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Wenn aus Spaß plötzlich Ernst wird - Supermoto-Läufe auf dem Harz-Ring

Bisher wurde der Harz-Ring von den Piloten der Supermoto DM nur als Trainingsstrecke unter die Räder genommen.

Motorsport-Magazin.com - Doch dies änderte sich am vergangenen Wochenende drastisch. Wie groß der Unterschied zwischen Spaß und Ernst ist, zeigen ganz deutlich die Rundenzeiten. Bisher hielt S1-Pilot Andre Plogmann mit 1:16.084 die Bestzeit auf dem 1.465 Meter langen Kurs. Unter DM-Bedingungen verbesserte Plogmann seinen Wert um 1,5 Sekunden. Doch den Rundenrekord hielt er damit bei weitem nicht. Markus Class brannte im Zeittraining der S1 eine 1:12.815 in den Asphalt. Eine Zeit, die wohl frühestens bei der Harz-Ring DM im kommenden Jahr unterboten wird.

S1 - Der Gast ist König

Markus Class hatte sich im Zeittraining ganz knapp die Führung vor Pavel Kejmar und dessen Landsmann Tomas Travnicek sichern können. Markus Volz startete von der vierten Position.

Im ersten Rennen gewann Kejmar dann den Start gegen Class und Volz katapultierte sich auf Rang drei vor Travnicek. Aber schon in der zweiten Runde war Travnicek an Volz vorbei und hing Class am Hinterrad. Dieser musste sich nun zwischen Angriff und Verteidigung entscheiden. Kejmar ziehen lassen war sicherlich keine Option für Class, doch Travnicek ließ auch nicht locker. In der siebten Runde ging der Tscheche an Class vorbei und attackierte direkt seinen Landsmann. In der zwölften Runde war es dann so weit, dass Travnicek seinen Kollegen Kejmar an der gleichen Stelle überholte wie zuvor Class. Ein beherztes Manöver, bei dem er sich in einer Kurve der Kartbahn innen vorbei schob, ließ den Gast zum König werden. Markus Volz wurde Vierter, gefolgt vom Niederländer Maik Voorwinden.

Den Start ins zweite Rennen gewann Class vor Volz, Joannidis und Travnicek. Tabellenführer Kejmar kam schlecht ins Rennen. Als Sechster musste er sich erst an Künzel, dann an Joannidis vorbei kämpfen um in Reichweite des Podiums zu gelangen. Travnicek hatte zwischenzeitlich Volz passiert und attackierte Class ab der zweiten Runde fortwährend. Das Schauspiel glich einer Treibjagd, bei der Class darauf besonnen war sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und Travnicek bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Vorderrad zeigte. Am Ende wurde Class belohnt.

Er gewann das Rennen, während Travnicek nach einem Sturz in der viertletzten Runde das Podium verfehlte und Vierter wurde. Kejmar hatte sich in Runde acht an Volz vorbei gekämpft und wurde so vor seinem Teamkollegen Zweiter. Nico Joannidis belegte den fünften Platz, nachdem er sich in der letzten Runde noch auf ein Scharmützel mit Künzel einließ.

Es war wohl nicht unbedingt das Wochenende des Rekordmeisters. Im Zeittraining nur der achte Startplatz, dann erst Pech und ein hart erkämpfter siebter Platz im ersten Rennen, und zum Schluss noch das Gerangel mit Joannidis. Künzel trieb in einer Kurve zu weit nach außen und stürzte beim Versuch sich gegen den resultierenden Angriff von Joannidis zu wehren - Zwölfter.

Michi Herrmann erging es allerdings noch schlechter. Er reiste gänzlich ohne Punkte vom Harz-Ring ab, nachdem ihn während des Warm-up am Morgen erst das Einsatzmotorrad, und im ersten Rennen dann auch noch das Ersatzmotorrad mit Motorschaden im Stich ließen.

S2 - Der Alte geht, der Neue kommt

Jochen Jasinski hatte wieder die Pole Position vor Jan Deitenbach, Dirk Spaniol und Kevin Würterle. Diese setzte er beim Start ins erste Rennen fast schon naturgemäß um und preschte mit seinem Zweitakter voraus. Spaniol gewann gegen Deitenbach, und fuhr als Zweiter in den Offroad hinein. Würterle lag auf dem vierten Platz, überholte Deitenbach aber schon bei der ersten Durchfahrt des Geländeteils. Schon in dieser ersten Runde ließ Jasinski keinen Zweifel an seiner Überlegenheit aufkommen.

Der Tabellenführer orientierte sich nach vorne und fuhr sehr zügig eine recht große Lücke zu Spaniol heraus, der seinerseits mit Würterle zu kämpfen hatte. Spaniol bekam erst gegen Mitte des Rennens etwas mehr Abstand zum Rookie aus Berkheim. Jan Deitenbach musste seinen vierten Platz gegen den Belgier Jean-Marc Gaillard verteidigen. Der Abstand zwischen diesen beiden variierte während des Rennens. Am Ende schaffte Deitenbach allerdings einen ordentlichen Vorsprung von 2 Sekunden ins Ziel zu retten.

Im zweiten Rennen hatte Jasinski wieder die Nase vorne. Der zweifache Meister dieser Klasse fuhr geradewegs zu seinem zehnten Saisonsieg, und ist somit bisher ungeschlagen. Dirk Spaniol kam erneut als Zweiter durchs Rennen. Jan Deitenbach war ihm in den ersten Runden auf den Fersen, konnte dann allerdings nicht mehr Schritt halten. Er hatte vielmehr das Glück, dass ihm nicht das gleiche wie Kevin Würterle geschah und eher am Ende noch von Jens Wiedemann eingeholt wurde. Wiedemann, der sich am Vormittag den Titel zum C2 Pokalsieger sichern konnte, trat nämlich als Gast in der Deutschen Meisterschaft an.

Während er im ersten Rennen nach einer Startkollision das Feld von ganz hinten aufräumen musste und dennoch Sechster wurde, lief beim zweiten Lauf alles glatt. Wiedemann pflügte durchs Feld und kämpfte sich Runde um Runde nach vorne. An Kevin Würterle, der schon mehrfach auf dem S2 Podium stand, fuhr er schließlich problemlos vorbei und schloss die Lücke zu Deitenbach ganz schnell. Aber für eine Attacke reiche es am Ende nicht mehr. Somit wurde Wiedemann Vierter, gefolgt von Würterle. Seine große Klasse bewies Wiedemann aber nicht nur durch seine Aufholjagd, sondern auch dadurch, dass er die zweitschnellste Runde des Rennens fuhr. Nur Jochen Jasinski war schneller.

Jasinski verkündete am Ende offiziell, was er schon seit Beginn der Saison androht. "Wenn ich am Ende dieser Saison bewiesen habe, dass der Zweitakter das bessere Konzept ist - und damit meine ich den Meistertitel - dann hör ich auf. Für mich gibt es keinen schöneren Anlass aufzuhören!" Jasinski hat bisher alle zehn Rennen der laufenden Saison gewonnen und steht mit 53 Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze.


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