Formula Student

Delft schlägt bei den E-Autos zurück - FSG: GFR siegt erneut, Stuttgart auf den Fersen

Global Formula Racing ist auch in diesem Jahr in Hockenheim nicht zu schlagen, allerdings schmilzt der Vorsprung. In der FSE zeigt sich Delft wiedererstarkt.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Auch in diesem Jahr war die Formula Student Germany auf dem Hockenheimring das Highlight des Formula Student Kalenders. 110 Teams hatten sich für die FSG registriert, davon 71 Verbrenner ud 39 Elektro-Teams. Wie schon in den Jahren zuvor, war in Hockenheim erneut die Weltspitze versammelt.

Das extrem hohe Niveau wurde vielen Teams schon im Vorfeld zum Verhängnis: Im Vergleich zu den Vorjahren hatten viele mit dem Scrutineering zu kämpfen. Einige ärgerten sich über zu penibel urteilende Officials, die jedoch kritisieren, dass sich in vielen Teams inzwischen mehr auf Performance-relevante Speziallösungen konzentriert wird, als auf die Basisarbeit - ein reglementkonformes und sicheres Fahrzeug.

Das hochklassige Starterfeld 2015 - Foto: FSG - Kröger

Deshalb schafften es viele Teams nicht, ihre Fahrzeuge am Freitag rechtzeitig zum Skid Pad fahrbereit zu haben. Lediglich 46 Verbrenner- und 15 E-Autos konnten zur ersten dynamischen Disziplin antreten. Traditionell wird in Hockenheim die liegende Acht bewässert, damit kein Team aufgrund der gleichzeitig stattfindenden Statics mit dem Startplatz benachteiligt wird.

Während in der Vergangenheit bei Nässe oftmals die Continental-bereiften Teams einen großen Vorteil hatten, zeigte sich in diesem Jahr ein ausgeglicheneres Bild. Bei den Verbrennern setzte sich GFR auf Hoosier knapp vor Stuttgart durch. Das Rennteam Uni Stuttgart setzt ebenfalls auf den US-amerikanischen Reifenhersteller. Bestes Continental-Team wurde Joanneum Racing Graz auf Platz drei.

In der Elektro-Klasse dominierte Delft mit den speziell entwickelten Apollo-Reifen das Geschehen. Mit 5,071 Sekunden waren die Niederländer gut vier Zehntelsekunden schneller als der erste Verfolger. Freiberg landete mit Conti-Pneus auf Platz zwei, Zürich ebenfalls mit Conti direkt dahinter.

Top 3 Skid Pad

FSC - Formula Student Combustion
1. Global Formula Racing, 5,607 Sekunden - 75 Punkte
2. Rennteam Uni Stuttgart, 5,685 Sekunden - 69,62 Punkte
3. Joanneum Racing Graz, 5,821 Sekunden - 60,67 Punkte

FSE - Formula Student Electric
1. TU Delft, 5,071 Sekunden - 75 Punkte
2. TU Freiberg, 5,478 Sekunden - 46,58 Punkte
3. ETH Zürich (AMZ), 5,531 Sekunden - 43,30 Punkte

Greenteam mit Problemen im Acceleration

Stuttgart wurde der Favoritenrolle nicht gerecht - Foto: FSG - Buck

Traditionell begann der Samstag mit dem Beschleunigungswettbewerb auf der Start- und Zielgeraden des Hockenheimrings. Vor allem in der Elektroklasse wurde der Acceleration mit Spannung erwartet, nachdem Zürich, Delft und Stuttgart im Vorfeld jeweils Beschleunigungsweltrekorde für Elektrofahrzeuge aufgestellt hatten. Aktuell gehört der Rekord dem Greenteam, das 1,779 Sekunden für den Spurt auf 100 Stundenkilometer benötigte.

Derlei Werte konnten im Wettbewerb natürlich nicht erzielt werden. Zum einen, weil die Elektrofahrzeuge in 75 Metern bereits auf deutlich mehr als 100 km/h beschleunigen, zum anderen, weil das Reglement der FSG Einschränkungen vorsieht. Beispielsweise ist die Peak-Leistung auf 80 Kilowatt reglementiert.

Trotzdem konnten wieder spektakuläre Zeiten in den Asphalt gebrannt werden. Nachdem sich das Wetter die Tage zuvor wechselhaft zeigte, fanden die Dynamics am Samstag und Sonntag bei perfekten Bedingungen statt. Zürich konnte die guten Bedingungen nutzen und benötigte für den 75-Meter-Sprint lediglich 3,30 Sekunden.

Bei den Verbrennern siegte Joanneum Racing Graz - Foto: FSG - Botzkowski

Der große Favorit Stuttgart hatte mit einem Elektrik-Problem zu kämpfen, das einen Motor lahmlegte. So reichte es nur für einen Versuch und am Ende nur zu einer Zeit von 4,34 Sekunden. Die Fachhochschule München schaffte es überraschend noch vor Delft auf Rang zwei.

