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Ohne Tacho fährt es sich schneller - Mit allen möglichen psychologischen Tricks

Kurios, amüsant und spannend: Uwe Walz und seine bisherige Rallye-Laufbahn.
von Uwe Köllner und Uwe Walz

Motorsport-Magazin.com - Sein fester Platz ist der Beifahrersitz, sein liebstes Hobby die rasante Mitfahrt über die Wertungsprüfungen. Als Streckenposten fing der 43-jährige Baden Württemberger mit dem Rallyesport an. Als 21-Jähriger erfolgte damals sein Einstieg als Copilot:

"Beim Studium der Ergebnisliste der Weibertreu-Rallye 1986 in der Halle in Weinsberg traf ich auf meinen Schulkameraden Stefan Burg. Wie sich herausstellte, hatte Stefan bereits ein Rallye-Jahr im Fiat 127 seiner Mutter erfolgreich absolviert, sein Beifahrer konnte aus familiären Gründen nicht mehr mit ihm fahren. Er war auf der Suche nach einem anderen, so kamen wir zusammen.

1986 fuhren wir um den ONS-Pokal, im Fiat 127 mit 45 PS und 900 ccm, Klasse G7. Darunter gab es damals nichts mehr... Mitte des Jahres beschloss Stefan dann, im Folgejahr (1987) am ONS-Peugeot 205 Gti-Cup teilzunehmen. Der Fiat wurde der Mutter zurückgegeben und ein 205er Peugeot gekauft.

Mein damaliger Sportleiter hat uns dann, um unsere Chancen im laufenden Championat zu wahren, seinen 127er Sport mit 70 PS zur Verfügung gestellt. Für den 205er-Cup reichte mein Budget damals nicht aus, also schienen sich unsere Wege zu trennen.

Aber nach der Saarland-Rallye 1987 stand Stefan wieder auf der Matte. Es hatte mit seinem damaligen Co nicht richtig funktioniert. Also fuhren wir 1987 und 1988 gemeinsam den 205er-Gti-Cup. Das war eine richtig tolle Truppe. Toni Stix fuhr damals mit Siggi Schrankl, Paul Jerlitschka und Dietmar Moch waren im 205-cup unterwegs, Thomas Kleinwächter, Gerfried Böbel, Gerd Heisel, ich weiss nicht, wer noch alles...

1989 wechselte ich zu Walter Kühle, ebenfalls im 205er-Cup. In diesem Jahr hatten wir gemeinsam unheimlich viel Spass, Walter war ein lockerer Vogel. Nachdem wir Vertrauen zueinander gefasst hatten, wurde 89 ein Super-Jahr.

An jeder Rallye, an der wir teilnahmen, waren wir nach der ersten Etappe immer auf dem 2. Rang im Cup, doch immer passierte uns auf der folgenden Etappe irgendein Missgeschick. Mal streikte die Benzinpumpe wie in Hammelburg: Walter riss verzweifelt den Sicherungskasten auf, aber alles war ok. Ich fasste nach hinten und wollte den Deckel der Abdeckung abreißen, kam aber nicht richtig ran, legte dann einfach mal meine Hand auf den Deckel und siehe da - die Pumpe lief wieder.

Dann überschlugen wir uns bei der Saarland-Rallye auf der Wahlener Platte, die Kiste fiel aber wieder auf die Räder, wir standen quer zur Fahrbahn. Während Walter wie verrückt am Lenkrad drehte, sah ich noch mal zurück auf den Ort unseres Überschlags. Da lagen schon einige Papiere, unter anderem auch meine Bordkarte. Ich rief zu Walter: "Halt mal, ich muss zurück, da liegt meine Bordkarte!" Wow, vor der Prüfung waren wir vierte im Cup, nach unserem Überschlag plötzlich zweite.

Bei der Hunsrück-Rallye verloren wir fast die Hinterachse, unser Service hat sie dann festgeschweißt, aber das war nur ne psychologische Schweißung - gehalten hat die nichts. Walter aber hat geglaubt, das hält ewig und fuhr wie ein junger Gott - auf jeden Fall mussten wir dann zur technischen Nachuntersuchung -. Jeder glaubte, wir hätten einen faulen Motor mit mehr Hubraum, also wurde der Kopf demontiert. Aber da war nichts zu finden, alles in Ordnung

Doch nachdem Walter Kühle bereits frühzeitig sein Karriere-Ende zum Saisonabschluss bekanntgegeben hatte, passten wir Peugeot nicht mehr ins Konzept und aufgrund einer blöden Situation wurden wir bei der 3-Städte-Rallye aus der Wertung genommen - keine Punkte, kein Preisgeld, keine Siegerehrung... Das war so ziemlich das bitterste, was mir in meiner Karriere widerfahren ist.

1990 fand ich dann mit Wolfgang Obenland im Sierra Cosworth ebenfalls in der DRM einen Platz, da gings richtig zur Sache. Damals war noch nichts mit der Spassbremse Air-Restrictor, das Ding hatte richtig Schub auf der Hinterachse.

Wir sind alle Läufe zur DRM gefahren, damals war es s aber schwer, richtig vorne mitzufahren. Stefan Schlesack, Michael Gerber, Stefan Uhl, Axel Zäuner und Andi Wetzelsberger waren damals alle in unserer Klasse unterwegs und auf dem Sprung nach vorne.

Manchmal hatte ich das Gefühl, dass der Cossi zu schnell war, besonders auf Asphaltgeraden. Ich hab dann einfach am Service mal einen Bierdeckel über den Tacho geklebt, so dass der Wolfgang nicht mehr sah, wie schnell wir eigentlich unterwegs waren - und siehe da, von da an ging es besser. Ich hatte manchmal einfach das Gefühl, wenn er erst mal sieht, wie schnell wir eigentlich sind, dann zieh ets ihm den Fuss vom Gas.

Klar, aus meiner Sicht ist das einfach, zu pushen. Aber fahren muss immer der Fahrer - das war ein wichtiger und auch manchmal schwieriger Lernprozess in meiner Laufbahn. Daher muss man eigentlich vor jedem, der ins Ziel kommt, den Hut ziehen - egal, wie es von aussen aussieht. Manchmal bin ich überrascht, wie Zuschauer reagieren und diskutieren. Von aussen zu kritisieren ist die leichteste Übung - aber immer gilt: der Fahrer fährt und am Schluss wird abgerechnet. Ende 1990 aber trennten sich unsere Wege mit dem Vize-Titel in der württembergischen Meisterschaft.


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