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Blancpain GT Series - Interview - Philipp Eng: Spa herausfordernder als Nürburgring

Ziel ist die Titelverteidigung

Philipp Eng tritt mit ROWE RACING als Titelverteidiger bei den 24 Stunden von Spa an. Im Interview erklärt der BMW-Pilot die Tücken des belgischen Kurses.
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Motorsport-Magazin.com - Philipp, dieses Wochenende gehst du für ROWE RACING als Titelverteidiger bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps an den Start. War der Sieg 2016 dein bislang größter Erfolg?
Ja, das würde ich schon sagen. Zum einen war es mein erster Sieg überhaupt als BMW-Werksfahrer, und dann natürlich gleich im ersten Jahr mit dem BMW M6 GT3. Ich war ab einem gewissen Zeitpunkt bei der Entwicklung dabei und habe damit auch einen kleinen Beitrag dazu beigetragen, dass das Auto am Ende schnell war.

Und der Sieg selbst?
Philipp Eng: Es war einfach ein perfektes Rennen. Wir haben genau das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten: keine Fehler zu machen. Keine Fehler vom Team, keine Fehler von uns Fahrern, keinen Kontakt, gar nichts. Bei einem Rennen, wo ungefähr 50 gleichwertige Autos am Start stehen, ist das schon eine Leistung. Dass wir dann das Ding gewonnen haben, war schon unglaublich.

Was ist schwieriger: Das Rennen gewinnen oder den Titel verteidigen?
Philipp Eng: Ich glaube, die Titelverteidigung. Zu einem 24-Stunden-Rennen gehört so viel dazu, um erfolgreich zu sein. Wir haben es zuletzt beim am Nürburgring gesehen. Durch einen Reifenschaden haben wir fünf Minuten verloren - und das war's dann einfach. Ich glaube schon, dass du das nötige Quäntchen Glück brauchst, um den Sieg in Spa zu wiederholen. Selbst, wenn der Speed passt. Da kommen dann einfach Sachen dazwischen, die du nicht in der Hand hast.

Welches Ziel habt ihr euch für das diesjährige Rennen gesteckt?
Philipp Eng: Das Ziel ist, den Titel zu verteidigen, ganz klar. Aber es ist wie bei jedem Rennen, wo es um so einen großen Sieg geht. Es ist schwierig zu sagen, wer wie viel im Vorfeld gezeigt hat. Aber wir hatten in Spa letztes Jahr ein sehr gutes Auto. Der Vorteil bei unserem Auto ist, dass es relativ angenehm zu fahren ist im Grenzbereich. Ich sehe da Vorteile bei uns über die Distanz.

Engs bislang größter Erfolg: Gesamtsieg in Spa mit BMW - Foto: Günter Kortmann

Was ist die größere Herausforderung: 24h Nürburgring oder 24h Spa?
Philipp Eng: Herausfordernder finde ich persönlich Spa. Nicht wegen der Strecke, sondern einfach weil du nur eine Kategorie an Fahrzeugen hast. Da ist es oft schwieriger, durch den Verkehr zu kommen. Wenn du auf so einer schnellen Strecke dicht hinter einem anderen Auto fährst, dann fährst du im ersten Moment nur so schnell wie der Vordermann. Am Nürburgring ist das ein bisschen anders, denn du hast nicht so viel GT3-Verkehr, auch, weil die Strecke viel länger ist. Da überholst du nur langsamere Autos. Deshalb würde ich sagen, dass Spa in der Hinsicht schon eine größere Herausforderung ist.

Spa soll wegen der geringen Beleuchtung entlang der Strecke vor allem nachts extrem schwierig sein.
Philipp Eng: Ja, das ist schon eine spezielle Aufgabe. Wir haben nur ein Nacht-Training, da muss man mindestens zwei Runden gefahren sein. Aber das Licht an unserem Auto ist sehr, sehr gut. Da brauchst du zwei Runden, bis du weißt, wie alles funktioniert. Ich fahre lieber bei Nacht, da merkt man die Geschwindigkeit nicht so sehr wie am Tag. Also mir macht das Spaß. Aber es ist natürlich immer eine Herausforderung, wenn du während des Rennens im Dunkeln einsteigst und sofort performen musst. Das ist in den ersten ein, zwei Runden etwas knifflig.

Ist das eine Bewerbung ans ROWE RACING Team, die Nacht-Stints zu fahren?
Philipp Eng: Ja, das könnte schon sein... Nein, ich fahre einfach gerne in der Nacht, ich habe damit kein Problem. Ich hatte letzte Jahr in Spa die zwei schönsten Stints: in die Nacht und in den Tag hinein. Am Nürburgring war es genauso und ich hoffe, dass das wieder so kommen wird.

ROWE RACING tritt als Titelverteidiger in Spa an - Foto: Vision Sport Agency

Der Stint aus der Nacht in den letzten Morgen gilt als kritischste Phase des Rennens, oder?
Philipp Eng: Um etwa sieben Uhr morgens hast du schon einiges überstanden, auch, wenn dann noch ein halber Tag bevorsteht. Wichtig ist speziell in Spa, dass du einfach bis fünf, sechs Uhr im Rennen bist, gut mitgehalten hast, und ab dann anfängst, noch mal richtig zu pushen und alles zu geben. Da entscheidet sich das Rennen. Du musst dafür sorgen, dass du bis dahin ein gutes Auto hast, möglichst ohne Schrammen.

Welche Passagen in Spa machen mit dem GT3-Auto am meisten Spaß?
Philipp Eng: Jede Kurve eigentlich, aber speziell die Klassiker Eau Rouge und Blanchimont. Für ein GT-Auto wirklich sehr beeindruckend finde ich, dass Eau Rouge voll geht. Da schaltest du kurz davor in den sechsten Gang. Das geht zwar nicht in jeder Runde, aber auf einem guten Reifensatz und wenig Benzin im Qualifying ist das möglich. Da merkst du richtig die Dynamik des Autos und was da eigentlich geht. Blanchimont ist mittlerweile keine Kurve mehr, die geht relativ einfach voll.


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