Bei den Verbrennern erzielte Joanneum Racing Graz einen ganz besonderen Erfolg. Die Grazer konnten die Stärke des gemeinsam mit AMG und Karlsruhe entwickelten 2-Zylinder-Turbomotors nutzen und gewannen den Acceleration bei den Verbrennern mit 3,897 Sekunden. Dahinter reihten sich zwei Vierzylinder von Padua und Stuttgart ein. Stark: Die TU Graz schaffte es trotz Power-Manko mit Einzylinder auf Rang vier. Der zweite AMG-Motor im KIT-Heck landete auf Rang fünf. GFR konnte mit Einzylinder mit Rang elf Schadensbegrenzung betreiben.

Top 3 Acceleration

FSC - Formula Student Combustion
1. Joanneum Racing Graz, 3,897 Sekunden - 75 Punkte
2. Padua, 4,056 Sekunden - 66,59 Punkte
3. Rennteam Uni Stuttgart, 4,061 Sekunden - 66,34 Punkte

FSE - Formula Student Electric
1. ETH Zürich (AMZ), 3,300 Sekunden - 75 Punkte
2. FH München, 3,558 Sekunden - 59,45 Punkte
3. TU Delft, 3,579 Sekunden - 58,28 Punkte

Richtig spannend wurde es am Samstagnachmittag beim Autocross, der Qualifikation für das Endurance-Rennen am Sonntag. Die Strecke blieb im Vergleich zum Vorjahr unverändert - und damit auch unverändert uneben. Am Übergang von Grand-Prix-Strecke zum Paddock-Bereich durften die Boliden aufsetzten, sonst nicht. Das wurde mehreren Teams zum Verhängnis, einige schnelle Rundenzeiten wurden deshalb gestrichen.

Bei den Verbrennern wurde GFR seiner Favoritenrolle gerecht. Während das deutsch-amerikanische Team in der Vergangenheit die Konkurrenz auf der Rundstrecke fast nach Belieben dominierte, schmolz der Vorsprung des Flügelmonsters in diesem Jahr allerdings zusammen. TUFast aus München fehlten beim schnellsten Versuch lediglich drei Zehntelsekunden auf GFR.

Stuttgart mischte wieder vorne mit - Foto: FSG - Schindler

Dem Rennteam aus Stuttgart hingegen fehlten auf Rang drei schon fast anderthalb Sekunden auf den Spitzenreiter. Doch insgesamt zeigte sich das Feld an der Spitze deutlich enger zusammen als in den Jahren zuvor. Besonders schön: Die Ausgeglichenheit zwischen den unterschiedlichen Konzepten.

Ähnlich sah es auch in der Elektroklasse aus: Delft und Karlsruhe duellierten sich an der Spitze. Am Ende setzte sich Delft knapp durch. Zürich und Stuttgart mussten dahinter ein Stück abreißen lassen.

Top 3 Autocross

FSC - Formula Student Combustion
1. Global Formula Racing, 67,224 Sekunden - 100 Punkte
2. TUFast (München), 67,561 Sekunden - 97,62 Punkte
3. Rennteam Uni Stuttgart, 68,704 Sekunden - 89,71 Punkte

FSE - Formula Student Electric
1.TU Delft, 68,226 Sekunden - 100 Punkte
2. Karlsruhe KIT, 68,393 Sekunden - 98,83 Punkte
3. ETH Zürich (AMZ), 69,588 Sekunden - 90,65 Punkte

Der Endurance stellte einmal mehr das Highlight des Events dar. Vor allem in der Vormittagssession gab es aber für viele Teams nicht viel zu feiern. Die DNF-Quote war auch in diesem Jahr enorm hoch. Hohe Temperaturen von bis zu 30 Grad bereiteten den Autos Probleme. Ernsthafte Zwischenfälle gab es glücklicherweise nicht, doch das ein oder andere Team hat nun viel zu tun, das Auto für den nächsten Event wieder fahrtauglich zu machen. Motorwechsel und eine neue Aufhängung gehört ebenso dazu wie das Säubern von Lösch-Schaum.

Der Weltranglistenerste wurde seiner Favoritenrolle gerecht - Foto: FSG - Botzkowski

In der Nachmittagssession zeigten die Teams aber, warum die FSG wohl der hochklassigste Event der Formula Student ist. Bei den Top-Teams gab es nur wenige Probleme. Das besondere Highlight war auch in diesem Jahr das Top-5-Shootout. Die fünf schnellsten aus dem Autocross wurden am Ende gemeinsam auf die Strecke gelassen.

