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Ellen Lohr: Schnelle Frau in der DTM nur eine Frage der Zeit

Passend zum Weltfrauentag: Wer wird die nächste Frau in einem DTM-Auto? Rennsiegerin Ellen Lohr sieht gute Voraussetzungen auch durch das neue Reglement.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die Welt feiert an diesem Montag, 08. März traditionell den Weltfrauentag. Die Gleichstellung von Frau und Mann ist längst auch im Motorsport ein großes Thema. In einer über Jahrzehnte hin von Männern dominierten Domäne hatten und haben es Frauen oftmals schwer, gleichbehandelt zu werden. Damen in Rennwagen bildeten stets eine große Ausnahme und standen nicht selten mehr wegen ihres Geschlechts als wegen ihrer Rundenzeiten im Fokus.

Sucht man im Rennsport nach positiven Beispielen, kommt man am Namen 'Ellen Lohr' nicht vorbei. Die gebürtige Mönchengladbacherin ist bis heute die einzige Frau in der über 30-jährigen Geschichte der DTM, die ein Rennen gewinnen konnte. Der Moment, als Lohr am 24. Mai 1992 in Hockenheim ihre Mercedes-Teamkollegen Keke Rosberg und den späteren DTM-Rekordmeister Bernd Schneider hinter sich ließ und triumphierte, ist einer für die Ewigkeit.

"Keke hat es schwer ertragen", erinnerte sich einst der frühere DTM-Boss Hans Werner Aufrecht mit einem Schmunzeln. Lohrs Sieg bleibt den meisten Fans bis heute im Gedächtnis, dabei hat sie in der DTM noch wesentlich mehr geleistet. In 141 Rennen zwischen 1991 und 1996 fuhr sie für Mercedes viermal auf das Podium.

Nach dem DTM-Ende 1996 setzte Lohr ihre Karriere in unterschiedlichen Disziplinen fort, darunter bei der Rallye Dakar, dem 24-Stunden-Rennen Nürburgring und der Truck Racing Europameisterschaft. 2019 gab Lohr ein Comeback in der NASCAR Euroserie.

So sehen Siegerinnen aus: Ellen Lohr vor Keke Rosberg und Bernd Schneider - Foto: DTM

Lohr: Nächste Frau in der DTM nur eine Frage der Zeit

Elf Damen traten bislang in der Geschichte der DTM an. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir wieder schnelle Frauen in der DTM haben", sagt Lohr anlässlich des Weltfrauentages auf der offiziellen DTM-Webseite. Heute herrschen andere Voraussetzungen als früher, vor allem für ambitionierte Nachwuchspilotinnen. Die Initiative 'Women in Motorsport' des Automobil-Weltverbandes FIA oder die von Susie Wolff (früher selbst in der DTM) gegründete Organisation 'Dare to be different' führt Lohr als Gründe an.

Lohr: "Die körperlichen Voraussetzungen, die im Motorsport benötigt werden, sind auch bei Frauen gegeben." Entscheidend sei für sie vielmehr die Unterstützung. "Es hat viele Jahre nicht wirklich Fortschritte gegeben, aber jetzt geht es Schlag auf Schlag. Es wachsen im Nachwuchsbereich gerade starke Generationen heran, die auf einem guten Level sind, um schon bald in der DTM zu bestehen."

Einzige Rennsiegerin der DTM-Geschichte: Ellen Lohr - Foto: Daimler AG

Lohr: DTM mit GT3-Autos beste Zeit für Frauen

Die langjährige Mercedes-Pilotin ergänzt: "Durch den Wechsel der DTM zu GT3-Rennwagen kommt jetzt die beste Zeit für eine Frau, um in der DTM erfolgreich zu sein." Susie Wolff, inzwischen Teamchefin des Formel-E-Rennstalls Venturi, und Audi-Werkspilotin Rahel Frey waren bis einschließlich 2012 die letzten Frauen, die in der Tourenwagenserie an den Start gingen.

Frauen in GT3-Autos, die ab 2021 auch in der DTM zum Einsatz kommen, sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Im ADAC GT Masters starteten in den vergangenen Jahren unter anderem Carrie Schreiner (ein Podestplatz 2019), Gosia Rdest, Mikaela Ahlin-Kottulinsky oder Porsche-Fahrerin Simona de Silvestro. Michelle Halder machte zuletzt in der TCR-Kategorie auf sich aufmerksam.

