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DTM-Testfahrten Hockenheim: Schnee und rote Flaggen zum Start

Widrige Bedingungen beim ersten Test der neuen DTM-Ära: Kuriose Abbrüche und Schnee stellen die Teams vor große Herausforderungen. Bestzeit für Mercedes.
von Robert Seiwert & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - Die DTM ist mit den Testfahrten auf dem Hockenheimring offiziell in ihre neue GT3-Ära gestartet. 15 Rennwagen von zehn Teams trafen zum Auftakt der zweitägigen Tests erstmals aufeinander. Ehemalige DTM-Champions wie Gary Paffett, Marco Wittmann oder Mike Rockenfeller hatten ebenso mit den schwierigen Witterungsbedingungen zu kämpfen wie DTM-Rookies a la Sophia Flörsch, Alex Albon oder Kelvin van der Linde.

Temperaturen um den Nullpunkt und zwischenzeitlicher Schneefall sorgten für erschwerte Bedingungen für die Teams mit ihren Autos von Audi, BMW, Mercedes und Ferrari. Am Nachmittag um 16:10 Uhr musste die Session wegen des schlechten Wetters sogar für eine Stunde unterbrochen werden. Nach 'Wiederanpfiff' fuhr allerdings kein Auto mehr aus der Garage heraus.

Götz beschert HRT-Mercedes Bestzeit

In der Zeitenliste tauchten über den Tag verteilt wenige schnelle Rundenzeiten auf - die hatten es allerdings in sich. Kurz vor der Mittagspause übernahm DTM-Rückkehrer Maximilian Götz die Spitze der Zeitenliste mit einer Bestzeit von 1:36.590 Minuten. Zum Vergleich: Andere GT3-Serien wie das ADAC GT Masters schafften zuletzt in Hockenheim Rundenzeiten im unteren 1:38er-Bereich - bei wesentlich besseren Verhältnissen.

"Wir hatten es schwieriger erwartet, aber wenn es einmal rollt, dann rollt es", sagte HRT-Fahrer Götz zu Motorsport-Magazin.com. "Wir kennen das aus Hockenheim. Und weil hier gestern Autos gefahren sind, war der Grip ganz gut. Allerdings kühlen die Reifen ziemlich schnell aus. Beim Rausfahren aus der Box eiert man vier Runden lang rum. Das liegt aber nicht an den Michelin-Reifen, sondern an den Bedingungen."

DTM soll schnellste GT3-Serie der Welt werden

Verantwortlich für den flotten Auftakt war unter anderem die für den Hockenheim-Test speziell eingestellte Balance of Performance. Die Restriktionen für die unterschiedlichen Fahrzeugkonzepte im Starterfeld waren zunächst relativ niedrig angesetzt, um einen Ausgangspunkt für künftige, rein virtuell ausgearbeitete Einstellungen zu schaffen.

Beim nächsten ITR-Test auf dem Lausitzring soll die BoP sich mehr nach den Rennen richten. "Die DTM strebt an, die schnellste GT3-Serie der Welt zu werden", kündigte ITR-Technologiechef Michael Resl unabhängig von den Rundenzeiten in Hockenheim an.

Sophia Flörsch im Space-Drive-Audi beim DTM-Test - Foto: Privat

Autos zu laut: Mittagspause verlängert

In der Mittagspause hatten die Teams mehr Zeit als erwartet, erste Daten auszuwerten. Die Pause wurde kurzfristig um eine auf zwei Stunden verlängert, nachdem es Ärger um Autos der DTM Trophy gab, die gegen die Lärmbestimmungen verstießen. Da die Testfahrten als C-Test angemeldet waren, herrschten niedrigere Dezibel-Grenzen als bei anderen Test-Eingruppierungen, bei denen die Autos zwar lauter sein dürfen, dafür aber längere Ruhezeiten veranschlagt werden.

Der Dezibel-Vorfall - insgesamt gab es sechs Verstöße durch Trophy-Autos von BMW - sorgte schon am Morgen kurz nach dem Testauftakt für rote Flaggen, weil ein Dezibelmesser in Kurve 1 ein Übertreten des Geräuschpegels anzeigte. Durch diese Vorkommnisse verloren alle Teams und Fahrer wertvolle Zeit auf der Strecke.

DTM-Rookie im Kiesbett

Für die zweite rote Flagge und damit einhergehende kurzzeitige Unterbrechung von neun Minuten sorgte DTM-Rookie Dev Gore. Der US-Amerikaner vom Audi-Team Rosberg landete mit seinem R8 LMS GT3 im Kiesbett. Weitere nennenswerte Vorfälle oder Unfälle gab es zum Auftakt der zweitägigen Tests nicht zu vermelden.

