DRS

Kühler Kopf auf heißem Sitz - Walz mit turbulenten Erfahrungen

Uwe Walz lässt sich von der Technik nicht unterkriegen.
von Uwe Köllner

Motorsport-Magazin.com - Gemeinsam mit Rainer Noller ist Uwe Walz auf den Pisten der Deutschen Rallye Serie 2008 erfolgreich unterwegs gewesen. Als Beifahrer des Heilbronners weißt er ihm den Weg durch die Wertungsprüfungen. Seine bisherige Karriere als Copilot ist ebenso kurvig wie die ein oder andere Rallye. Gern erinnert er sich an seine bisherige Laufbahn, die nicht immer nur erfolgreich und konstant verlief.

"1991 hatte ich zunächst kein festes Programm mehr, auch weil mir das Budget fehlte. Ich hatte im Jahr zuvor eine berufliche Weiterbildungsmaßnahme begonnen und konnte mir den Rallyesport einfach nicht mehr leisten Aber die Szene ist ja nicht so groß, Stefan Burg hatte nach seinem Jahr als Werksfahrer bei Peugeot im Gr.-A 205er (1991) auch kein Programm für 92, so beschlossen wir, gemeinsam ein neues Projekt anzugehen.

Nach dem Gr.-A Peugeot kam für uns nur ein leistungsstarkes Fahrzeug in Frage. Irgendwann kauften wir uns einen Opel Kadett C City und fingen an, den Wagen für Rallyes vorzubereiten.

Diese Zeit war für uns sehr schön, allerdings haben wir die Technik nie in den Griff bekommen: Der erste Motor, den wir gebastelt hatten, ging schon beim Probelauf in der Garage ein. Und egal, was wir auch bastelten, das Ding hielt nie länger als 300 Kilometer, dann war wieder was platt. Mal waren die Ventile krumm, mal gingen die Hauptlager drauf, weil kein Schwabbelblech in der Ölwanne drin war, dann brannten die Kolben durch, weil die Vergaser zu mager eingestellt waren, es brach die Schwungscheibe und und und. Völlig entnervt begruben wir das Projekt Kadett, gaben die Karre bei unserem Freund Gernot Haaf, der damals ein Peugeot-Autohaus betrieb, in Zahlung und holten uns wieder einen 205er Peugeot.

Gernot kannten wir aus der nationalen Szene und Sven Haaf begann damals gerade seine Karriere auf einem Talbot Samba.Nach einigen nationalen Erfolgen sollte Sven erste internationale Erfahrungen mit einem erfahrenen Beifahrer sammeln.

1993 fuhren Sven und ich dann los zur Rallye Stemweder Berg. Wir standen nach dem Abfahren am Start zur ersten WP, Start bergab, 200 Rechts voll, 400 Rechts 2 an T, Achtung Graben außen... Ich weiß das noch wie heute: der Starter zählte runter, Sven schoß los, schaltete die Gänge hoch bis in die 5te Welle - ich kuckte raus und denke: wann bremst denn der? Wann bremst er ??? Ohgottohgott - das reicht ja nie !!

In Gedanken hatte ich schon ein Kreuz in den Aufschrieb gemacht - das war es dann wohl. Aber der Junge bremste, mit stehenden Rädern und viel Rauch aus den Radkästen zirkelte er den Kasten um den Abzweig - wow, das gab es nicht. So ging es Kurve um Kurve, WP um WP. Ich war begeistert, die Konkurrenz war es auch.

Da taucht so ein Nobody aus dem wilden Süden auf und klatscht den Jungs Zeiten um die Ohren, dass ihnen Hören und Sehen vergeht. Irgendwann ging allerdings der Motor ein, und ohne zählbares Ergebnis mussten wir den Heimweg antreten. Das war echt schade.

Aber gut, für 1995 planten wir dann die DRM-Saison auf einem Peugeot 306 16V in der Gruppe N. Nachdem es zu Saisonbeginn noch einige Budget-Probleme gab, stiegen wir erst zur Deutschland-Rallye ein. Das war unglaublich. Horst Rotter, als alter Hase in der DRM, Carsten Mohe, Matthias Kahle, Armin Krämer - die ganzen Jungs fuhren damals N bis 2 Liter.

Die Rallye ging damals über 3 Tage, als Abschlussprüfung am ersten Tag war die Nordschleife angesagt. Horst fuhr als gesetzter Fahrer mind. 30 Fahrzeuge vor uns und hatte noch optimale Bedingungen - Tageslicht, trockener Asphalt, klare Sicht. Als wir dran waren war es dämmrig, fast schon Nacht. Die anderen Jungs in unserer Klasse hatten alle große Lampenbäume auf der Haube - wir hatten dagegen keinen Unterschutz, kein Ersatzrad und kein Licht montiert. Die gefahrene Zeit gab uns recht, wir waren nur 2 Sekunden langsamer als Horst und 30 schneller als der Rest in unserer Klasse! Da waren sie wieder verblüfft.

Am nächsten Morgen war wieder die Nordschleife dran, diesmal als erste Prüfung, und da war keiner mehr schneller. Klar, auf den anderen WPs in der Eifel und an der Mosel fehlte Sven einfach die Erfahrung und die Streckenkenntnis - aber ein erster Marker war gesetzt. Als Klassendritte fuhren wir in Adenau über die Rampe. Das war schon ein tolles Gefühl.

Dann war die Hunsrück angesagt - der Klassiker in und um Baumholder. Ich meine, da war so um die 80% Asphalt ausgeschrieben, aber wer schon mal in Baumholder war und den Asphalt dort kennt, dem brauch ich nichts mehr zu erzählen. Wir hatten uns mit den Reifen total vertan, nur die weichen Gummis von der Nordschleife und der Deutschland dabei, dann noch einen Cutter zum Aufschneiden der Slick, falls es regnen sollte. Wir also los in Baumholder mit den weichen Slicks - die haben schneller abgenommen als der Mond.

Auf einer Prüfung sind wir ziemlich hart über eine Kante gefahren, die quer über die Straße ging. Sven rief: "Ich glaub, wir haben einen Platten, schau mal raus, ob es auf deiner Seite ist." Ich schaute und rief zurück: "Ja, vorne rechts ist platt." Da sagte er: "Mist, vorne links auch."

Also haben wir angehalten, vorne rechts das Ersatzrad drauf gemacht, dann links hochgebockt und von vorne nach hinten gewechselt. So sind wir dann zum Service zur Panzerplatte gekommen. Unsere Jungs haben dann neue Räder drauf gemacht - aber aus der Ölwanne lief auch noch Öl raus. Die Aluwanne hatte einen Riss abbekommen. Aber wir hatten ja Ersatz dabei, man ist ja vorbereitet - also eine Neue drunter und weiter ging es.

Beim nächsten Service das gleiche Spiel: Wieder die Ölwanne hin, was nun? Die Ölwanne vom Trainingsauto runter und ins Rallyeauto eingebaut. Und wieder weiter - bis zum nächsten Service. Da ging es dann wieder los. Schon wieder ein Riss. Jetzt ist Schluss, stand für uns fest. In der Servicezeit hätten wir das eh nicht mehr hinbekommen.

Da stand aber so ein 205er auf dem Serviceplatz rum - von einem Zuschauer. Wir dahin, die Karre hochgebockt Ölwanne weg und unter unser Rallyeauto drunter. War zwar keine Aluwanne, sondern nur aus Stahl, aber die hielt die ganze Rallye durch. War zwar am Ende auch eingedrückt, aber immer noch dicht.

Ich weiss nicht mehr, wie wir im Ziel platziert waren, aber wir waren im Ziel.


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