Formel 3 EM

Sophia Flörschs Macau-Unfall: FIA gibt ihr keine Schuld

Die FIA untersucht den schweren Crash von Sophia Flörsch in Macau. Motorsport-Magazin.com hat erfahren: Der 17-Jährigen soll keine Schuld angelastet werden.
von Robert Seiwert & Arno Wester
Sophia Flörsch: Neue Videos vom Macau-Unfall aufgetaucht: (00:29 Min.)

Es waren mit die erschreckendsten Motorsport-Bilder des Jahres, als Sophia Flörsch beim Macau Grand Prix am vergangenen Sonntag einen Fangzaun durchbrach, rückwärts gegen einen Kamerastand prallte und mit ihrem Formel-3-Auto hinter der Streckenbegrenzung landete. Kameraaufnahmen des Unfalls in der berüchtigten Lisboa-Kurve gab es zunächst nicht - viele Beobachter befürchteten das Schlimmste.

Wie durch ein Wunder kam Flörsch 'nur' mit einem Bruch des siebten Halswirbels davon. Ihr Teamchef Frits van Amersfoort sprach von einem Schutzengel, den die 17-Jährige an Bord hatte. Bewegtbilder, die den Auslöser und Hergang des schweren Unfalls zeigten, gab es zunächst nicht. Auch nicht für das niederländische Team, nachdem FIA-Mitarbeiter die Onboard-Kameras an sich genommen hatten.

Später schaltete sich sogar FIA-Präsident Jean Todt ein und kündigte eine genaue Untersuchung des Vorfalls beim 65. Grand Prix in Macau an. Eine offizielle Auswertung gibt es bislang nicht. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com aus FIA-Kreisen gibt der Motorsport-Weltverband Flörsch selbst keine Schuld am Unfall.

Gelbe Lampe - grüne Flaggen

Damit zusammenhängen könnte ein bislang nicht offiziell bestätigter Vorfall. Dabei geht es um eine gelb blinkende Warnlampe auf der Geraden vor der Lisboa-Kurve. Dieses Signal könnte den indischen Carlin-Fahrer Jehan Daruvala, mit dem Flörsch auf der Geraden kollidierte, veranlasst haben, sein Auto abzubremsen.

Im Internet kursiert ein Video, auf dem zu sehen ist, dass in besagter Situation tatsächlich eine gelbe Lampe am linken Streckenrand aufleuchtet. Gleichzeitig werden entlang dieser Stelle augenscheinlich aber auch grüne Flaggen durch Streckenposten geschwenkt. Eine offizielle Aussage der FIA zu dieser Situation steht noch aus.

Mick Schumachers Teamkollege, Guan Yu Zhou, fuhr hinter Flörsch und Daruvala und sprach ebenfalls von gelben Warnlampen, die er auf der Geraden gesehen habe. "Ich denke, das war ein Organisationsfehler", sagte der Prema-Fahrer. "Sophia war sehr nahe an Jehan Daruvala dran, und als der früh bremste, hatte sie keine Zeit zu reagieren."

Sophia Flörschs Macau-Unfall aus allen Perspektiven: (02:26 Min.)

Video zeigt neue Details zum Unfall

Mit der Zeit kommen - vor allem durch Fan-Videos - immer mehr Details über den Crash der Münchnerin ans Tageslicht. Täglich tauchen neue Video-Sequenzen auf, die die Szene während der vierten Rennrunde aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen.

So ist auf einem Video (Herkunft unbekannt) - aufgenommen von der gegenüberliegenden Seite der langen Geraden vor Lisboa - zu sehen, wie Flörsch mit ihrem Auto am Streckenrand angeschossen kommt. Kurz zuvor war sie mit der linken Seite ihres Autos mit Daruvalas Boliden kollidiert. Dabei rissen die rechten Vorder- und Hinterradaufhängungen ihres Formel 3 und sie drehte sich unkontrollierbar kurz vor der Lisboa-Kurve.

So knapp war es mit Tsuboi

Andere Aufnahmen zeigen, wie Flörsch über den blauen Kerb (erst 2018 installiert, um Abkürzen zu verhindern) auf der Innenseite der Lisboa rutscht, dann das Auto des Japaners Sho Tsuboi an der Oberseite trifft (auf Bildern ist der Abdruck von Flörschs Auto deutlich am Überrollbügel von Tsuboi zu sehen) und von dort durch den Fangzaun und in den Kamerastand katapultiert wird.

"So wie sich uns der Unfall darstellt, hatte Sophia noch Glück, dass sie mit dem Auto rückwärts eingeschlagen ist", sagte Teamchef Frits van Amersfoort später bei Sport1. "Motor und Getriebe haben sie etwas geschützt. Auch der Fangzaun hat wohl etwas Energie aufgefangen."

Keine Diskussion über Strecke

Der Unfall auf dem Highspeed-Stadtkurs führte zu zahlreichen Diskussionen, ob die Strecke noch zeitgemäß und sicher genug sei. Vor allem bei den Motorrad-Rennen auf der 6,12 Kilometer langen Strecke verletzen sich immer wieder Fahrer schwer oder verlieren sogar ihr Leben.

Eine Diskussion, gegen die sich der chinesische Veranstalter des Rennens deutlich wehrt. Auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com heißt es deutlich: "Es gibt keine Diskussion über die Strecke. Sie ist vom Automobil-Weltverband FIA für Formel-Rennautos, Touren- und GT-Sportwagen sowie Motorräder abgenommen - und existiert so schon seit 65 Jahren." Auch im nächsten Jahr würde wieder am gleichen Wochenende gefahren.


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