Motorsport-Magazin.com Plus
Exklusiv
DTM

DTM: Flörsch und Glock ab Spielberg ohne Space-Drive-System

Sophia Flörsch und Timo Glock starten ab dem DTM-Rennwochenende in Österreich nicht mehr mit dem speziellen Lenk-System namens Space Drive.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Zum DTM-Rennwochenende auf dem Red Bull Ring in Österreich (03.-05. September 2021) kommt es zu einer technischen Änderung im Starterfeld der 20 Autos. Beim Audi R8 LMS GT3 von Sophia Flörsch (Abt-Audi) sowie beim BMW M6 GT3 von Timo Glock (ROWE-BMW) wurde das Space-Drive-Lenksystem ausgebaut. Beide Fahrzeuge starten ab der fünften Veranstaltung der DTM-Saison 2021 mit einer konventionellen Lenkung.

Die Verantwortlichen der betroffenen Parteien haben die exklusive Recherche von Motorsport-Magazin.com offiziell bestätigt. Mit dem Mercedes-AMG GT3 von Maximilian Buhk (Mücke-Mercedes) ist weiterhin ein Rennwagen mit der Steer-by-Wire-Lenkung an Bord im Teilnehmerfeld der DTM vertreten.

Buhk bestplatzierter Space-Drive-Pilot

Als bestplatzierter Fahrer eines 'Space-Drive-Autos' belegt Buhk, der dauerhaft den ursprünglich eingeplanten, zweifachen DTM-Champion Gary Paffett vertritt, mit neun Punkten den 14. Platz in der Meisterschaft. BMW-Fahrer Glock erzielte zuletzt im Sonntagsrennen auf dem Nürburgring als Siebter seine ersten Punkte in der laufenden Saison.

Flörsch, die wegen ihres frühzeitig feststehenden Einsatzes bei den 24 Stunden von Le Mans das Rennwochenende in der Eifel ausließ, wartet noch auf ihre erste Punkteausbeute. Ersatzmann und Audi-GT3-Ass Markus Winkelhock, der seit längerer Zeit in die Entwicklung des Space-Drive-Systems eingebunden ist, konnte sich in beiden Nürburgring-Rennen Hoffnungen auf Zählbares machen, bevor er durch Kollisionen respektive Strafen zurückgeworfen wurde.

Das Samstags-Qualifying auf dem Red Bull Ring schlossen Buhk, Glock und Flörsch auf den Plätzen 10, 13 und 20 ab. Buhks Rückstand auf den bestplatzierten Mercedes (Maximilian Götz, HRT) betrug 0,289 Sekunden. Glock lag 0,299 Sekunden entfernt vom schnellsten BMW-Piloten (Teamkollege Sheldon van der Linde) und Flörschs Rückstand auf den im Qualifying bestplatzierten Audi (Teamkollege Kelvin van der Linde) betrug 1,034 Sekunden.

Warum wurde das System bei Glock ausgebaut?

"Rowe Racing hat mit Timo Glock die Entscheidung getroffen das System auszubauen und vorerst ohne Space Drive weiter in der DTM zu fahren, um weitere Zeit für Tests zu haben", erklärte Klaus Graf, Mitglied der Geschäftsleitung der Schaeffler Paravan Technologe GmbH & Co.KG und Head of Testing, gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Der BMW M6 GT3 war vor der DTM 2021 nicht im Einsatz und verfügt über die bisher wenigsten Test- und Rennkilometer."

Der langjährige Rennfahrer Graf weiter: "Timo Glock möchte nach den schwierigen ersten Rennen der Saison, die ihm nicht die gewünschten Resultate brachten, auf die in seinem BMW mögliche Performance konzentrieren. Im Rahmen der Space Drive-Entwicklungsarbeit ist das nicht das primäre Ziel. Wir haben an drei Rennwochenenden bereits wertvolle Daten gesammelt, um das Space Drive System weiterentwickeln zu können."

Unterdessen teilte das betroffene Team des früheren Formel-1-Fahrers Glock gegenüber Motorsport-Magazin.com bezüglich des ausgebauten Space-Drive-Systems mit: "Die Entscheidung wurde gemeinschaftlich getroffen. Wir bitten um Verständnis, dass wir technische Details nicht kommentieren können. Als ROWE RACING streben wir immer den bestmöglichen sportlichen Erfolg an. Timo Glock ist einer der erfahrensten und erfolgreichsten DTM-Fahrer und passt daher perfekt zu den hohen Ambitionen, die wir als Team auch in unserer ersten DTM-Saison verfolgen."

Warum wurde das System bei Flörsch ausgebaut?

