Andreas Zuber hat im Motorsport schon einen langen Weg hinter sich, allerdings hat er auch noch so einiges vor sich, denn von der GP2, in der er im kommenden Jahr noch einmal unterwegs sein wird, soll es in die Formel 1 gehen. Der Weg, der ihn bis hierher geführt hat und in die Königsklasse führen soll war aber nicht der, bei dem die Hilfe eines großen Sponsors wie Red Bull alle Hürden auf Knöchelhöhe hinunterschraubt. Andreas Zuber hatte doch das eine oder andere Hindernis zu überwinden.

Im Prinzip ging eigentlich alles ganz normal los in der Motosport-Laufbahn von Andreas Zuber. In einer Interkarthalle, zunächst in Graz, später in seiner Heimatstadt Judenburg, wagte sich der Steirer erstmals auf ein Go-Kart. "Zuerst war das aber nur hobbymäßig. Es hat sich dann aber immer weiterentwickelt und 1998 bin ich dann das erste Rennkart-Rennen gefahren", erinnert sich Zuber gegenüber motorsport-magazin.com zurück. Im gleichen Jahr fuhr er dann noch eine halbe Saison und im darauf folgenden die ganze Saison bei den Rennkarts mit.

Früh ging der Focus Richtung Rennsport, Foto: Sutton
Früh ging der Focus Richtung Rennsport, Foto: Sutton

Für das Jahr 2000 kam dann ein Angebot aus der Formel König womit Zuber den Einstieg in den Formel-Rennsport schaffte. "Da bin ich aber nicht alle Rennen gefahren, sondern nur etwas mehr als die Hälfte der Saison." Danach ging es gleich weiter in die Formel Renault, wo er zwei Saisons unterwegs war. Für den Österreicher waren das wichtige Lehrjahre. "Ich habe in der Formel König und der Formel Renault erst einmal Erfahrungen im Formel-Sport sammeln müssen und habe deswegen auch ein bisschen gebraucht, bis es weiter nach oben gegangen ist", erzählt Zuber.

Doch nicht nur an die neuen Boliden musste sich Zuber gewöhnen, sondern auch an das ganze Umfeld, das immer wichtiger wird, je höher die Klasse ist, in der man fährt. "Man muss sich zu Recht finden. Es dauert zwei bis drei Jahre bis man das ganze Business kennen lernt. Man tut sich natürlich leichter, wenn man ein Red Bull Junior ist, weil man sich dann nicht um die Sponsoren kümmern muss. Da geht es nur um das Rennfahren - du musst fit sein und das wars. Wenn man auf sich alleine gestellt ist, dann muss man schauen, dass man das ganze System kennen lernt; mit Sponsorenpflege und dem ganzen Drum und Dran. Das ist wirklich ein Haufen Arbeit und das lernt man erst."

Trotz dieses Mehraufwands, da er keinen großen Gönner hatte, reifte bei Zuber schon in der Formel Renault der Entschluss, professioneller Rennfahrer zu werden. "Als ich 2002 in der deutschen Formel Renault Meisterschaft den letzten Lauf in Oschersleben vor Christian Klien gewonnen habe, hat mich dann das Team Rosberg für die Formel 3 unter Vertrag genommen. Dort bin ich dann zusammen mit Nico Rosberg in einer Mannschaft gefahren und da ist es mir dann richtig klar geworden. Ich hab mir gedacht, ich will Formel-1-Fahrer werden und alles andere ist mir derweil wurscht", erzählt Zuber von dem Prozess, der aus einem Nachwuchsfahrer einen professionellen Rennfahrer gemacht hat.

Dabei musste er sich auch zwischen Schule und Rennfahren entscheiden. Die Entscheidung fiel auf das Rennfahren, doch auch wenn es anders gekommen wäre, hätte er viel mit Motoren zu tun gehabt: "Ich habe die höhere technische Lehranstalt (HTL) für Maschinenbau besucht, also wäre ich Ingenieur geworden. Mir hat auch nur mehr ein halbes Jahr gefehlt, aber ich musste mich zwischen Sport und Schule entscheiden."

Wie an den beiden oben genannten Wegbegleitern aus den kleineren Formel-Serien zu erkennen ist, hat Zuber unter den aktuellen Formel-1-Piloten schon einige Bekannte. "Der Nico Rosberg ist ein guter Freund von mir. Mit ihm telefoniere ich auch heute noch oft. Den Robert Kubica kenne ich auch gut. Er ist vergangenes Jahr mit mir die World Series (by Renault) gefahren. Der Lewis (Hamilton) ist auch ein guter Freund von mir. Ich kenne also ziemlich viele, die jetzt aufgestiegen sind." Also noch ein Grund mehr, sich auch selbst bis ganz nach oben zu arbeiten.

