten gedanklichen Klick. "Die ersten paar Runden konnte ich mit Filippi noch mithalten, dann haben die Vorderreifen schlapp gemacht. Die krumme Spur tat ihr Übriges. Die letzten 10 Runden habe ich das Auto nur noch über die Distanz gebracht." Aber nach der klick- und knackreichen ersten Runde ist er mit Platz 2 zufrieden.

Sein Teamkollege Andi Zuber ist mit seiner Platzierung sogar sehr zufrieden. "Ich wollte beim ersten Rennen unbedingt in Qualifying und Rennen in die Top5 kommen - das habe ich beides geschafft und sogar einen Podestplatz geholt", freute er sich. Aber auch bei ihm machte es gleich nach dem Start klick und klack: "Ich hatte einen guten Start, in der ersten Kurve war ich dann zwischen zwei Autos eingeklemmt. In der zweiten Kurve hatte ich Glück, weil ich Timo touchiert habe." Knack. "Ich war froh, als die erste Runde vorbei war." Mit dem ramponierten Auto konnte auch er die Pace des Siegers nicht mitgehen. Für das Sprintrennen am Sonntag rechnet er wieder mit einem guten Ergebnis. "Mit einem gesunden Auto geht schon ein bisschen mehr", prophezeite er motorsport-magazin.com. "Da mache ich mir keine Sorgen. Punkte sind morgen mein Ziel, das sollte ich wohl schaffen."

Der größten Knack erlebte Michael Ammermüller - noch dazu einen, von der unliebsamen Sorte. "Der Start war gut, den Boxenstopp haben wir danach gleich am Anfang gemacht, vielleicht ein bisschen zu früh", sagte uns Ammermüller. "Ich hatte von Anfang an Übersteuern, dadurch waren am Ende die Hinterreifen kaputt." Doch das war nicht das größte Problem. "Die letzten vier Runden war Nakajima hinter mir. Er hat mich mit neuen Reifen außen überholt, ich konnte nicht mehr bremsen und bin in ihn reingerutscht." Knack. "Dabei hat es mir das Lenkrad verrissen." Noch mal Knack. "Und das Handgelenk ist etwas verstaucht." Unschöner Knack. Mehr als Platz 10 war mit so vielen bösen Knacks nicht drin.

Aber am Sonntag gibt es ja noch ein Rennen. Darauf freut sich auch Klick- und Knack-Spitzenreiter Timo Glock. "Morgen stehen wir wie heute wieder auf Startplatz 7, lassen wir uns überraschen..." Schließlich muss es nur einmal richtig Klick machen...