Den aus Sicht der Rundenzeiten besten Auftakt erwischte das Mercedes-Team HRT um den ehemaligen DTM-Fahrer Hubert Haupt: Hinter Götz fuhr der erst am Dienstag offiziell vorgestellte Vincent Abril die zweitschnellste Zeit auf dem 4,574 Kilometer langen Kurs. Auf dem dritten Platz der kombinierten Zeitenliste reihte sich GT3-Spezialist und DTM-Rookie Kelvin van der Linde ein.

Sophia Flörsch im Space-Drive-Audi

Der zweifache GT-Masters-Champion teilt sich in Hockenheim einen der drei Abt-Audis mit Mike Rockenfeller. Teamkollegin Sophia Flörsch ist beim Test noch nicht mit 'ihrem' Audi unterwegs, sondern sitzt im speziellen Schaeffler-Paravan-R8, der mit dem Space-Drive-Lenksystem ausgestattet ist.

"Jeder Kilometer ist wertvoll und ich bin super-happy mit der Arbeit des gesamten Teams", sagte Flörsch zu Motorsport-Magazin.com. "Natürlich waren die Temperaturen nicht wie erhofft und zu Beginn hatte ich mit dem ABS, das für mich neu ist, ein paar Probleme. Außerdem musste der Restriktor getauscht werden, weil ich am Vormittag fast 20 km/h Topspeed verloren hatte. Am Nachmittag war es dann okay. Durch den Schnee konnten wir das Programm nicht wie geplant durchziehen, aber morgen haben wir noch einen Tag."

DTM-Rookie Sophia Flörsch im Cockpit des Audi R8 LMS GT3 - Foto: Privat

Zum Vergleich: Während Nico Müller es mit seinem Audi R8 auf eine Spitzengeschwindigkeit von 276,92 km/h brachte, kam Flörsch mit ihrem Fahrzeug nicht über einen Topspeed von 259,61 km/h am Ende der langen Parabolika-Kurve hinaus.

Das im Motorsport innovative Lenksystem kommt auch bei Gary Paffetts Mücke-Mercedes zum Einsatz. "Die Rundenzeiten sind ziemlich nah beieinander", sagt der zweifache DTM-Champion. "Und es ist fantastisch zu sehen, dass das System funktioniert." Bei ROWE Racing soll nach Informationen von Motorsport-Magazin.com Timo Glock ebenfalls einen Space-Drive-BMW fahren. In Hockenheim ist das Lenksystem im M6 GT3 des Teams allerdings noch nicht montiert. Eine offizielle Bestätigung, ob Space Drive generell in der DTM-Saison 2021 eingesetzt wird, gibt es wegen offener Formalitäten noch nicht.

Der spektakuläre Ferrari 488 GT3 von Red-Bull-Pilot Liam Lawson - Foto: DTM

DTM-Test: Buhk ersetzt Paffett

Paffett konnte sich nur an diesem Mittwoch mit dem GT3-Auto vertraut machen. Weil der Brite im Anschluss nach Rom zum nächsten Rennwochenende der Formel E in seiner Funktion als Mercedes-Berater reist, verpasst er den Donnerstag in Hockenheim. Um weitere Daten sammeln zu können, schickt Mercedes-AMG stattdessen GT-Ass Maxi Buhk als Fahrer für den Mücke-Mercedes.

Auch Nico Müller macht sich auf nach Rom zu seinem Formel-E-Team Dragon/Penske. Für den Schweizer, der dieses Jahr von Abt zu Rosberg gewechselt ist, ist kein Ersatzmann eingeplant. Müller gelang es am Nachmittag als einzigem Fahrer, die 1:37-Marke zu knacken. Bei immer schlechteren Witterungsverhältnissen folgte Liam Lawson im AF Corse Ferrari mit rund einer Zehntelsekunde Rückstand.

Lawson schneller als Albon

"Ich habe mich im Auto sehr wohlgefühlt", sagte DTM-Rookie Lawson nach seinen ersten Runden zu Motorsport-Magazin.com. "Das ist ja nicht selbstverständlich. Der erste Eindruck war gut, aber wir wollen die Rundenzeiten nicht überbewerten."

Der eigentliche Formelpilot war schneller unterwegs als sein prominenter Teamkollege Alex Albon. Der Formel-1-Testfahrer wechselt sich während der Saison mit Nick Cassidy am Steuer des zweiten AF Corse Ferrari ab, wobei Cassidy wegen seiner Formel-E-Verpflichtungen den Hockenheim-Test auslässt.

Nach dem verschneiten Auftakt der Testfahrten ruhen die Hoffnungen für den Donnerstag (im Live-Ticker auf Motorsport-Magazin.com) auf besserem Wetter. Die Unterbrechungen aus unterschiedlichen Gründen kosteten die Teams am Mittwoch mehr als 2:20 Stunden Streckenzeit.


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