Formel 3

Sophia Flörsch: Macau-Unfall kein Problem für den Kopf

Sophia Flörsch kehrt ein Jahr nach dem berühmten Unfall zurück nach Macau. Im Exklusiv-Interview spricht sie ausführlich über den Crash und die Folgen.
von Robert Seiwert
Sophia Flörsch: Ein Jahr nach dem Horror-Crash in Macau: (28:33 Min.)

Ihr schwerer Unfall machte sie im November 2018 berühmt, jetzt kehrt Sophia Flörsch zurück nach Macau. Vom 14. bis 17. November steht das berüchtigte Stadtrennen in der chinesischen Sonderverwaltungszone zum 66. Mal bevor. Mit Flörsch, der es im letzten Moment gelungen war, das nötige Budget aufzutreiben, um mit dem Team HWA aus Affalterbach an den Start gehen zu können.

Vergessen wird die 18-Jährige ihren Unfall, der weltweit für Schlagzeilen sorgte, vermutlich nie. Spuren hinterlassen hat er aber nur äußerlich in Form von zwei kleinen Narben. "Der Unfall war nicht schlimm für mich, deshalb ist er kein Problem für meinen Kopf", sagt Flörsch im ausführlichen Video-Interview mit Motorsport-Magazin.com.

Und weiter: "Du bist dir des Risikos immer bewusst in diesem Sport. Es kann immer etwas passieren. Ich genieße aber jeden Meter, den ich fahren kann. Man denkt nicht darüber nach, ob man in die Wand fahren kann. Vielleicht sind wir Rennfahrer ein bisschen gestört im Kopf..."

Der Crash, bei dem Flörsch in Folge einer unverschuldeten Kollision bei über 250 km/h die Kontrolle über ihren Rennwagen verlor, vom Boden abhob, einen Fangzaun durchbrach und in einen Fotografenstand krachte, habe sie als Fahrerin nicht verändert. Die dadurch entstandene Bekanntheit sei schön, gleichzeitig ärgert sie sich über ein verlorenes Motorsportjahr in Folge der Reha.

So war ursprünglich geplant gewesen, schon 2019 in der FIA Formel 3 im Rahmen der Formel-1-Weltmeisterschaft anzutreten. Dieser Schritt soll im kommenden Jahr gelingen. Macau betrachtet Flörsch deshalb als eine Vorbereitung. Mit dem erstmals zum Einsatz kommenden FIA F3-Auto mit 380 PS konnte sie sich nur bei einem regnerischen Testtag in Valencia vor wenigen Wochen vertraut machen.

Flörschs Macau-Unfall 2018 produzierte weltweit Schlagzeilen - Foto: CHRISTIAAN HART PHOTOGRAPHY

Entsprechend schraubt die Münchnerin ihre Erwartungshaltung für das große Rennen am kommenden Wochenende herunter - auch mit Blick auf die namhafte Konkurrenz, die das brandneue Rennauto bereits eine ganze Saison lang gefahren ist: "Ich gehe nicht mit großen Erwartungen rein. Wichtig ist, dass ich Spaß habe und mit jeder Runde schneller werde."

Trotz der wenigen Vorbereitung könnte ihre Vorfreude auf den Formel 3 Weltcup nicht größer sein. Ohne ein Grinsen im Gesicht kommt Flörsch der Name 'Macau' kaum über die Lippen. Kein Wunder, bietet der gut sechs Kilometer lange Guia Circuit einen Mix aus extremem Kurvengeschlängel, großen Höhenunterschieden und langen Geraden mit enormen Topspeeds.

"Jeder Rennfahrer, der sagt, dass die Strecke nicht geil ist, der ist kein Rennfahrer für mich. Sie ist einfach der Hammer", sagt Flörsch. Im Zuge des Unfalls wird die Sicherheit für das Rennen in diesem Jahr zusätzlich erhöht, auch in der berüchtigten Lisboa-Kurve nach der langen Geraden.

Dass der Stadtkurs zu gefährlich sein könnte, verneinte schon 2018 der inzwischen verstorbene FIA-Rennleiter Charlie Whiting. Und auch Flörsch meint trotz der zahlreichen Unfälle in allen Kategorien, die sich in den vergangenen Jahrzehnten zugetragen haben: "Mein Unfall hätte überall passieren können. Ich würde nicht sagen, dass die Strecke zu gefährlich ist."

Das ausführliche Video-Interview mit Sophia Flörsch kurz vor ihrer Abreise nach Macau könnt ihr euch mit einem Klick auf das oberste Foto anschauen


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