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DTM Electric - Sophia Flörsch: So geil fühlen sich 1.200 PS an

Die DTM liefert in Hockenheim einen 1.200 PS starken Ausblick auf die Zukunft. Sophia Flörsch ist das beeindruckende Elektro-Auto bereits gefahren.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Man kann ein neues Projekt per Power Point präsentieren - oder gleich ein richtiges Rennauto auf den Asphalt stellen. So geschehen am Rande des DTM-Finales in Hockenheim, wo Schaeffler und die ITR die sogenannte DTM Electric vorstellten. Die Rennserie könnte 2023 ihr Debüt geben und soll schon vorher ins Rahmenprogramm eingebunden werden.

Auf dem Hockenheimring zeigte ein eigens aufgebautes Demo-Car mit 1.200 PS und angetrieben von vier Motoren, wohin die Reise gehen kann. Formel-3-Fahrerin Sophia Flörsch gehörte zu den Ersten, die das Fahrzeug auf der Strecke testen durften. Die 19-jährige Münchnerin im Interview mit Motorsport-Magazin.com über ihre Eindrücke.

Sophia, wie fährt sich eigentlich ein Rennauto mit 1.200 PS?
Sophia Flörsch: Sehr gut! Ich durfte das Auto ja schon am Donnerstag für ein paar Runden fahren. Die Beschleunigung mit 1.200 PS ist einfach krass. Und durch den elektrischen Antrieb fühlt es sich noch extremer an. Du wirst in den Sitz gedrückt, das ist ein geiles Gefühl. Und weil auch die Schaltvorgänge wegfallen, fühlte es sich ganz anders an als alle Rennautos, die ich bisher gefahren bin.

Sophia Flörsch beim DTM-Saisonfinale auf dem Hockenheimring - Foto: Jan Beyer

Bist du beim ersten Test auch richtig schnelle Rundenzeiten gefahren?
Sophia Flörsch: Bei dem Auto handelt es sich ja um ein Demo-Car, in dem man nicht mit 300 Sachen über den Hockenheimring fliegt. Das Enorme ist hier vor allem die Beschleunigung. Natürlich ist das Auto auch noch einiges schwerer als in der späteren finalen Version. In den nächsten Monaten steht ganz viel Entwicklungsarbeit an, um das Auto noch besser zu machen. Wobei die vier Motoren pro Rad schon enorm gut sind, da muss sich meiner Meinung nach nicht viel ändern.

Wie gefällt dir die Optik?
Sophia Flörsch: Beim Design haben Schaeffler und die DTM einen mega Job gemacht. Die Lackierung, der riesige Heckflügel, die aggressive Frontpartie mit den Scheinwerfern - das sieht schon geil aus, oder? Allein von der Optik sieht es einem DTM-Auto ziemlich ähnlich. Und wenn man bedenkt, dass die Jungs von Schaeffler das Auto innerhalb weniger Monate aufgebaut haben, war das enorm gute Arbeit.

Das Demo-Car der DTM Electric bringt es auf 1.200 PS Leistung - Foto: DTM

Das Auto ist mit der Steer-by-Wire-Lenktechnologie ausgestattet. Wie fühlt sich das an?
Sophia Flörsch: Im ersten Moment komisch. Ich war ehrlich gesagt aber überrascht, wie nahe es einer traditionellen Lenkung kommt und wie gut es in den meisten Kurven beim Lenken reagiert. Die Ingenieure haben mir gesagt, dass im Auto noch nicht mal der letzte Stand der Software verbaut ist, sondern, dass es schon wieder neue Fortschritte gibt. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Lenkung in Zukunft in weiteren Rennserien zum Einsatz kommt.

Bei Elektro-Autos im Motorsport ist der Sound immer ein Thema. Wie war es in diesem Auto?
Sophia Flörsch: Zuerst ist Timo (Scheider; d. Red.) das Auto gefahren. Als er an mir vorbeifuhr, klang es ein bisschen wie ein Düsenjet. Das Auto ist halt elektrisch und du hörst nicht diese Puffs und Paffs, also laute Motorgeräusche. Aber eigentlich hört sich das Auto geil an. Klar, wenn du ein totaler Petrol-Head bist, wird dich der Sound vielleicht stören.

Sophia Flörsch durfte das Demo-Car von Schaeffler bereits fahren - Foto: Jan Beyer

Und wie hörte es sich im Cockpit an?
Sophia Flörsch: Ich war ehrlich überrascht, wie gut der Sound im Cockpit ist. In Verbrenner-Rennautos hörst du den Motor gar nicht so extrem und du hast ja deinen Funk im Ohr. Ich hatte erwartet, dass ich im Elektro-Auto fast gar nichts höre. Aber da war so ein Summen, so ein - wie soll ich sagen - aggressives Summen. Das hat mir echt gut gefallen und die Geräusche brauchst du ja auch als Rennfahrer.

Was glaubst du, wie die Motorsport-Fans auf die DTM Electric reagieren?
Sophia Flörsch: Ich glaube, dass einige ziemlich überrascht waren, und dass das Feedback mehrheitlich positiv ausfallen wird. Das Auto steht einfach total cool da und die meisten Motorsport-Fans haben sich inzwischen damit angefreundet, dass Autos in Zukunft nicht mehr mit traditionellen Motoren fahren werden. Und das Wichtigste ist, dass die DTM eine Zukunft hat und es sie weiter geben wird.

Der E-Tourenwagen dreht beim Saisonfinale in Hockenheim seine ersten Runden - Foto: DTM

Sind jüngere Fans offener für Elektromobilität im Rennsport?
Sophia Flörsch: Das variiert. Ich glaube aber, dass es meiner Generation wichtig ist, auf Nachhaltigkeit zu schauen. Die Umwelt ist sowieso ein heiß diskutiertes Thema, auch bei uns in der Jugend. Wenn ich mit meinen Freunden spreche, finden die auch die Formel E ziemlich cool. Es gibt natürlich auch einige, die den Sound und den Benzingeruch vermissen, wie sie ihn immer gewohnt waren.

DTM Electric: So sieht das 1.200-PS-Rennauto aus: (01:03 Min.)


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