Frauen-Power im ADAC GT Masters: Carrie Schreiner und Gosia Rdest - Foto: ADAC GT Masters

Flörsch und Co. sorgen in Le Mans für Furore

Bei den 24 Stunden von Le Mans sorgte im vergangenen Jahr gar ein reines Frauen-Team für Furore auf der weltweiten Bühne des Motorsports. Sophia Flörsch, Tatiana Calderon und Beitske Visser gaben 2020 im LMP2-Auto von Richard Mille Racing ihr Debüt in Le Mans. Das Damen-Trio schloss den Langstrecken-Klassiker auf dem 13. Gesamtplatz im Feld der 59 Rennwagen ab. Im stark besetzten Feld der LMP2-Kategorie mit Fahrern wie Paul Di Resta, Juan Pablo Montoya oder Jean-Eric Vergne sprang mit Platz neun gar ein Top-10-Resultat heraus.

In diesem Jahr steigt das Team sogar in die WEC Langstrecken-Weltmeisterschaft auf und strebt nach einer weiteren Teilnahme bei den 24 Stunden von Le Mans. Die gebürtige Münchnerin Flörsch teilt sich den Prototypen erneut mit der Kolumbianerin Calderon und Visser aus den Niederlanden.

Sophia Flörsch 2020 beim DTM-Finale in Hockenheim - Foto: Jan Beyer

Sophia Flörsch schnuperte DTM-Luft

Flörsch schnupperte beim letztjährigen Saisonfinale auf dem Hockenheimring bereits DTM-Luft, als sie im Rahmenprogramm Show Runs mit dem Demoauto der DTM Electric absolvierte.

Die 20-Jährige nach ihren ersten Runden mit dem 1.200 PS starken Wagen, der von vier Einzelmotoren angetrieben wird, zu Motorsport-Magazin.com: "Das Auto steht einfach total cool da und die meisten Motorsport-Fans haben sich inzwischen damit angefreundet, dass Autos in Zukunft nicht mehr mit traditionellen Motoren fahren werden. Und das Wichtigste ist, dass die DTM eine Zukunft hat und es sie weiter geben wird."

Sophia Flörsch gab 2020 ihr Debüt bei den 24 Stunden von Le Mans - Foto: Jan Beyer

Berger: Top-Frau im DTM-Auto wäre schön

Während die DTM Electric aktuell noch Zukunftsmusik ist, bietet die umstrukturierte GT3-DTM vielen neuen Fahrer_innen die Möglichkeit, in einer der bekanntesten Rennserien der Welt an den Start zu gehen. Serienchef Gerhard Berger würde die nächste Frau in der DTM sicherlich gefallen. Unter dem Österreicher gab schon die W Series, die erste reine Formel-Rennserie der Welt, ihr Debüt im Rahmen der DTM.

"Es wäre schön, eine der Top-Frauen in einem DTM-Auto zu sehen", sagte Berger damals. "Zumindest in einem Test. Darum geht es: Ihnen die Möglichkeit für den nächsten Schritt zu geben." Die weiterhin auch für Sponsoren und Partner attraktive Plattform der DTM könnte in Zukunft auch wieder eine Fahrerin im Cockpit hervorbringen. "Das wäre natürlich ein mega Traum", antwortete etwa Flörsch zuletzt auf Twitter auf die Frage eines Fans, ob sie einmal in der DTM fahren wird.

Im Rahmenprogramm der DTM werden auch 2021 Fahrerinnen aktiv sein. Die 22-jährige Sophie Hofmann aus dem sächsischen Waldenburg wird in der GT4-Nachwuchsserie DTM Trophy an den Start gehen - um sich für den Aufstieg in die 'große' DTM zu empfehlen.

Die Damen im Ford-Fiesta-Markenpokal - Foto: Ford-Werke Köln

Rückblick: Frauen in der DTM

Mit Lohr, Annette Meeuvissen (1988-1991), Susie Wolff (2006-2012), Vanina Ickx (2006-2007), Katherine Legge (2008-2010), Rahel Frey (2011-2012), Beate Nodes (1985-1988), Mercedes Stermitz (1988), Lella Lombardi (1984), Henny Hemmes (1984-1985) und Traudl Klink (1986) starteten insgesamt elf Frauen in der DTM.

Dabei war nicht nur Ellen Lohr, die als Frau im Tourenwagen ein Ausrufezeichen setzen konnte. Beate Nodes, die aus dem sehr beliebten Ford-Fiesta-Markenpokal in den frühen 80er Jahren aufgestiegen war, fuhr als erste Frau aufs DTM-Podium. Im Ford Sierra XR4Ti wurde sie 1986 auf der Avus in Berlin als Dritte gewertet. 1994 beendete sie im Alter von 30 Jahren ihre aktive Motorsportkarriere und wurde Geschäftsführerin eines Schuhhauses. Nodes verstarb 2008 im Alter von nur 44 Jahren an Herzversagen.


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