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Anfangs ging es nur mit Humor - Improvisation statt Innovation

Das Team von Uwe Walz passte das Fahrwerk auch mal den "unpassenden" Reifen an.
von Uwe Köllner & Uwe Walz

Motorsport-Magazin.com - Im Rallyesport sind ständige Innovationen gefragt. Jedes Detail sollte stimmen, die Technik muss miteinander harmonieren, das Fahrwerk und die Reifen bestimmen oft über Erfolg und Misserfolg. Für Uwe Walz aber gab es eine Zeit, in der die Mannschaften auf ihr Improvisationstalent zurückgreifen mussten. Humorvoll und ohne Scheu vor technischen Eskapaden widmeten sie sich dem Sport. Erinnerungen eines Beifahrers, der sich einmal "zu Höherem" berufen fühlte und auch dem Nachwuchs eine Chance geben wollte: Sein eigenes kleines Experiment, das durch eine kleine "Valeska" auf den Kopf gestellt und wie der kleine Peugeot eingestampft wurde.

"1995 fuhren wir zur Rallye Wittenberg in den Osten der Republik. Meine Erfahrungen auf Prüfungen im Osten beschränkten sich damals auf die Hessen-Rallye 90, bei der wir mal im Osten rund um Eisenach fuhren, sonst hatte ich keinerlei Erfahrungen, Sven Haaf auch nicht. Aber Stefan Burg. Und der sagte uns immer wieder, dass wir unbedingt Schotterräder brauchen würden. Unbedingt.

Sven hatte aber keine. Donnerstag abends jedoch, kurz bevor wir zur Rallye los wollten, fiel es Sven wieder ein: Wir brauchen Schotterräder. Also ran ans Telefon und mal bei Herrmann Gahr angerufen: "Ja ja, ich bringe euch welche mit." Am Freitagnachmittag schließlich kam Stefan mit dem Gespann und dem Rallye-Auto, während wir die Strecke abfuhren.

Er also zu Herrmann Gahr und die Schotterreifen montiert - die allerdings für einen Mitsubishi konzipiert waren.... Aus Mangel an Alternativen hat Stefan die Dinger einfach montieren lassen und auf unseren Peugeot draufgeschraubt...

Als der Peugeot wieder vom Wagenheber runter war, ließ sich aber kein Rad mehr drehen, so groß waren die Dinger. Meine Güte, was haben wir gelacht...

Also hat unser Service-Team in der Nacht eben noch schnell einmal das Fahrwerk getauscht und den Peugeot höher gelegt. So haben die Räder wenigstens in die Radhäuser gepasst und das Auto war halbwegs lenkbar. Aber das Beste: Über die ganze Rallye sind wir nicht ein einziges mal mit den Rädern gefahren, immer nur mit Slicks.

Anfangs ging es nur mit Humor. - Foto: Archiv Walz

Zur 3-Städte sind wir dann mit 14-Zoll-Schotterreifen ausgerückt, das war richtig gut. Am Ende der Saison waren wir dann auf dem 10. Platz in der DRM-Wertung, das war für unser erstes Jahr nicht schlecht und machte Mut für 1996.

Sven aber hatte über den Winter nur zwei neue Aufkleber aufs Auto gemacht, sonst nichts - er hatte den Wagen nicht einmal gewaschen. Das war natürlich ein bisschen zu wenig und so kam, was kommen musste:

Nach einem Ausfall bei der Sumava-Mogul war die Saison schneller beendet, als sie begonnen hatte. Ausserdem musste Sven zum Bund: Das Rallyefahren war für ihn erst mal vorbei. So fuhren Stefan und ich wieder mit unserem Peugeot 205 weiterhin nationale Rallyes 200.

1996 haben wir dann gedacht, wir müssten mal ein Junior-Förderprogramm starten. Also haben wir Sven Haafs Schwester Valeska unseren Peugeot für die Hunsrück-Rallye geliehen. Stefan hat den Service gemacht, ich bin mitgefahren.

Nach so ungefähr drei Prüfungen kamen wir zum Service. Da meinte Stefan zu Valeska, sie könne ruhig ein wenig mehr Gas geben und müsse nicht so durch die Prüfungen schleichen.

Gut, auf der nächsten Prüfung hatten wir bergab dann einen Highspeed-Dreher. Ich war nur froh, dass wir nirgends angeschlagen sind. Die folgende Prüfung aber war der Maiwald in Baumholder... Da kam Valeska irgendwie mit dem Lenken nicht mehr nach - auf jeden Fall lag der Peugeot anschließend auf dem Dach im Wald. Damit war die Rallye als auch die Episode "gelber Peugeot" für uns beendet - unser Nachwuchs-Förderprogramm übrigens auch.

Na ja, wir haben uns dann wieder einen 205er Peugeot, dieses Mal einen roten, zugelegt und sind gemeinsam weiterhin 200er Rallyes gefahren - als Highlight immer die Hunsrück-Junior im Hambachtal. Das war immer eine Gaudi und grade so richtig als Saisonausklang.

1997 bin ich dann hier die letzte Rallye meiner Karriere gefahren, Nach Familiengründung, Hausbau und 10 Jahren Rallyesport war auch finanziell nicht mehr drin.... Bis zu meiner "Kollison" mit Rainer Noller im Jahre 2002. Doch dazu später mehr."


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