Blancpain GT Serien - Wie die Challenge nach Baku kam

Aserbaidschan und seine kurze Motorsportvergangenheit

Öl-Boom und Motorsport haben in Baku zueinandergefunden. Es wird sich zeigen, ob das Stadtrennen Highspeed-Marketing ist oder Rennsport regional etabliert.
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Motorsport-Magazin.com - Mit dem Finale der FIA-GT-Serie in Aserbaidschan befindet sich ein Land auf der Motorsport-Weltkarte, das gerade einmal zwei Jahre professionell in diesem Bereich aktiv ist. Gerade die Sportwagenszene hatte bei diesem Prozess einen wichtigen Anteil. Für die Ursprünge der sogenannten Baku World Challenge muss man fast zehn Jahre in die Vergangenheit blicken.

Von Bukarest nach Baku

Einzelevents sind im Motorsport rar geworden: Das Formel-3-Masters in Macao hält sich noch, aber das Race of Champions in Brands Hatch für Formel-1-Fahrzeuge gibt es schon seit 1983 nicht mehr. Bei den Sportwagen locken immerhin die langen Distanzen und urigen Strecken nach Bathurst oder Vallelunga. Entsprechend erstaunt war die Motorsportwelt, als 2012 eine GT-Veranstaltung ohne jede Meisterschaftsanbindung auf einem Stadtkurs im aserbaidschanischen Baku für den Spätherbst angekündigt wurde.

Damals verantwortlich für die Durchführung war die City Challenge GmbH unter Hartmut Beyer, die bereits 2007 und 2008 in Bukarest Wochenendveranstaltungen aus Motorsport und Unterhaltung durchgeführt hatte. Aus Kostengründen wurde die für 2009 geplante Ausgabe in der rumänischen Hauptstadt abgesagt - die FIA-GT-Meisterschaft wich auf den Hungaroring in Ungarn aus.

Für die "City Challenge Baku" des Jahres 2012 wurde ein 2,144 Kilometer langer typischer Straßenkurs mit vielen 90-Grad-Kurven um das Regierungsgebäude in kürzester Zeit aufgebaut. Neben dem Hauptrennen der Sportwagen wurden die Fans von Driftern und historischen Formel-1-Wagen unterhalten. Man zählte über 40.000 Besucher beim ersten internationalen Motorsportereignis in der Geschichte Aserbaidschans.

Neue Wege durch die Stadt

Die enge Verbindung von Beyer zu Vita4One Racing sorgte 2012 für fünf Fahrzeuge, die publikumswirksam unter anderem mit Jacques Villeneuve und Jos Verstappen besetzt wurden. Insgesamt standen 24 Fahrzeuge auf der Nennliste, die allesamt per Flugzeug nach Baku befördert wurden. Doch der finanzielle Aufwand schien sich zu lohnen, denn das Event war medial ein Erfolg.

Villeneuve (links) und Verstappen in Baku 2012 - Foto: City Challenge GmbH

Als 2013 Baku als Ort des Finales der FIA-GT-Serie präsentiert wurde, schien es so, als würde es nach dem bewährten Muster des Vorjahres weitergehen. Doch weit gefehlt: Um Beyers GmbH ist es still geworden, sodass ein Team um Jean-François Chaumont, den Leiter des 24-Stunden-Rennens von Spa-Francorchamps, und dem ehemaligen Rennfahrer und jetzigen Luftfahrt- und Motorsportunternehmer Thierry Boutsen das Event organisiert.

Zunächst war die Baku World Challenge des Jahres 2013 als Einladungsevent geplant, bei dem ausgewählte Teams die regulären Teilnehmer der FIA-GT-Serie ergänzen sollten - ein kleines GT3-Weltfinale also. Von den automatischen Einladungen aus anderen GT-Serien haben nur zwei diese angenommen. Die zusätzlichen Starter wie etwa Molitor Racing Systems oder Fortec Motorsport sind einfach auf die Nennliste gerutscht. Boutsen Ginion Racing bringt übrigens auch zwei McLaren nach Baku.

Die Strecke selbst wurde an das Südende der repräsentativen Promenade in die Nähe der neuen Baku Crystal Hall am National Flag Square verlegt und weist mit 4,3 Kilometern eine stattliche Länge auf. Schikanen und Haarnadeln sind nun die vorherrschenden Kurventypen. Dem Rennspektakel wird es wohl keinen Abbruch tun, obwohl die drohenden Reparaturkosten eines Mauerkusses nur schwierig durch die ausgelobten Preisgelder wieder "eingespielt" werden können.

Für wen ist die Baku World Challenge gedacht?

Apropos Geld: Im aufstrebenden Aserbaidschan des anhaltenden Öl-Booms scheinen genug Ressourcen vorhanden zu sein, um internationalen Motorsport an das Kaspische Meer zu bringen. Die Regierung der jungen Nation hatte bereits 2012 versucht, mit dem Eurovision Song Contest positiv auf sich aufmerksam zu machen. Allerdings war mehr über die problematische Rechtsstaatlichkeit und sowie über die erweiterungsbedürftige Bürger- respektive Pressefreiheit zu hören. Das Geld, das in die Baku World Challenge investiert wird, beschert den Motorsportfans zumindest ein Highlight spät im Jahr. Und es leistet wohl - so wie andere mediale Maßnahmen auch - seinen Beitrag zur Schaffung eines positiven Images der Lebensumstände in Aserbaidschan.


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