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Sophia Flörsch im Interview: Im Frauen-Team bei 24h Le Mans?

Startet Sophia Flörsch 2020 bei den legendären 24 Stunden von Le Mans? Die junge Rennfahrerin aus München im Interview mit Motorsport-Magazin.com.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Sophia Flörsch könnte in der Saison 2020 ihr Debüt bei den legendären 24 Stunden von Le Mans geben. Laut internationaler Medienberichte plant das bekannte Signatech-Team zusammen mit dem Uhrenhersteller Richard Mille, in diesem Jahr ein reines Frauen-Team beim Langstrecken-Klassiker sowie in der European Le Mans Series an den Start zu bringen.

Neben Formel-1-Testfahrerin Tatiana Calderon und der früheren DTM-Pilotin Katherine Legge gilt die 19-jährige Nachwuchsfahrerin Flörsch nach Testfahrten als Anwärterin für dieses Projekt. Motorsport-Magazin.com traf die Münchnerin zum Interview.

Sophia, im Dezember vergangenen Jahres hast du einen LMP2-Boliden in Bahrain getestet. Wie kam es dazu?
Sophia Flörsch: Seit einer Weile hat die FIA Women in Motorsport Commission den Plan, ein reines Frauen-Team in einem siegfähigen LMP2-Auto nach Le Mans zu bringen. Im vergangenen Jahr gab es ja schon ein Frauen-Team, das mit einem Ferrari GTE in der ELMS und Le Mans angetreten ist. Daraufhin gab es weitere Gespräche und ich wurde eingeladen, einen Tag lang ein LMP2-Auto zu testen. Ich war bereits zwei Monate davor in Magny-Cours und habe einen LMP3 getestet. Das war das erste Mal, dass ich mit einem Le-Mans-Prototypen in Verbindung gekommen bin und es war supercool.

Sophia Flörsch bei einem Vortrag auf Einladung des Lions Clubs München Mare Nostrum - Foto: Karel Prokes/Lions Club München Mare Nostrum

Was hältst du denn von der Idee, mit einem reinen Frauen-Team anzutreten?
Sophia Flörsch: Das wäre sicherlich eine sehr spannende Sache, wenn es denn so kommt. Ich denke, dass wir alle unsere individuellen Stärken in dieses Projekt einbringen könnten. Da steckt bestimmt eine ganze Menge Potenzial drin. Was aber niemand möchte, ist eine reine Marketing-Nummer. Der Plan wäre, mitzufahren und zu überzeugen, damit es weitergeht. Wenn die Performance stimmt, würde das bestimmt für Schlagzeilen sorgen. Gleichzeitig weiß ich, dass ganz schnell Vorurteile herausgekramt würden, wenn es, egal aus welchem Grund, einmal nicht so gut laufen sollte - selbst, wenn es nicht an der fahrerischen Seite liegt.

Was würde es für dich bedeuten, bei den 24 Stunden von Le Mans anzutreten?
Sophia Flörsch: Das wäre wirklich krass, vor allem in meinem Alter. Ich bin ja erst 19 und kenne bislang vor allem den Formelsport. Als ich zum ersten Mal von dieser Idee gehört habe, war ich sehr begeistert. Ich war noch nie bei den 24 Stunden von Le Mans vor Ort. Ich habe aber den Kinofilm 'Le Mans 66' gesehen und mir ist bewusst, was für ein emotionales Rennen das ist.

Wäre das LMP-Projekt eine Abkehr vom Formelsport?
Sophia Flörsch: Mein Plan ist weiterhin, 2020 in der FIA Formel 3 zu fahren. Aber da ist noch nichts unterschrieben, es gibt noch Verhandlungen. Ich hoffe sehr, dass in den nächsten Wochen eine Entscheidung fällt.

Wie groß war die Umstellung vom Formelauto auf einen Le-Mans-Prototypen beim Test?
Sophia Flörsch: Wenn sich das Projekt ergeben sollte, wäre das natürlich eine völlig neue Herausforderung für mich. Das LMP2-Auto ist einem Formelwagen in einigen Bereichen recht ähnlich. Es hat allerdings eine Servolenkung und die Bremse ist relativ leicht im Vergleich zum Formel.

Sophia Flörsch ging zuletzt beim Macau GP an den Start - Foto: Birgar Olsen

Und im Gesamtbild?
Sophia Flörsch: Du musst auf komplett andere Dinge achten: Es sind Langstreckenrennen, du bist nicht als einzige Fahrerin auf dem Auto unterwegs, sondern musst dich an deine Teamkollegen anpassen. Du musst untereinander funktionieren, dich gegenseitig respektieren und zusammenarbeiten, weil man nur als Team gewinnen kann.

Im Formelsport ist man eher Einzelkämpfer...
Sophia Flörsch: Das stimmt. Ich bin noch sehr jung, ich habe so etwas noch nie im Motorsport erlebt. Es wäre für mich eine komplett neue Erfahrung, bei der ich auch für den Formelsport sehr viel lernen könnte. Bisher lastete der gesamte Druck immer auf mir. In einem Team gewinnt und verliert man aber zusammen. Ich würde mich mega freuen, wenn es klappt. Es wäre aber auf jeden Fall ein großer Schritt für mich persönlich.


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