DRS / Interview

Duell der Konzerntöchter - Maik Stölzel

Interessant gestaltet sich der Kampf der beiden Konzerntöchter Porsche und Škoda in der Deutschen Rallye Meisterschaft (DRM).

Motorsport-Magazin.com - Im vergangenen Jahr konnte bei der AvD-Sachsen-Rallye nach 26 Jahren erstmals wieder ein Porsche einen Lauf zur DRM gewinnen. In diesem Jahr strebt Škoda mit dem neuen, allradgetriebenen Fabia S2000 nach dem Sieg. Am Steuer befindet sich neben dem 23-jährigen Youngster Mark Wallenwein (Stuttgart) der 6-fache Deutsche Rallye Meister, Matthias Kahle (Köln). Gemeinsam mit Maik Stölzel (Zwickau), der bei seiner Heimrallye erstmals im Porsche an den Start geht, möchten wir die Vor- und Nachteile der beiden Antriebskonzepte beleuchten:

Maik, in diesem Jahr gehst du erstmals mit einem Porsche bei deiner Heimveranstaltung an den Start. Wie beurteilst du deine Chancen
Maik: Ehrlich gesagt nicht so gut wie in 2009. Im vergangen Jahr waren keine S2000 am Start und die Gruppe-N Fahrzeuge hatten weniger Leistung. Ich erwarte, dass die allradgetriebenen Fahrzeuge in diesem Jahr auf den Wertungsprüfungen wesentlich schneller sind. Bei den GT3 hat es meiner Meinung nach kaum Verbesserungen gegeben. Es wird also deutlich schwieriger für uns, mit einem Porsche ganz an der Spitze zu fahren.

Ein 18. Gesamtrang beim Saisonauftakt in Schleswig-Holstein und ein 10. Platz in Hessen zeigt eine positive Tendenz. Was waren für dich die größten Herausforderungen bei den ersten beiden Läufen?
Maik: Beim ersten Lauf in Schleswig-Holstein war das Wetter nicht geeignet für unseren heckgetriebenen Porsche. Der zweite Lauf hatte einen viel zu hohen Schotteranteil in der gesamten Veranstaltung. Ab der zweiten Prüfung gab es bereits einige Schwierigkeiten mit dem Handling. Es ist halt nicht so einfach, fast 400 PS an der Hinterachse auf losem Untergrund auf die Straße zu bringen. Gegen Ende der Rallye kamen dann auch noch zwei schleichende Plattfüße dazu. Wir hoffen daher bei unserer Heimveranstaltung auf besseres Wetter und wenig Schotter.

Olaf Dobberkau hat im vergangenen Jahr gezeigt, dass der Porsche siegfähig ist. Wo liegen denn die Vorteile des Hecktrieblers bei der AvD-Sachsen-Rallye?
Maik: Ich denke, es sind die sehr flüssig zu fahrenden Prüfungen, die einem GT-Fahrzeug entgegenkommen. Und eins ist noch ganz wichtig: es muss trocken sein.

Welche Prüfungen kommen daher dem Auto am besten entgegen?
Maik: Ohne Zweifel sind die Prüfungen zwei und drei, Neuschönburg und der Rundkurs in Zwickau, das beste Jagdrevier für einen Porsche.

Matthias, als 6-facher Deutscher Rallye Meister bist du automatisch in der Favoritenrolle. Im vergangenen Jahr warst du selbst noch mit deinem eigenen Porsche unterwegs. In diesem Jahr steht ein nagelneuer Škoda Fabia S2000 mit Allradantrieb für dich bereit. Wie war die Umstellung zu Jahresbeginn?
Matthias: Eins vorweg: Ich sehe mich überhaupt nicht in der Favoritenrolle. Das Feld in der Deutschen Rallye Meisterschaft ist 2010 so stark besetzt und so ausgeglichen wie schon lange nicht mehr. Da gibt es viele Favoriten. Die Gruppe-N-Teams haben zugelegt und bei der AvD-Sachsen-Rallye muss man mit den schnellen Porsche-Mannschaften rechnen, wie Olaf Dobberkau im vergangenen Jahr mit seinem Gesamterfolg gezeigt hat. Aber von dieser spannenden Situation profitieren die Meisterschaft und die Fans, die hoffentlich zahlreich zur Rallye kommen. Es lohnt sich.

Was hat dir am meisten Schwierigkeiten bereitet?
Matthias: Ein Super 2000-Auto wie unser Škoda Fabia stellt einen Fahrer vor ganz andere Herausforderungen als zum Beispiel ein WRC. Der Zwei-Liter-Saugmotor funktioniert am besten bei hohen Drehzahlen. Die Motorleistung ist nur in einem relativ kleinen Bereich wirklich nutzbar. Das war schon eine Umstellung für mich im Vergleich zum WRC-Turbo mit viel Drehmoment. Aber diese besondere Herausforderung macht die Saison für mich so reizvoll und spannend.

Worin liegen im Fahrverhalten die größten Unterschiede zwischen einem WRC (World Rallye Car) und den neuen Super 2000 Fahrzeugen?
Matthias: Die beiden Konzepte, also WRC und Super 2000, unterscheiden sich durch mehr Elemente, nicht nur den Antrieb. Außerdem ist der direkte Vergleich für mich sehr schwierig. Zwischen dem Fabia WRC und dem S2000 liegen einige Jahre Entwicklungszeit. Besonders im Fahrwerksbereich ist der Fabia S2000 eine ganz neue Liga. Sogar auf Schotter und rutschigem Untergrund fährt er wie auf Schienen. Das ist der Hammer.

Der Rallyeleiter Michael Görlich hat behauptet, dass du die Strecken fast schon wie "im Schlaf" kennst? Welche Vorteile kannst du daraus für dich ziehen?
Matthias: Ich kenne die Strecken nicht besser als viele meiner Mitstreiter. Und Schlafen geht gar nicht. Bei der Leistungsdichte muss ich vom ersten Moment an ausgeschlafen sein. Eine Unaufmerksamkeit kann schon alle Chancen zunichte machen. Schon mit dem Fabia WRC war keine Rallye ein Spaziergang. Jede Rallye muss man sich aufs Neue erarbeiten. Außerdem beeinflussen die Wetterverhältnisse die Bedingungen auf den Wertungsprüfungen. Da zählt auch die Erfahrung mit dem Auto.

Welche Prüfungen werden denn dem Škoda am besten liegen?
Matthias: Noch kenne ich die Prüfungen ja nicht vollständig. Auf jeden Fall können wir die Vorzüge unseres Škoda am besten auf den kurvigen und selektiven Passagen ausspielen. Wenn es auf Asphalt lange geradeaus geht, kommt uns das sicher nicht entgegen. Aber dafür ist ein Rallyeauto ja auch nicht gebaut.


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