DTM - Interview - Gary Paffett gibt private Einblicke

Mercedes-Pilot über Kindheit und Familie

Gary Paffett ganz privat. Im Interview erzählt der Mercedes-DTM-Pilot über seine Anfänge sowie das Familienleben als Rennfahrer.

Motorsport-Magazin.com - Gary, wann bist du das erste Mal mit Motorsport in Berührung gekommen?
Gary Paffett:
Ich denke, das war als mir mein Vater im Alter von achten Jahren ein Go-Kart gekauft hat. Ich bin wahrscheinlich schon davor mit ihm zusammen als Zuschauer bei Rennen gewesen, aber daran kann ich mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern. Meine ersten Erinnerungen an Motorsport sind jene ersten Rennen als Achtjähriger. Diese ersten Erinnerungen sind geprägt von purer Furcht und Aufregung. Du bist ein Neuling, fährst zum ersten Mal Rennen gegen Jungs, die das schon seit einigen Jahren machen. Meine ersten Erinnerungen handeln eigentlich nur davon, die meiste Zeit verängstigt gewesen zu sein... (lacht)

War dein Vater vorher im Motorsport involviert?
Gary Paffett:
Nein, das würde ich nicht sagen. Aber er war natürlich ein großer Motorsport-Fan. Er reiste durch Europa, um Formel-1-Rennen und andere Veranstaltungen zu besuchen und fuhr auch selbst zum Spaß Rennen. Er fuhr auf Clubsport-Ebene Rallyes, Tourenwagen und Schalt-Go-Karts.

Die finanzielle Unterstützung durch deinen Vater hat bei deiner Entscheidung, eine große Rolle gespielt. War es damals genauso schwierig für junge Talente wie heute?
Gary Paffett:
Es hängt immer davon ab, womit du beginnst. Mein Vater hat im Prinzip all sein Geld in meine Motorsport-Karriere investiert. Das ist natürlich extrem. Aber was es ihn gekostet hat, ist im Vergleich zu heute gar nichts. Wenn ich heute erst in den Motorsport einsteigen würde, würde ich nicht einmal annährend dorthin kommen, wo ich jetzt bin. Heute ist alles sehr viel teurer. Die Geldbeträge, die Leute jetzt für ein Jahr im Kartsport ausgeben, sind verrückt. Wir sind früher mit einem Transporter oder einem Wohnwagen und einem Zelt angereist und haben alles auf eigene Faust gemacht. Das ist heutzutage mehr oder weniger inakzeptabel. Es ist viel professioneller und damit auch viel teurer.

Welche Sportarten hast du vor dem ersten Kontakt mit dem Rennsport ausgeübt?
Gary Paffett:
Eigentlich nur das normale Zeug in der Schule. Hier ein bisschen Fußball, da ein bisschen Rugby, wobei ich darauf nicht so stand. Ich wuchs in Devon auf, einem sehr kleinen Ort im Südwesten Englands. Dort war ehrlich gesagt nicht so viel los. Aber ich erinnere mich an eine Sache... Ich habe selbst nie Golf gespielt, aber als ich sehr klein war, habe ich mal einen Golfschläger ins Gesicht bekommen. (lacht) Davon abgesehen war ich aber in keinem Sport großartig aktiv.

Wann hast du für dich entschieden, dass du dein Leben dem Motorsport widmen willst?
Gary Paffett:
Ich denke, da gab es ein paar unterschiedliche Momente, in denen entweder mein Vater oder ich eine Entscheidung in diese Richtung getroffen haben. Wenn du anfängst, fährst du erstmal ein paar Jahre nur Clubrennen. Dann beginnst du, an nationalen Veranstaltungen teilzunehmen. Das hat mir mein Vater einige Jahre lang so gut es finanziell ging ermöglicht. Als ich ungefähr zehn Jahre alt war, wollte eines der großen Kart-Teams aus Großbritannien, dass ich für sie fahre. Ein Teil dieses Deals war, dass mein Vater für das Team arbeiten würde. An diesem Punkt traf er natürlich die Entscheidung und wir zogen um. Das war die erste Entscheidung, diesen Weg zu gehen. Meine persönliche Entscheidung traf ich dann mit 16 Jahren. Ich hatte gerade meinen Abschluss gemacht und mich für die College A-Levels angemeldet. Aber ungefähr eine Woche bevor es losgehen sollte, entschied ich, dass ich es doch nicht machen wollte.

