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Formel 1 - Interview - Red Bull: Dr. Helmut Marko schlägt Alarm

Brutales Aufwachen in Melbourne

Red Bull fährt der Spitze in Australien nur hinterher. Dr. Helmut Marko spricht bei Motorsport-Magazin.com Klartext und verrät, woran das liegt.
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Motorsport-Magazin.com - Die Pace war heute bei Red Bull den gesamten Tag über nicht so wirklich da, oder?
Dr. Helmut Marko: Im Qualifying ist sie zum Glück wieder halbwegs dagewesen, im 3. Training waren wir ja komplett weg vom Fenster. Unser Chassis hat ein viel zu enges Fenster, in dem es funktioniert. Ich hoffe, wir können das in den nächsten ein, zwei Rennen aussortieren. Aber ich glaube auch, dass Mercedes und vor allem Ferrari bei der Motorleistung einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht haben.

Welche Probleme gibt es genau mit dem Chassis?
Dr. Helmut Marko: Kleinste Änderungen haben Auswirkungen, die technisch nicht sein sollten und auch nicht erklärbar sind. Das Chassis müssen wir innerhalb der nächsten Rennen aussortieren. Motorseitig hoffen wir, dass sukzessive mehr kommt.

Kleinste Änderungen haben Auswirkungen, die technisch nicht sein sollten und auch nicht erklärbar sind
Dr. Helmut Marko

Es sah so aus als hätte Max Verstappen konstant Probleme, mit Daniel Ricciardos Pace mitzukommen.
Dr. Helmut Marko: Es waren Abstimmungsprobleme, und nach seinem Unfall war ein Teil beschädigt, das wir nicht sofort gefunden haben, dadurch war sein Speed im dritten Training nicht auf dem Level. Im Qualifying hat er sich aber tadellos erholt, keine Fehler gemacht und der Speed war in Ordnung.

Sie haben gesagt, Red Bull hat die besten Fahrer. Wir haben gestern einen Fahrfehler von Max gesehen, heute von Daniel...
Dr. Helmut Marko: Das hängt vielleicht mit dem Erwartungsdruck zusammen. Wir als auch die Fahrer haben gehofft, dass wir vorne mitmischen können, und es war hier ein brutales Aufwachen, dass es derzeit nicht möglich ist.

Zeigt das auch, dass die neue Formel 1 schwieriger zu fahren ist?
Dr. Helmut Marko: Wenn das Auto ausbricht, passiert das abrupter und es ist schwieriger einzufangen. Mit einem Auto wie unserem, das so diffizil im Grenzbereich ist, ist das noch extremer spürbar.

Welche Erwartungen gibt es für das Rennen?
Dr. Helmut Marko: Ich glaube, der Start ist die entscheidende Phase. Ich fürchte, wir werden nicht sehr viele Überholmanöver sehen?

Wir als auch die Fahrer haben gehofft, dass wir vorne mitmischen können, und es war hier ein brutales Aufwachen, dass es derzeit nicht möglich ist
Dr. Helmut Marko

Mit wie vielen Überholmanövern auf der Strecke rechnen Sie?
Dr. Helmut Marko: Das ist schwierig zu sagen, weil ich nicht weiß, was im Hinterfeld passieren wird. Aber man hat ja gesehen, dass Autos, die eineinhalb bis zwei Sekunden schneller sindam Vordermann nicht vorbeikommen.

Gibt es Erfahrungswerte zu den Starts von den Testfahrten?
Dr. Helmut Marko: Das ist wie mit den Boxenstopps. Wenn du sie übst, funktioniert alles optimal. Genauso ist es mit den Starts. Wenn der Druck da ist und es einen Fahrer neben dir gibt, ist das aber eine andere Geschichte.

Was sagen Sie zu Toro Rosso?
Dr. Helmut Marko: Gut. Ich glaube, das spannendste wird das Mittelfeld sein, weil acht Autos innerhalb von ein paar Zehnteln sind. Da werden die Boxenstopps und das Reifenmanagement das Entscheidende sein.

Wer ist Ihr Tipp für den ersten Rennsieg der Saison?
Dr. Helmut Marko: Wenn Hamilton den Start hinkriegt, gewinnt er locker.


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