Die Briten sind schon ein komisches Volk. Nicht nur, dass sie sich strikt vom europäischen Festland abgrenzen. Sie fahren auf der falschen Straßenseite, haben ihr eigenes Geld und glauben immer noch, dass der Ball 1966 hinter der Linie war. Nicht nur geographisch gibt es eine große Schlucht zwischen den Insulanern und dem Rest Europas. Doch es ist jemand gekommen, der sich von allen Hürden nicht abschrecken ließ.

Sein Name: Richard Westbrook. Der smarte Engländer ist seit knapp einem Jahr im Porsche Carrera Cup unterwegs. Jeder weiß, dass er verdammt schnell unterwegs sein kann und dass er im letzten Jahr den Porsche Supercup gewonnen hat. Einige wissen vielleicht auch noch, dass er vor einigen Jahren im britischen Carrera Cup gestartet ist und dort auch Meister wurde. Es liegt auf der Hand - jemand wie Westbrook muss eine glorreiche Motorsportkarriere hinter sich haben. Denkt man vielleicht. Viele Jahre war Richard Westbrook in der Versenkung verschwunden. Es ist an der Zeit, Licht ins dunkle zu bringen.
1975 in London geboren begann bei Richard Westbrook alles nach dem bekannten Prinzip. Nach einigen Jahren im Kart und dem einen oder anderen Titel, wie zum Beispiel der Triumph in der britischen Kartmeisterschaft 1990 stieg Westbrook 1993 zum ersten Mal in einen richtigen Rennwagen. In der Formula First machte der heute 31-jährige seine Rennlizenz, die ersten Erfolge folgten im Winter. Westbrook wurde Vizemeister in der Formula Vauxhall.
1994 bestritt Richard Westbrook seine erste richtige Saison. Im Team von David Lloyd ging er in der Formel Opel EuroSerie an den Start. Schon in der ersten Saison konnte Westbrook ein Rennen für sich entscheiden. In Zandvoort, eine Strecke auf der er auch in diesem Jahr unterwegs sein wird, ließ er die Konkurrenz hinter sich. Gleiches gelang ihm in der darauffolgenden Saison drei Mal. Besonders beeindruckend war das Rennen in Imola. Im strömenden Regen gewann Westbrook mit mehr als 20 Sekunden Vorsprung.
"Wenn man in einem Formelrennwagen fährt und ein wenig Erfolg hat, sind die Ziele klar gesteckt", erzählt Westbrook motorsport-magazin.com. "Man will es an die Spitze schaffen und das ist die Formel 1. Auch ich wollte dahin. Aber so einfach ist das nicht. Es gibt eine Million junger Fahrer, die das schaffen wollen. Doch in der Formel 1 gibt es nur 22 Plätze." Auf dem angestrebten Weg in die Formel 1 startete der schnelle Brite auch in der deutschen Formel 3. Bei einem nicht zur Meisterschaft zählenden Rennen auf dem Hockenheimring konnte er sogar Jarno Trulli und Nick Heidfeld schlagen. Beide fahren heute erfolgreich in der Formel 1, aber was passierte mit Westbrook, wenn er doch ebenbürtig war?
"Ich hatte einfach nicht genügend Geld, um in der Formel 3000 zu starten", so Westbrook über den Anfang vom zwischenzeitlichen Ende der Karriere. "Leider musste ich daraufhin meine Karriere unterbrechen. Das war sehr hart für mich, denn ich wollte unbedingt weitermachen. Im Motorsport braucht man einfach die nötige Unterstützung und die hat mir damals gefehlt." In den kommenden Jahren wurde es ruhig um Westbrook. 1999 absolvierte er noch Testfahrten in einem Formel 3000, doch auch darauf ergab sich nichts. "Motorsport ist hart. Aber als mir das passiert ist, wollte ich es einfach nicht begreifen. Ich war schnell und fand es unfair, das meine Karriere so endete", sagt Westbrook.

Erst 2002 kehrte Westbrook in den Motorsport zurück. Im Racing Team Kadach stieg der spätere Supercup-Meister erstmals in sein fortan langjähriges Arbeitsgerät, den Porsche 911 GT3 Cup. "Mein Comeback war nicht einfach, denn ich saß fast sechs Jahre in keinem Rennauto mehr", berichtet der Brite. "Zunächst dachte ich, dass alles ganz schnell gehen würde, doch dem war nicht so. Es hat ein Jahr gedauert bis ich wieder auf dem Level war wie früher." Hat ein Richard Westbrook, bevor er zum ersten Mal in den Porsche gestiegen ist, an so viele Erfolge gedacht? Die Antwort ist einfach - ja. "Nach dem ersten Rennen war ich dann einer anderen Meinung. Der Porsche ist nicht zu vergleichen mit den Autos, die ich früher fuhr. Ich wusste, dass es hart werden würde. Aber ich bin ein Kämpfer und mir war klar eines Tages zu gewinnen"
Gewonnen hat Westbrook dann richtig schnell. Nach etlichen Rennsiegen in den ersten zwei Jahren wurde er 2004 Meister im britischen Carrera Cup. Den Höhepunkt seiner motorsportlichen Karriere erlebte Westbrook im vergangenen Jahr. In allen Läufen zum Porsche Supercup steht er auf dem Podium und holt sich schon drei Rennen vor dem Saisonende den Meistertitel. Direkt danach sucht er die nächste Herausforderung. Zur Saisonmitte steigt Westbrook in den deutsche Carrera Cup ein. Auch hier fährt der Brite regelmäßig auf das Podest und holt in Zandvoort sogar einen Sieg.
2007 will er die Erfolge aus dem Vorjahr noch toppen. Westbrook startet in allen Rennen zum Carrera Cup und Supercup. Die Ziele sind klar definiert: "Ich werde mein Bestes geben und am Ende werden hoffentlich zwei Meistertitel für mich herausspringen. Es wird nicht einfach, aber das muss meine Zielsetzung sein." Als Teamkollegen hat Richard Westbrook zwei Fahrer, deren Namen ähnlicher nicht klingen könnten. Michael Schrey im Supercup und Michel Frey in der deutschen Meisterschaft. "Ich bin auch ein wenig verwirrt gewesen, als ich die Namen zum ersten Mal gehört habe", gibt Westbrook mit einem Lächeln zu. "Aber sie sind beide sehr, sehr gut und verbessern sich von Runde zu Runde. Ich komme gut mit ihnen aus und helfe wo ich kann, doch manchmal brauchen sie meine Hilfe gar nicht."
Nach den ersten Rennen der Saison ist klargeworden: Richard Westbrook mischt auch in dieser Saison ganz vorne mit. Im Supercup liegt Westbrook nach drei Rennen auf der ersten Position. Im Carrera Cup liegt er nur sechs Punkte hinter dem Spitzenreiter Uwe Alzen. Auch dort könnte er ganz vorne liegen, wenn er nicht unsanft von einem zu überrundenden Fahrer von der Strecke gekegelt worden wäre. "Ich glaube manche Fahrer sollten noch einmal in die Schule gehen und lernen, was blaue Flaggen und Rückspiegel sind", meint Westbrook gegenüber motorsport-magazin.com kritisch.
Diese Tatsache ist nicht das einzige, was ihn am Carrera Cup stört. "Es war ein Desaster für mich, als ich hörte der Carrera Cup kommt nicht nach Brands Hatch", so ein lachender Richard Westbrook. "40 Autos auf dem Indy-Kurs, das wäre unglaublich gewesen. Immerhin gehen wir nach Barcelona und Zandvoort, zwei Strecken die ich ebenfalls sehr mag…"

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