War dies der Tag in deinem Leben, an dem du am Scheideweg gestanden hast?
Gary Paffett:
Ja, ich denke, das war der Tag. Das sticht für mich heraus. Ich habe für mich entschieden, nicht zurückzugehen und stattdessen für das Kart-Team zu arbeiten, das meine Go-Karts gebaut hat. Im Grunde genommen war ich dort wie ein Mechaniker. Das war wohl der Punkt, an dem ich persönlich entschieden habe, was ich machen wollte.

Wie glaubst du, würde dein Leben heute aussehen, wenn du dich für das College und nicht für den Motorsport entschieden hättest?
Gary Paffett:
Das Ding ist, ich hätte deshalb nicht mit dem Racing aufgehört. Ich wäre zum College gegangen und wäre weiter Rennen gefahren. Dadurch wäre ich nicht so konzentriert gewesen. Ob ich dann bis zu dem Level gekommen wäre, auf dem ich jetzt bin, weiß ich nicht. Es wäre wohl etwas schwieriger geworden. Dafür wäre ich heute vielleicht gebildeter, was auch nützlich sein kann.

Warst du gut in der Schule?
Gary Paffett:
Ich würde sagen, ich war ziemlich durchschnittlich. Ich habe mich ganz gut angestellt, aber ich war weder ein Überflieger noch eine Niete. Ein paar Fächer haben mir Spaß gemacht und ein paar nicht. Aber schon während meiner Schulzeit ging all meine Zeit und Energie für den Motorsport drauf. Als junger Mann, der Go-Kart-Rennen fährt, hast du zwei völlig unterschiedliche Leben. Du hattest dein Schulleben, was von Montag bis Donnerstag oder Freitag stattfand. Hier hattest du deine Schulfreunde. Und dann hattest du von Freitag bis Sonntag dein Motorsport-Leben, in dem du das Wochenende mit einem komplett anderen Freundeskreis verbracht hast. Du lebst zwei völlig unterschiedliche Leben und das hat es manchmal schwierig gemacht. Denn während du bei einem Rennen warst, hast du verpasst, was in der Schule abging oder was deine Schulfreunde am Wochenende gemacht haben. Das hat die Schule schon etwas beeinträchtigt. Aber ich habe mich trotzdem okay angestellt, nur konnte ich mich für nichts wirklich begeistern. Ich hatte mich also für die Weiterbildung angemeldet und die Woche vorher entschied ich, dass ich das nicht wollte und stattdessen lieber meine ganze Zeit dem Ziel widmen wollte, Rennfahrer zu werden.

Gary, du hast deine Frau Lisa über den Motorsport kennengelernt, richtig?
Gary Paffett:
Ja, Lisas Bruder Craig ist etwa drei Jahre jünger als ich und er fuhr an den gleichen Wochenenden wie ich, nur in einer anderen Klasse. Genau wie wir kamen sie als Familie an die Rennstrecke und so habe ich Lisa das erste Mal an der Kartbahn getroffen, als ich etwa 14 oder 15 Jahre alt war.

Kannst du dich an das erste Mal erinnern, als du sie nach einem Date gefragt hast?
Gary Paffett:
Ja, und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nein gesagt hat. (lacht) Zu dieser Zeit hatte ich noch keinen Führerschein und unsere Eltern mussten uns fahren. Ich besuchte sie, ich glaube es war an Silvester oder Neujahr. Es war auf jeden Fall zur Weihnachtszeit. Jedenfalls fragte ich sie nach einem Date und sie sagte ja. Aber am nächsten Tag sagte sie mir, dass sie eigentlich schon mit jemand anderem ausginge und sie nicht könne. Danach habe ich es einfach weiter versucht. Wie man sieht, habe ich mein Ziel am Ende erreicht. Aber sie hatte ihr Leben zuhause und erst als wir beide Autofahren durften, kamen unsere Leben zusammen.

Fuhr sie damals auch Rennen?
Gary Paffett:
Nein. Ich glaube, sie hat es einmal versucht und sich dabei fast wehgetan. An dem Punkt hat sie dann aufgehört.

Was war der angsteinflößendste Moment in deinem Leben?
Gary Paffett:
Hmm... ein angsteinflößender Moment. Wahrscheinlich, eines meiner Kinder im Supermarkt aus den Augen zu verlieren. (lacht) Ich weiß es nicht. Ich hatte im Privatleben noch nicht allzu viele Momente, in denen ich wirklich Angst hatte. Die schlimmsten Augenblicke waren wohl im Rennwagen. Davon abgesehen hatte ich bisher ein ziemlich ruhiges Leben. Aber der schlimmste Gedanke ist sicher, wenn Lisa oder den Kindern etwas passiert sein könnte. Wenn ich sie zuhause erwarte und sie kommt nicht und ich kann sie nicht erreichen, oder du drehst dich um und deine Kinder sind weg und du musst sie suchen. Dann mache ich mir die größten Sorgen. Oder wenn sich meine Kinder verletzt haben.

