Wie schnell sich das Blatt wenden kann. Vor wenigen Monaten war Alpine noch die Lachnummer der Formel 1. Das Vorjahr beendete das französische Team mit gerade einmal 22 WM-Punkten. "Lasst mich dieses Auto nächstes Jahr nicht sehen", sagte Pierre Gasly nach dem Saisonfinale über den letztjährigen Boliden. "Versteckt es in irgendeiner Ecke in Enstone." Vier Monate später hat Gasly nach drei Rennen bereits 15 WM-Punkte gesammelt und befindet sich in der WM-Wertung vor Vierfach-Weltmeister Max Verstappen.

Beim Japan GP lieferte der Franzose ein perfektes Wochenende ab: Platz sieben im Qualifying und Rennen. Gasly konnte sich mit dem Mercedes-Motor ausgestattete A526 bravourös gegen Verstappen verteidigen, der Red Bull steckte für den gesamten Grand Prix in seinem Heck fest. Auf P7 war er der erste Verfolger der drei Top-Teams. Für mehr reichte es nicht. "Die Top-6 waren außer Reichweite. Aber wir sind nur sieben Sekunden hinter Lewis [Hamilton, Anm. d. Red.] über die Ziellinie gegangen, das ist für mich ein sehr positives Zeichen", freute sich Gasly.

Der Alpine war den anderen Mittelfeld-Autos haushoch überlegen. Abgesehen von Red Bull, die in ihrer derzeitigen Form nicht zur F1-Spitze gezählt werden können, kam Liam Lawson im Racing Bull als erstes Nicht-Topteam-Auto auf Platz neun ins Ziel, 18 Sekunden hinter Gasly. "Wir waren sehr viel schneller als alle anderen Mittelfeld-Autos", meinte der Alpine-Pilot hoffnungsvoll. Für die restliche Saison hat er sich nun große Ziele gesetzt.

Pierre Gasly vor Max Verstappen
Max Verstappen machte sich mit dem Heck des Alpine sehr vertraut, Foto: IMAGO / MAXPPP

Pierre Gasly will mit den Großen spielen: Wie kann Alpine die Lücke schließen?

Die Königsklasse verabschiedet sich nach dem Rennen in Suzuka in die notgedrungene Frühlingspause, die fünf Wochen werden in Enstone für Entwicklungsarbeit genutzt. Gasly glaubt aber nicht, dass sie die Lücke nach vorn bis zum Miami GP Anfang Mai schließen können. Dafür will er ab Herbst bei den Großen mitspielen. "Ich würde nach der Sommerpause gerne in einer Gruppe mit McLaren und Ferrari kämpfen", hoffte er.

"Die Lücke war jetzt noch zu groß für mich, um dort wirklich mitzumischen. Es waren immer noch sieben Sekunden über 28 Runden, das sind drei bis vier Zehntel. Das Auto ist etwas schwierig. Ich habe in den Highspeed-Kurven Probleme, das ist eine unserer Schwächen. Wir müssen uns noch verbessern, aber das ist gut", fügte Gasly hinzu.

An einer Front müssen die Franzosen auf jeden Fall nicht nachbessern. "Wir wissen, dass wir uns nicht um die Power Unit kümmern müssen. Da haben wir die beste, die es gerade gibt", weiß Gasly. Seit diesem Jahr bezieht Alpine den Motor von Mercedes, nachdem der Kult-Antriebslieferant Renault mit 2025 die Formel 1 verlassen hat. Den in Viry hergestellten Power Units fehlte es in den letzten Jahren immer massig an Performance, jetzt ist Alpine mit dem Marktführer ausgestattet.

Der einzige Stein im Weg ist nun das Auto selbst, ist sich Gasly sicher: "Wir müssen uns auf das Chassis konzentrieren. Wir haben ein gutes Paket, wir müssen es noch besser machen." Der Alpine-Fahrer ist besonders glücklich, dass der A526 auf bisher allen Strecken gut funktionierte. "Das ist ziemlich anders als letztes Jahr", kann er sich einen Seitenhieb gegen den A525 nicht verkneifen.

Sollte Alpine bis Ende des Jahres tatsächlich Red Bull hinter sich lassen und sich unter die Top-4 in der Weltmeisterschaft schieben, wäre es das erste Mal seit 2022. Damals schlugen die Franzosen McLaren. Wenn man Alpine, damals Renault, auf dem Konstrukteurs-Podium finden möchte, muss man schon etwas länger zurückgehen. In der Formel-1-Saison 2007 reihte sich Renault hinter Ferrari und Sauber auf P3 ein. In den zwei Jahren davor gewann das Team aus Enstone mit Fernando Alonso seine einzigen Weltmeistertitel.

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