Bei Trident Racing kam der Sponsor aus Dubai dazu, Foto: Sutton
Bei Trident Racing kam der Sponsor aus Dubai dazu, Foto: Sutton

Doch da kommt dann wieder der Teil zum Rennfahrerdasein dazu, der nur recht wenig mit dem Fahren zu tun hat: das Business. Ohne einen Partner wie Red Bull, musste sich Zuber andere Wege suchen, um vorwärts zu kommen. "Als erstes war da Remus. Wie man so schön sagt, haben die mir die Füße wachsen lassen. Dank deren Hilfe konnte ich mir die Formel König und die Formel Renault finanzieren. Also war es eigentlich deren Schuld, dass ich mit dem Motorsport-Virus infiziert worden bin", sagt Zuber mit einem Lächeln. Doch weitere Engagements erforderten weitere Geldgeber. Also kam ihm sein Vater, oder besser gesagt, der Arbeitgeber seines Vaters zu Hilfe.

"Später ist Dominator Yachts eingestiegen. Das ist eine italienische Werft-Firma, bei der mein Vater arbeitet. Die waren vorher nie so wirklich im Sponsoring tätig und haben mir einmal eine kleine Unterstützung gewährt. Die Firma hat dann aber gleich gemerkt, dass dadurch ein riesiges Echo gekommen ist, weil im Motorsport viele reiche Leute unterwegs sind", sagt Zuber. Doch auch wenn Dominator durch das Zugpferd aus Österreich die Schiffsverkäufe steigern konnte, so reichte das noch immer nicht aus, um genügend Geldmittel für Zubers GP2-Pläne zu Verfügung zu stellen.

Also mussten weitere Geldgeber her. Durch seinen Teamchef bei Trident Racing, Allessandro Alunni Bravi, entstanden Kontakte nach Dubai und zur Al Mufleh Group. Die stieg dann gleich beim ganzen Rennstall ein und sicherte damit das Budget und Zubers GP2-Cockpit. Allerdings war das mit ein paar kleinen Auflagen verbunden. So fährt Zuber jetzt mit einer Lizenz aus Dubai. "Die Al Mufleh Group wünscht sich halt, dass es in Zukunft einen Formel-1-Piloten mit einheimischer Lizenz gibt. Das ist auch klar", erklärt Zuber. Für ihn ist das aber kein Grund, seine österreichische Herkunft zu verneinen. So sagt er: "Ich hab noch einen österreichischen Pass, fühle mich als Österreicher und mein Herz schlägt auch für Österreich. Das hat damit also nichts zu tun. Man kann es sich aussuchen. Entweder fährt man mit österreichischer Lizenz und dann fährt man Kart oder man fährt mit der Dubai-Lizenz und kann GP2 fahren. Man muss halt immer schauen, was diejenigen, die das Geld zur Verfügung stellen wünschen und ihnen ein bisschen entgegenkommen." Für Zuber ist jedenfalls klar, dass er wieder unter österreichischer Lizenz fahren wird, wenn der Sponsor es entweder nicht mehr verlangt, dass er mit einer anderen Lizenz fährt oder wenn dieser Sponsor eben nicht mehr vorhanden ist.

Lewis Hamilton ist einer von Zubers guten Rennsport-Freunden, Foto: Sutton
Lewis Hamilton ist einer von Zubers guten Rennsport-Freunden, Foto: Sutton

Doch im Moment genießt er auch die Vorteile, die mit der Dubai-Connection verbunden sind. Zuber selbst lebt dort und nutzt das warme Klima, um möglichst oft mit seinem Jetski unterwegs zu sein. Doch auch anderweitig ist der Nachwuchspilot sehr sportbegeistert. "Ich mache eigentlich alles gerne. Squash-Spielen oder Tennis, ich bin generell sehr sportlich. Ich Laufe auch gerne oder fahre mit dem Rad.

Im Moment kommt er aber nicht so oft zum Sport, wie er sich das wünscht, da er nach dem Ende der GP2-Saison wieder mit seiner anderen Tätigkeit neben dem Rennfahren beschäftigt ist, der Pflege von Business-Partnern und Sponsoren. Zuber erklärt: "Jetzt habe ich einmal ein Monat nur mit den Sponsoren zu tun und dann kann ich mich wieder um das Sportliche kümmern." Schließlich wollen die Sponsoren ja auch Leistung auf der Strecke sehen, damit sie helfen, weitere Hürden möglichst klein zu halten.