Du bist sehr jung Vater geworden. Wie hat sich das auf deine Motorsport-Karriere ausgewirkt?
Gary Paffett:
Wir hatten damals keine Angst und sagten uns einfach: Okay, es war nicht geplant, aber hey das kriegen wir schon hin. Selbst in dem jungen Alter habe ich weiter das getan, was ich tun musste. Lisa ist unglaublich, sie tut immer das Richtige. Sie weiß, wenn ich meine Ruhe brauche oder wenn ich viel zu tun habe. Dann übernimmt sie einfach das Ruder und kümmert sich um alles. So war es auch, als wir Harvey bekamen. Er kam Anfang 2004 zur Welt, in meinem ersten Jahr mit HWA in der DTM. Ich habe das erste Rennen in Hockenheim gewonnen, also war es offensichtlich nichts Schlechtes. Wenn ich zurückblicke, könnte man sagen, dass 2004 und 2005 meine beiden besten Jahre in der DTM waren - und das als frischgebackener Vater. Ich habe nicht das Gefühl, dass es mich im Motorsport irgendwie negativ beeinträchtigt hätte.

Nach Harveys Geburt kamen Lisa und er für die nächsten zwei Jahre zu jedem Rennen. Als Baby schlief er an den Rennwochenenden jede Nacht im selben Hotelzimmer wie wir. Andere Fahrer organisieren sich für ihre Frau und das Baby ein zweites Zimmer, damit sie ihre Ruhe haben können. Okay, ich schlafe immer sehr gut und das hat mir wahrscheinlich geholfen. Für Lisa ist es wohl eine sehr nervige Eigenschaft, dass ich alles um mich herum ausblenden und mich nur auf eine Sache konzentrieren kann. Wenn ich an die Rennstrecke komme und kurz davor bin, ins Auto zu steigen, kann ich alles ausblenden. Nichts kann mich dann noch ablenken. Ich konzentriere mich auf mich und mein Racing. Ich denke über nichts anderes mehr nach. Für manche Leute ist das vielleicht nicht richtig, einfach alles andere zu vergessen. Aber dazu musst du in der Lage sein. Du musst alles andere aus deinem Kopf streichen, um dich auf deinen Job zu konzentrieren. Ich kann das und es passiert nicht einmal bewusst, es geschieht automatisch.

Haben deine Söhne auch eine Leidenschaft für den Rennsport?
Gary Paffett:
Sie haben alle eine Leidenschaft dafür, aber ich habe keine dafür, dass sie es machen. Sie sind ein paar Mal mit Go-Karts gefahren und es hat ihnen Spaß gemacht. Sie würden es ehrlich gesagt alle gerne machen, aber der Sport hat sich so verändert, seit ich damals angefangen habe. Es ist aber nicht nur das. Ich schaue auch auf den Weg, den ich zurückgelegt habe und die Menschen, die ich dabei getroffen habe. Leute, die es nicht geschafft haben und es hätten schaffen sollen. Und manchmal denke ich auch, dass ich es weiter hätte schaffen sollen, als ich es geschafft habe.

Klar, jeder Job ist hart und vielleicht bist du nicht erfolgreich und andere schon. Aber ich denke, dass Motorsport ein wirklich harter Sport ist, um darin erfolgreich zu sein. Vor allem wenn du nicht extrem viel Geld hast. Die Summen, die heute notwendig sind, um mit Motorsport deinen Lebensunterhalt zu verdienen, sind ziemlich heftig. Was du für deine Kinder möchtest, ist, dass sie etwas verfolgen, bei dem sie Geld verdienen. Sie sollen davon ihren Lebensunterhalt bestreiten und eine Karriere haben, so wie ich es getan habe. Im Moment sehe ich im Motorsport keinen guten Weg für junge Fahrer, einzusteigen und eine Karriere daraus zu machen. Es ist etwas, das man zum Spaß betreiben und genießen kann. Aber es ist nichts, wovon ich denke, dass es für einen Fahrer einfach ist, seinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten. Es gibt nur sehr wenige Menschen dort draußen, die sagen können, dass ihr ganzes Leben und ihre Karriere nur aus Racing bestehen.


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