MX/SX

Jago Geerts: MX-Shootingstar im Corona-Lockdown

Die Motocross-Großmacht Belgien hat einen neuen Helden. Jago Geerts mischt 2020 die MX2-Klasse auf. In der Corona-Zwangspause spricht er über den Aufstieg.
von Redaktion Motorsport-Magazin.com

Motorsport-Magazin.com - Rene Baeten aus dem belgischen Herlentals gewann die zweite jemals ausgetragene 500ccm-Weltmeisterschaft 1957. Seither haben belgische Fahrer in 63 Jahren nicht weniger als 48 Titel in allen Klassen geholt. Das elf Millionen Einwohner zählende Land zählt somit zu den größten Nationen in der Geschichte des Motocross-Sports.

Man kann sich also vorstellen, was für ein Raunen durch das Fahrerlager und über die Tribünen schwappte, als der 19-jährige Jago Geerts aus Balen in Belgien den diesjährigen MXGP von Großbritannien in Matterley Basin gewann. Nur eine Woche später stand er in den Niederlanden als Dritter wieder auf dem Podium. Ein Traumstart in die Saison. Zumindest fast.

Jetzt befindet sich Geerts, wie wir alle, zuhause im Lockdown und fragt sich, was er tun soll. Mit etwas Hilfe seines Managers Stefan Geukens haben wir ihn erreicht und erfahren, was sich bei ihm so tut.

Foto: Monster Energy / Ray Archer

Jago, wie geht es dir? Was machst du während des Lockdowns in Belgien?
Jago Geerts: Mir ist ziemlich langweilig. Ich kann nicht wirklich viel trainieren, weil in meinem Plan zwei Wochen Ruhezeit vorgesehen sind. Wir haben ein paar Tage im Garten meines Opas gearbeitet. Jetzt spüre ich, dass wir als Motocross-Profis ein wirklich gutes Leben haben. Wir gehen jeden Tag mit dem Hund spazieren und an den meisten Tagen koche ich. Auf meinem Motorrad bin ich zwei Mal in der Woche nach Valkenswaar gesessen. Dann hat sich die Situation mit dem Coronavirus aber verschärft und wir haben uns zusammen mit dem Team dazu entschieden, vorerst nicht mehr zu fahren. Stattdessen bin ich mit dem Fahrrad unterwegs oder gehe Laufen. Das ist aber kein wirkliches Training. Es geht eher darum, etwas Spaß zu haben.

Bist du in Kontakt mit dem Monster Energy Yamaha Factory MX2 Team und konntet ihr schon weitere Pläne schmieden?
Jago Geerts: Ja, mein Team verfolgt die Entwicklung genau. Wir haben also schon Pläne für die kommenden Wochen.

Du bist mit dem Sieg beim ersten Saisonrennen in Großbritannien super in das Jahr 2020 gestartet. Ihr scheint euch gut vorbereitet zu haben.
Jago Geerts: Ja, ich habe mich in den ersten Rennen wirklich sehr wohlgefühlt auf dem Bike. Uns ist da im Winter ein großer Schritt nach vorne gelungen, auch was meinen körperlichen Zustand und meinen Fahrstil angeht. Unser Gesamtpaket ist also deutlich besser als im Vorjahr. Matterley Basin war aber auch ein komisches Rennen für alle. Wir hatten aufgrund des schlechten Wetters nur eine Trainingssession am Samstag, also war es schwierig, sich an die Strecke zu gewöhnen. Ich habe mich am Sonntag dennoch gut gefühlt. Mein Start im ersten Rennen war nicht der beste, aber ich konnte in den ersten Runden viele Fahrer überholen und war nach 15 Minuten schon Zweiter. Dann ist der Führende gestürzt und plötzlich lag ich an der Spitze und konnte dann auch gewinnen. Im zweiten Lauf habe ich den Holeshot geholt und lag in der zweiten Runde im Kampf um die Führung. Dann bin ich leider ziemlich heftig gestürzt. Ich konnte aber auf Platz zehn weiterfahren, habe mich dann auf P4 nach vorne gekämpft und das war genug für den Gesamtsieg. Damit war ich sehr glücklich, denn ich hatte nicht damit gerechnet.

Foto: Monster Energy / Ray Archer

Valkenswaard liegt nur 30 Minuten von meiner Heimatgemeinde entfernt, also haben mich dort viele Fans und Freunde unterstützt. Ich habe den ersten Lauf mit einem Überholmanöver vier Runden vor Schluss gewonnen. Im zweiten Lauf war mein Start sehr gut, aber ich bin in der zweiten Kurve heftig gestützt. Ich bin dann als Letzter weitergefahren und der Führende hätte mich fast überrundet. Ich konnte aber konstante Rundenzeiten fahren und habe mich wohlgefühlt. Ins Ziel gekommen bin ich als Siebenter, womit ich zufrieden war, denn ich war zu Beginn wirklich weit zurück und es hat für meine zweite Podiumsplatzierung in diesem Jahr gereicht. Mein Saisonstart war also gut und ich hoffe, dass ich so weitermachen kann, wenn die Saison wieder losgeht.

Wie siehst du deine Gegner nach den ersten zwei Rennwochenenden?
Jago Geerts: Das ist schwer zu sagen. Ich möchte mich auf mich selbst konzentrieren, deshalb schaue ich nicht zu sehr auf meine Gegner. Dann fahre ich am besten. Die Saison soll jetzt im Juni in Russland weitergehen, aber niemand weiß genau, wie sich die Situation entwickelt. Wir können nur abwarten. Ich hoffe aber, dass es bald weitergeht. Sonst wird die Saison sehr lang und es ist schwierig, die ganze Zeit gut in Form zu bleiben.

Du hast als erster Belgier seit 2012 einen MXGP gewonnen. In diesem Land liebe die Leute den Motocross-Sport. Hast du schon mehr Aufmerksamkeit von Fans und den Medien gespürt?
Jago Geerts: Ja, natürlich. Belgien hatte in der Vergangenheit schon viele gute Fahrer und Weltmeister, im Moment ist das leider nicht mehr so. Die Regierung hat viele Strecke geschlossen. Es gibt nur noch sechs Kurse in ganz Belgien. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren gute Ergebnisse einfahren kann und Motocross somit wieder populärer wird. Es gibt auch andere gute Talente wie Liam Everts. Die Medien haben jetzt auch mehr Interesse an mir. Mein Manager Stefan Geukens kennt viele Journalisten und Medienunternehmen, also läuft da alles in die richtige Richtung. Es ist wichtig, dass Motocross wieder in die Nachrichten kommt.

Kennst du Stefan Everts? Der war ja auch ein ziemlich guter Rennfahrer...
Jago Geerts: Ja, er ist immer noch der erfolgreichste belgische Motocrosser und einer der besten Fahrer der Geschichte. Persönlich kenne ich ihn nicht wirklich gut, aber ich war ein großer Fan während seiner Karriere. Er hatte so einen tollen Fahrstil. Ich glaube, viele Fahrer beneiden ihn dafür.

Foto: Monster Energy / Ray Archer

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