Auch Sophia Flörsch startet beim fünften Rennwochenende der DTM-Saison 2021 nicht mehr mit dem Space-Drive-Lenksystem in ihrem Audi R8 LMS GT3. Die Entscheidung sei von Schaeffler nach dem vergangenen Rennwochenende auf dem Nürburgring getroffen worden, teilte Abt-Teamchef Thomas Biermaier gegenüber Motorsport-Magazin.com mit.

Über die anvisierten sportlichen Ambitionen der 20-jährigen Nachwuchsfahrerin sagte Biermaier: "Sophia ist Markenbotschafterin bei Schaeffler und Entwicklungsfahrerin für das Space-Drive-System von Paravan. Diese Kombination hat ihr den Einstieg in die DTM mit einem dritten Auto bei ABT Sportsline ermöglicht. Allen Beteiligten war klar, dass 2021 ein Lehrjahr für Sophia sein wird und sie viel von ihren erfahrenen Teamkollegen Kelvin van der Linde und Mike Rockenfeller und unserem Team lernen kann. Das Ziel war einfach: lernen, lernen, lernen und sich kontinuierlich steigern."

Laut Biermaier hätte das Team nicht die geringsten Bedenken gehabt, das Space-Drive-System weiter einzusetzen. Man sei beeindruckt, was das System jetzt schon leistet und die Entwicklung sei ja auch noch gar nicht abgeschlossen.

Laut Schaeffler sei die Umrüstung an Flörschs Fahrzeug in Absprache mit allen Partnern durchgeführt worden. An den ersten vier Rennwochenenden seien bereits wertvolle und ausreichend Daten gesammelt worden, um das Space-Drive-System weiterentwickeln zu können.

In einem Statement des Unternehmens heißt es weiter auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com: "Wir haben beim Space Drive System auf diesem sehr hohen fahrerischen Niveau in der DTM noch Weiterentwicklungspotenzial im R8 LMS GT3 erkannt und wollen Sophia Flörsch die Möglichkeit geben, sich für den Rest der Saison auf ihre eigene Performance zu fokussieren, mit den besten GT3 Fahrern zu messen und sich so fahrerisch weiterzuentwickeln."

Schaeffler wolle Flörsch auf ihrem Karriereweg "mit allen uns zur Verfügung stehenden Optionen unterstützen". Man sei mit den Leistungen der DTM-Debütantin sowie der Performance des Steer-by-Wire-Systems von Schaeffler Paravan sehr zufrieden. Die DTM diene in erster Linie als Beschleuniger für die Weiterentwicklung des Space-Drive-Systems: "Motorsport ist für Schaeffler kein Selbstzweck, sondern eine Entwicklungsplattform für neue Technologien."

Peter Mücke: Bei uns gab es nie Probleme

Im von Peter Mücke geführten Mercedes-Kundenteam Mücke Motorsport habe ein Ausbau des Space-Drive-Systems nie zur Debatte gestanden. Der langjährige Teamchef des Berliner Rennstalls zu Motorsport-Magazin.com: "Über andere Teams kann ich nichts sagen. Bei uns gab es nie Probleme. Wir sind völlig zufrieden und erstaunt, wie schnell alles vorangeschritten ist. Und wir sind ja auch konkurrenzfähig, wie man sehen kann. Ein sehr interessantes und zukunftsträchtiges Thema, davon bin ich überzeugt. Das komplette Team einschließlich Paravan arbeitet sehr gut zusammen. Wenn man neue, innovative Dinge entwickelt, macht es Spaß, zu zeigen, dass es funktioniert."

Space Drive seit 2019 auf Rennstrecken im Einsatz

Das von Schaeffler Paravan entwickelte Space-Drive-System kommt seit 2019 in unterschiedlichen Kategorien zum Einsatz, darunter beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Beim diesjährigen 24h-Rennen erreichte ein als Technologieträger vorbereiteter Mercedes-AMG GT3 mit den Fahrern Philip Ellis, Darren Turner, Tim Scheerbarth und Dominik Farnbacher den 16. Gesamtplatz sowie den Sieg in der SPX-Klasse.

Mit unterschiedlichen Einsätzen im Motorsport verfolgt Schaeffler Paravan mit dem vom DMSB zugelassenen Lenk-System das Ziel, die Weiterentwicklung in der Serienproduktion unter den extremen Belastungen auf der Rennstrecke voranzutreiben. Space Drive hat sich auf gut einer Milliarde unfallfreien Kilometern auf öffentlichen Straßen bewährt und erlaubt es Menschen mit einer Behinderung seit fast 20 Jahren, am Straßenverkehr teilzunehmen.


Weitere Inhalte: