Formel 1 - Michael Schumacher: Erneut hohe Strafe gegen Funke

100.000 Euro für Erwecken 'zwingenden Eindrucks', Schumacher sei gestorben

Die Funke-Mediengruppe muss erneut eine hohe Geldsumme als Entschädigung für ihre Berichterstattung über Michael Schumacher zahlen. Die Hintergründe:
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Motorsport-Magazin.com - Die Funke-Mediengruppe muss erneut eine hohe Geldsumme an die Familie von Michael Schumacher als Entschädigung für ihre Berichterstattung zahlen. Hintergrund ist diesmal ein Cover der Verlagszeitschrift "die aktuelle" aus dem Februar 2016. Darauf titelte das Klatschblatt: "Er ist nicht mehr unter uns". Unterzeile: "Wann bricht die Familie endlich ihr Schweigen?" Diese Kombination kostet Funke nun einen sechsstelligen Betrag.

100.000 Euro muss die Mediengruppe jetzt an Michael Schumacher überweisen, so der aktuelle Richterspruch des Landgerichts Hamburg, weil das Blatt mit dieser Art von Aufmachung den "zwingenden Eindruck" erweckt habe, Michael Schumacher sei gestorben. Das berichtet meedia.de. Tatsächlich ging es im Artikel selbst schließlich nur um einen angeblichen Freund Michael Schumachers, der in französischen Medien schlicht beklagt hatte, dass Schumacher wegen seines Unfalls nun nicht mehr Teil des Alltags im Freundeskreis sei.

Funke argumentierte dagegen, die Frage in der Unterzeile sei allgemein zu verstehen gewesen. Schumacher habe über Jahre in der Öffentlichkeit gestanden, die Familie habe sogar ihre Hochzeit im Fernsehen vermarktet. Nach dem Unfall sei dann plötzlich ein Schweigekartell um die Gesundheit Schumachers etabliert worden. Gleichzeitg habe man seine öffentliche Präsenz aber durch Homepage und Social Media aufrecht erhalten. Das passe nicht zusammen.

Weiteres Schumacher-Cover involviert

Dieser Argumentation folgte die Kammer nicht. Schon in einer mündlichen Verhandlung (Az. 324 O 381/16) hatte das Gericht angekündigt, Funke für diesen Titel mindestens 50.000 Euro berechnen zu wollen. Die Forderung von Schumachers Medienanwalt hatte sogar bei 100.000 Euro gelegen.

Ob Felix Damm nun mit dieser Forderung vollständig durchgekommen ist, ist allerdings noch offen. Gut möglich, dass sich die 100.000 Euro Entschädigung nicht nur auf das Februar-Cover beziehen: In dem Verfahren ging es zudem um eine zweite Titelseite einige Wochen später, für die Damm noch einmal 50.000 Euro aufgerufen hatte.

In diesem Fall hatte das Klatschblatt aus einem "erschütternden Kranken-Brief" zitiert. Das habe den Anschein erweckt, so Damm, es handele sich um ein offizielles Dokument. Tatsächlich habe es sich jedoch um ein anonymes Schreiben gehandelt, über dessen Verfasser "die aktuelle" selbst gerätselt habe. Zudem habe der Funke-Titel im Text die Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte Michael Schumachers klar verletzt. Dort fanden sich sich etwaige Details über die aktuelle Lage seines Klienten. Es handele sich dabei allerdings um unwahre bzw. unbelegte Tatsachenbehauptungen.

Aus der Urteilsverkündung des Landgerichts Hamburg ging noch nicht hervor, ob das Urteil bereits für beide Titelseiten gemeinsam oder nur das erste Cover gilt. Die finale Urteilsbegründung steht aus. Allerdings hatte das Gericht zum zweiten Fall erklärt, es hier wohl bei einer Unterlassung belassen zu wollen.

Berufung noch möglich, aber ...

Der Urteilsspruch des Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Funke kann Berufung einlegen, was den Fall vor das Oberlandesgericht der Hansestadt bringen würde. Die Erfolgsaussichten erscheinen jedoch zweifelhaft: Bereits im Februar war der Medienkonzern vom Oberlandesgericht Hamburg in einem anderen Berufungsverfahren zu 60.000 Euro Schadensersatz für die wiederholt unrechtmäßige Verwendung von Bildern, die Michael Schumacher nach seinem Skiunfall im Krankenhaus von Grenoble zeigten, verurteilt worden.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Schumacher-Familie gegen die Boulevardpresse vorgeht. Zuletzt hatte etwa die Burda-Zeitschrift "Bunte" 50.000 Euro für eine unwahre Behauptung zahlen müssen. Corinna Schumacher erwirkte außerdem im Jahr 2014 Unterlassungen gegen Bunte, Super Illu und Neue Woche. Der Spiegel-Verlag musste im selben Jahr zwei Fotos, die Corinna Schumacher vor dem Krankenhaus zeigten, entfernen.

Michael Schumacher verunglückte am 29. Dezember 2013 beim Skifahren in den Schweizer Alpen. Beim Sturz auf einen Felsen erlitt er ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Der heute 48-Jährige befand sich tagelang in Lebensgefahr und lag mehrere Wochen im Koma. Im September 2014 wurde Schumacher nach Hause verlegt und erholt sich seitdem von seinen Verletzungen. Meldungen über den Gesundheitszustand der Rennfahrer-Legende gibt es jedoch kaum.


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