Nach zehn Rennen der Formel-1-Saison 2025 brennt es bei Ferrari lichterloh. Zuletzt konnte sich die Scuderia zwar immerhin auf Platz zwei in der Konstrukteurs-WM hocharbeiten, doch vor dem Kanada GP bringen Gerüchte aus Italien Teamchef Fred Vasseur zum Kochen. Der Franzose soll vor dem Aus stehen, berichteten italienische Medien vor dem Rennen in Montreal.
Am Donnerstag verteidigte Lewis Hamilton seinen Teamchef bereits mit deutlichen Worten, am Freitag legte Vasseur selbst in der FIA-Pressekonferenz nach. "Zunächst einmal muss ich ruhig bleiben, sonst muss ich später zu den Stewards", stellte er gleich zu Beginn fest und wollte seine folgende Kritik an den Medien nicht pauschalisieren: "Es handelt sich um einige italienische Medien, nicht um alle italienischen Medien."
Vasseur sprach schon 2024 Vertretern eines Mediums Hausverbot bei Ferrari aus. Vor Kanada berichteten die renommierten Zeitungen Corriere della Sera und Gazzetta dello Sport vom möglichen Aus des Teamchefs. Bislang waren die Kollegen jener Zeitungen noch nicht in Ungnade bei Vasseur gefallen.
"Es geht nicht um mich selbst, denn ich kann damit umgehen. Es geht eher um die Leute im Team. Ihre Namen so in den Raum zu werfen, finde ich einfach respektlos ihnen und ihren Familien gegenüber", so Vasseur. Neben Vasseur wurde auch Chassis-Chef Loïc Serra in einem Bericht angezählt.
Vasseur vs. Journalisten: Ihre einzige Existenzberichtigung
Vasseur geht mit den Journalisten hart ins Gericht: "Ich kenne das Ziel nicht. Ich verstehe das Ziel nicht. Vielleicht geht es darum, das Team schlechtzumachen, aber in diesem Fall sehe ich keinen Sinn darin. Vielleicht ist es ihre einzige Exitenzberichtigung. Das ist wahrscheinlich eher der Grund."
Der Teamchef macht die Journalisten mitverantwortlich für den großen Rückstand auf McLaren. "Es schadet dem Team wirklich", stellt Vasseur klar. "In gewisser Weise ist es ein Mangel an Konzentration. Wenn man um die Meisterschaft kämpft, macht jedes einzelne Detail den Unterschied. Und seit Beginn des Wochenendes sprechen wir nur darüber. Wenn es ihr Ziel ist, das Team in diese Situation zu bringen, haben sie ihr Ziel erreicht."
Der 57-Jährige wird sogar noch deutlicher: "So können wir die Meisterschaft nicht gewinnen - zumindest nicht mit solchen Journalisten um uns herum." Aber was haben Berichte mit der Performance des Autos zu tun? "Es geht um die Leute im Team. Sie arbeiten sehr hart und dann lesen sie eines Tages, dass dieser oder jener ersetzt wird und sie nutzlos sind. Das ist sehr hart. Diese Leute haben Familien, sie haben Frauen und Kinder. Es ist völlig respektlos."
Ferrari-Teamchef beklagt Standort Italien
Vasseur, zuvor schon Formel-1-Boss bei Renault und Sauber, macht auch den Standort für die Problematik verantwortlich. "Ich habe das Gefühl, dass Teams in Großbritannien manchmal etwas mehr auf sich allein gestellt sind und sich etwas mehr auf das konzentrieren können, was sie tun. Das beste Beispiel dafür ist McLaren: Sie hatten 2023 eine harte Saison. Sie lagen weit zurück, aber sie waren konzentriert, arbeiteten an sich selbst und verbesserten sich Schritt für Schritt. Das ist es, was jedes einzelne Team erreichen möchte."
"Wenn sie an einem Punkt Erfolg haben wollen, dann müssen wir auch in einem ruhigen Umfeld arbeiten können - und in dieser Situation sind wir nicht", klagt Vasseur weiter über Vertreter der italienischen Medien.
Der Franzose versucht seinen Ärger mit einem Beispiel zu belegen: "Letztes Jahr wurde über eine Person berichtet, die ich erst googlen musste, um ein Gesicht dazu zu haben. Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, an dem sie Gerüchte über jemanden verbreiten können, den ich noch nie in meinem Leben getroffen habe."
Vasseur kann aber durchaus intern bei Ferrari auf die Gerüchte reagieren. "Ja, ich werde am Montagmorgen zu den Jungs gehen und ihnen sagen: Leute, das stimmt nicht. Aber letztendlich bin ich kein Feuerwehrmann."
Lewis Hamilton ärgerte sich nicht nur über die Gerüchte rund um Fred Vasseur. Was den erfolgreichsten Formel-1-Fahrer der Geschichte noch bewegte, verrät euch Christian im VIdeo:



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