Die Verbrennerteams von GFR, München und Stuttgart teilten sich den Parcours mit Delft und dem E-Team aus Karlsruhe. Bis auf Karlsruhe konnten alle Teams ihre Pace vom Vortag auch im Dauerlauf bestätigen und fuhren enorm konkurrenzfähige Zeiten. Einmal mehr war es GFR, das für die absoluten Bestzeiten sorgte. Allerdings konnte München wie schon am Samstag gut mithalten. Extrem bitter für die Münchener: Nach Beendigung des Endurance wurde das Auto mit der Startnummer 41 aus der Wertung genommen.

Über die Renndistanz von 22 Kilometer war GFR zwar knapp 25 Sekunden schneller als Stuttgart, Cones-berichtigt betrug der Vorsprung allerdings weniger als fünf Sekunden. Während GFR insgesamt elf Hütchen mitnahm, glänzten die Stuttgarter Piloten mit Präzision: Nur ein Cone blieb nicht an seinem vorhergesehenem Platz.

Für München verlief der Endurance eigentlich gut - Foto: FSG - Klein

Durch die Disqualifikation von München rückte die Technische Universität Graz auf Rang drei, gefolgt von Coburg und dem zweiten Grazer Team. Für das zweite AMG-befeuerte Team lief es weniger Rund: KIT musste den Boliden nach dem Fahrerwechsel abstellen.

Noch enger als bei den Verbrennern ging es bei den Elektro-Autos zu: Bei den Netto-Zeiten lagen Zürich, Delft und Stuttgart extrem nahe beieinander. Das Greenteam bewältigte die 22 Kilometer sogar am schnellsten, fiel durch 13 umgeworfene Cones allerdings auf Rang drei zurück. Delft fuhr im Spitzen-Trio die langsamste Gesamtzeit, schmiss aber kein einziges Cone. Somit fuhren die Niederländer auf Rang zwei, 1,03 Sekunden hinter Zürich. Die Schweizer waren zwar 15,03 Sekunden schneller, schmissen allerdings 7 Hütchen.

Die Ausfallquote war in beiden Klassen extrem hoch: Bei den Verbrennern schafften es 27 Autos in die Wertung, bei den E-Autos waren es 12. Entsprechend wurde beim Endurance das Gesamtklassement durcheinandergewürfelt.

Top 3 Endurance

FSC - Formula Student Combustion
1. Global Formula Racing, 1330,88 Sekunden - 325,00 Punkte
2. Rennteam Uni Stuttgart, 1335,76 Sekunden - 320,62 Punkte
3. TU Graz, 1411,31 Sekunden - 256,57 Punkte

FSE - Formula Student Electric
1. ETH Zürich (AMZ), 1362,86 Sekunden - 325,00 Punkte
2.TU Delft, 1363,89 Sekunden - 324,09 Punkte
3. Greenteam Uni Stuttgart, 1366,18 Sekunden - 322,08 Punkte

Die Weltspitze allerdings zeigte sich davon unbeeindruckt: GFR holte mit 928,33 Punkten den Gesamtsieg bei den Verbrennern. Mit Respektabstand folgt Stuttgart mit 885,41 Punkten. Zur Verdeutlichung, wie sehr sich das Feld zusammengeschoben hat: 2014 siegte GFR mit 911,81 zu 725,85 Punkten gegen Stuttgart. Speziell im Autocross und Endurance konnte die Konkurrenz aufholen - möglicherweise profitiert GFR nicht mehr von der extremen Aerodynamik, die in diesem Jahr beschnitten wurde.

Delft holte den Titel wieder in die Niederlande zurück - Foto: FSG - Schindler

Durch den Nuller beim Endurance verlor TUFast einen fast sicheren dritten Gesamtrang. Somit stand für die TU nur Rang 18. Das Grazer Stadtduell gewann die FH knapp. Mit 745,28 Punkten landete FH Joanneum Racing auf Gesamtrang drei, weniger als zwei Punkte vor der TU Graz. Coburg schaffte es auf einen starken fünften Platz.

Bei den E-Autos standen die gleichen Teams auf dem Podium wie schon im vergangene Jahr - nur die Reihenfolge änderte sich. Delft holte diesmal den Gesamtsieg vor Zürich und Stuttgart. 2014 siegte Zürich vor Stuttgart und Delft.

Top 3 Overall

FSC - Formula Student Combustion
1. Global Formula Racing - 928,33 Punkte
2. Rennteam Uni Stuttgart - 885,41 Punkte
3. Joanneum Racing Graz, 745,28 Punkte

FSE - Formula Student Electric
1.TU Delft - 923,02 Punkte
2. ETH Zürich (AMZ) - 867,54 Punkte
3. Greenteam Uni Stuttgart - 825,26 Punkte

FSG TV - Episode 6: Das Finale: (04:57 Min.)


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